Mittwoch, 19. Juni 2013

13. Juli 2011 23:58 Uhr

Test "Child of Eden"

Ein grandioses Farbspektakel mit harmonisch psychedelischen Klängen

Der Rail-Shooter "Child of Eden" ist mutig. Die Entwickler haben eine Symphonie der Farben und Klänge gezaubert. Eine wahrlich intensive Erfahrung. Von Sebastian Hrabak

Verrückt, definitv! bunt, aber sich…doch was ist es eigentlich genau? Es hört auf den Namen „Child of Eden“. Es ist ein außergewöhnliches Farbspektakel das Entwickler Tetsuya Mizuguchi über den Bildschirm flackern lässt. Es ist eine Verbindung verschiedenster Farben, die sich zu einem gigantischen Regenbogen auswachsen, die alle Nuancen des menschlichen Auges in Wallung bringen; so lange, bis einem schließlich das Feuerwerk der Reizüberflutung zur Aufgabe zwingt.

Doch damit ist es nicht getan. Zu wilden Farbblitzen in „Child of Eden“ gesellen sich noch melodiöse Klänge aus dem psychedelischen Genre. Das ganze Spektakel, das irgendwie an eine monströse Visualisierung von Winamp erinnert, ist eingebettet in einen klassischen Rail-Shooter. Faulenzen und die wunderbare Komposition Mizuguchis zu genießen, kommt also keinesfalls in Frage. Vielmehr ist der Spieler gefordert, auf allerlei Bösewichte mit irrer Geschwindigkeit zu schießen, um sie sich vom Leib zu halten und gleichzeitig Eden zu retten. Denn das Thema lautet: Befreie die Bewohner Edens – das Internet der Zukunft – vor bösen Viren.

Die Gegner sind anspruchsvoll, aber doch nebensächlich

Einfacher gesagt als getan, denn die bösen Viren sind in der Tat relativ hartnäckig. Wenn man sich also genüsslich durch das Farb- und Klangspektakel ballert, ist große Vorsicht geboten. Denn der überaus kreative Enwickler hat einen Knackpunkt in sein Spiel eingebaut. Mizuguchi hat die Sinnesorgie so programmiert, dass wildes Geballere nicht gerade zum Ziel führt. Entscheidend ist, die von Viren befallen Feinde (wie Manta-Rochen) im Takt der Musik zu treffen. Diese Fingerfertigkeit wird in „Child of Eden“ belohnt. Der Spieler verdient sich massenhaft Kombo-Punkte, wie man es aus dem Musik-Genre um „Rock Band“ oder „Guitar Hero“ kennt.

Doch selbstverständlich basiert der Schwerpunkt des Entwicklers nicht auf rockigen Klängen. Er bedient sich ausnahmslos an einem Soundtrack, der aus dem Techno-Genre stammt. Das Gefühl, das der große Macher für die psychedelischen Symphonien bei „Child of Eden“ beweist, ist einzigartig.

Ein einzigartiges Projekt, das Mut beweist

Ebenso erfreulich ist es, dass Publisher Ubisoft den Mut zeigte, das unkonventionelle Projekt „Child of Eden“ überhaupt zu verwirklichen. In einer Welt, in der die Fortsetzungen bewährter Blockbuster wie „Call of Duty“ regieren, weil sie stets mit geringem Aufwand riesige Gewinne einfahren, ist ein Spiel dieser Fasson ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit. Die Kreativität steht im Mittelpunkt, nicht die Massenkompatibilität. Und das Geschick, die Phantasie mit der Tetsuya Mizuguchi zu Werke geht, ist schlichtweg phänomenal. Der Spieler befindet sich innerhalb kürzester Zeit in einem Gefühlsrausch, der süchtig macht. Hervorragend!

Kinect?!? Was ist das?

Natürlich ist gerade dieses Spiel für die neue Bewegungssteuerung „Kinect“ von Microsoft ausgelegt. Allerdings hatte ich keine Möglichkeit, die Handhabung mit der Erweiterung zu testen, da sie der Hersteller nicht zur Verfügung stellte.

Fazit:

„Child of Eden“ ist kein alltägliches Spiel. Die Farbenwelt eines Tetsuya Mizuguchi gepaart mit seinem Gefühl für das Zusammenspiel von Musik ist einzigartig. Dass man in dem Rail-Shooter auch noch Gegner töten muss, um nicht selbst einen frühen Tot zu sterben, ist da beinahe schon lästig. Nebensächlich ist es allerdings zweifellos, auch wenn geschickte Kombos noch einen größeren Klangenuss bereiten.

Bei „Child of Eden“ wäre es aber keineswegs schlimm, müsste man sich nur auf die verrückte  Farbenreise des Entwicklers konzentrieren, mit der man durch die einzelnen Levels geschleust wird. Einzigartig auf seine eigene Weise.

Der Shooter aus dem Hause Ubisoft ist also ein Erlebnis, das es so nicht alle Tage in den Spielregalen zu finden gibt. Einziger Wehrmutstropfen ist vielleicht, dass die überaus intensive Farbgestaltung die Augen (und damit das Hirn) arg strapaziert und so die Zeit, die man am Stück vor „Child of Eden“ verbringen kann, sich bei einem empfindlichen Menschen doch in Grenzen hält. Das soll allerdings die Spieleentwickler keinesfalls davon abhalten, derart intensive und vor allem kreative Spiele in Zukunft zu entwickeln. Denn es kann einfach nicht sein, dass das einzige Konzept der Publisher sooft die Fortsetzung eines stupiden Ego-Shooters ist. 

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