Für Lehrer soll die Nutzung von Facebook pädagogisch sinnvoll gestaltet werden. Die meisten Lehrer kennen ihre Schüler nur aus dem Unterricht. Was am Wochenende bei ihnen passiert, wissen sie nicht. Diese Trennung wird in der Welt von Facebook aufgehoben. Ein Modell in Nordrhein-Westfalen zeigt die Nutzung eines Zweitaccounts für die Schüler.
Facebook: Privater und öffentlicher Account für Lehrer
Die private Facebook-Welt der Deutschlehrerin Marie-Theres Johannpeter ist sehr geordnet. 74 virtuelle «Freunde» in streng getrennten Gruppen. Es gibt kaum Fotos, meist Schnappschüsse aus dem Urlaub. Bei Kontakten kann die Pädagogin zum Beispiel lesen, dass eine Kollegin heute krank ist. Der dienstliche Facebook-Zugang der 28-Jährigen führt in eine ganz andere Welt: bunt, prall und voller Partys. 255 «Freunde». Alles Schüler.
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Facebook ist das größte soziale Netzwerk im Internet überhaupt.
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Gegründet wurde das Unternehmen im Februar 2004 vom amerikanischen Studenten Mark Zuckerberg.
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Ursprünglich sollte Facebook nur ein elektronisches Jahrbuch für seine mitstudenten an der Harvard Universität sein.
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Jeder registrierte Nutzer von Facebook hat eine persönliche Profilseite, auf der er Nachrichten, Texte, Links und Videos mit anderen teilen kann. Freunde und Bekannte bekommen diese Botschaften dann eingeblendet.
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Im Jahr 2007 schaltete Facebook sein Netzwerk auch für Fremdanbieter frei. Diese stellen kleine Anwendungen zur Verfügung, die Mitglieder des Netzwerks ebenfalls nutzen können.
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Über den berühmten "Gefällt mir"-Knopf, den viele Internetseiten inzwischen eingebaut haben, können Facebook-Mitglieder direkt auf ihrer Profilseite einblenden, dass ihnen eine Seite, eine Anwendung oder eine Meinung gefällt.
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Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Firmen, Organisationen und Künstler können sich bei Facebook registrieren und eine eigene Profilseite freischalten.
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In die Kritik gerät Facebook immer wieder wegen seines recht laxen Umgangs mit den Daten seiner Nutzer.
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Im Jahr 2011 bekam Facebook den Negativpreis "Big Brother Award" verliehen.
Sie tanzen, knutschen, grüßen und schreiben über ihren Liebeskummer. Und Frau Johannpeter liest mit, auch wenn sie selbst hier kaum etwas schreibt. Über Facebook ist Frau Johannpeter ihren Schülern an der Karlschule in Hamm auch nach Unterrichtsschluss nah, aber nur über die Zweitidentität. Das ist so gewollt beim bundesweiten Vorreitermodell.
Den Schülern auch nach dem Unterricht via Facebook nah sein
Die Lehrerin für Deutsch und Biologie weiß, wie viel Vertrauen die Hauptschüler ihr im Netz entgegenbringen. «Solange das Grundgesetz nicht verletzt wird, schreite ich bei den Fotos der Schüler nicht ein. Es ist immerhin ein Vertrauensbeweis, dass sie mich bei Facebook als Freund annehmen und ich ihr Profil sehen darf.» Ab und zu klickt sie auf «Gefällt mir!» oder kommentiert nette Fotos. Sie ist als Account «Frau Johannpeter» mit den Schülern befreundet. Damit reagierte sie auf Freundschaftsanfragen der Jugendlichen. Die Idee der Zweit-Identität habe sie vor Monaten auf einer Schulkonferenz vorgestellt. Am Anfang hatten manche ihrer Kollegen große Vorbehalte.
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Unter den bekanntesten sozialen Netzwerken ist Facebook das mit Abstand populärste.
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Hier ein Überblick über Netzwerke und User-Zahlen:
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Facebook ging Anfang 2004 online – ausschließlich für Harvard-Studenten. Mittlerweile eint es eigenen Angaben zufolge über eine Milliarde aktive Mitglieder.
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Google + startete im Sommer 2011 und gilt als größter Facebook-Konkurrent. Das Netzwerk hat über 500 Millionen Mitglieder.
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Myspace war bis 2006 das populärste Netzwerk, wurde vor allem von Musikern und Bands, aber auch Privatleuten genutzt.
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StudiVZ hatte sich nach der Gründung 2005 stetig erweitert - um die Portale SchuelerVZ und MeinVZ. Mit dem Siegeszug von Facebook gingen die VZ-Netzwerke in den Sinkflug.
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Xing wird von etwa 10 Millionen Mitgliedern vor allem für berufliche Kontakte genutzt.
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Wer-kennt-wen, ein deutsches Portal, hatte laut eigenen Angaben bis zu 9 Millionen Nutzer. Doch dann grub Facebook auch diesem Netzwerke das Wasser ab.
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Tumblr ist eine Plattform für Micro-Blogging. Das 2007 in den USA gegründete Netzwerk hat mittlerweile weit über 40 Millionen Blogs.
«Die ältere Generation ist damit nicht aufgewachsen», erläutert Diplompädagogin Ingrid Wrede. «Sie haben regelrecht Angst vor Sozialen Netzwerken und vor dem, was dort über sie stehen könnte.» Wrede hat sich auf Erwachsenenbildung spezialisiert und arbeitet in Münster in einer Social-Media-Schule. Dort zeigen sie und ihre Kollegen, wie Facebook & Co. im Beruf richtig eingesetzt werden können. Das Zweitprofil in Hamm sei dafür ein gutes Beispiel.
Lehrerin: Respektgrenze muss erhalten bleiben
Allerdings betont Ingrid Wrede, dass die Facebook-Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern nicht zu privat werden dürfe. «Die Respektgrenze zum Lehrer muss erhalten bleiben», sagt die Expertin.
An der Karlschule wurde das Modell inzwischen für das Kollegium verpflichtend eingeführt. Wer bei Facebook unterwegs ist, soll mit Schülern dort nur über diesem Weg Kontakt haben. Mittlerweile ist ein Drittel des Kollegiums bei Facebook angemeldet. In ihrem beruflichen Benutzerkonto haben diese Lehrer für jede Klasse einen Gruppenchat, in dem sie Termine oder Änderungen des Stundenplans mitteilen.
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Adden, posten, Shitstorm: Das Internet hat seine eigene Sprache. Viele dieser Fachbegriffe und Ausdrücke haben längst Einzug in den normalen Sprachgebrauch gerade jüngerer Leute gefunden. Hier einige der wichtigsten Begriffe und ihre Erklärungen:
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Adden: Schließt jemand bei Facebook eine neue Freundschaft mit einem anderen Mitglied, dann spricht man gemäß der englischen Wortbedeutung von „adden“ (hinzufügen). „Ich habe Michael geaddet“ heißt: „Ich habe Michael zu meiner Kontaktliste hinzugefügt“.
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Posten: Von „Posten“ ist die Rede, wenn jemand eine neue Nachricht, ein Video oder eine andere Information in einem Forum, einem Chat, oder n einem sozialen Netzwerk wie Facebook oder Twitter veröffentlicht.
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Liken: Der von Facebook eingeführte Knopf „Gefällt mir“ (englisch: like) gilt als kleine Revolution im Internet. Der Facebook-Knopf findet sich beim sozialen Netzwerk selbst, inzwischen aber auch auf vielen anderen Internetseiten. Wird er angeklickt, erscheint bei Facebook die Information, dass dem Nutzer der entsprechende Inhalt gefällt. „Ich habe den FC Augsburg geliked“ bedeutet, dass ich auf der Seite des FC Augsburg den „Gefällt mir“-Button angeklickt habe.
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Share: Informationen können geteilt werden (englisch: share). In diesem Fall verbreitet der Nutzer eine Nachricht oder ein Video eines anderen Facebook-Mitglieds und übernimmt es auf seine Pinnwand.
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Shitstorm: So wie Meinungen, Bilder und Kommentare im Internet rasend schnell verbreitet werden können, so schnell und gewaltig bilden sich auch Wellen der Empörung im Netz. Geht eine solche Welle von Beschimpfungen und Beleidigungen über einen nieder, spricht man von einem "Shitstorm" - unschön übersetzt mit Sturm aus Scheiße. Das Wort wurde von Sprachforschern zum Anglizismus 2011 gewählt.
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Fail: Möchte man im Internet sein Missfallen über einen Sachverhalt ausdrücken, kennzeichnet man ihn gerne mit dem Wort "fail" (englisch: Versagen). Vor allem im Kurznachrichtendienst Twitter wird das Wort "Fail" verwendet, dann in Verbindung mit dem Rautezeichen als Kennzeichnung. Beispiel: "Die TV-Sendung gestern war furchtbar #fail".
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lol: Die Abkürzung steht für Laughing out loud (englisch: laut herauslachen) und kennzeichnet einen amüsanten Sachverhalt. Lol wird gerne in Foren und Chats, aber auch bei Facebook und Twitter verwendet um zu zeigen, dass man sich über Etwas amüsiert.
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Googeln: Das Kunstwort leitet sich vom Namen der weltgrößten Internet-Suchmaschine Google ab. Es heißt übersetzt nichts anderes als "im Internet suchen". Beispiel: "Ich google mal das Wort Y".
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Twittern: Über den Kurznachrichtendienst Twitter lassen sich Meldungen von bis zu 140 Zeichen Länge verschicken, über das Internet oder das Handy. "Twittern" (englisch: zwitschern) nennt man die Benutzung dieses Dienstes.
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Mailen: "Ich mail' dir mal eben ein Foto." Das bedeutet nichts anders, als jemandem per eMail ein Bild zu schicken. Mailen heißt also verschicken.
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Bloggen: Blogs sind so etwas wie Internet-Tagebücher, in denen man Texte, Bilder, Videos und andere Inhalte veröffentlichen kann. Bloggen heißt, ein solches Online-Tagebuch zu führen.
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Surfen: Natürlich, surfen kann man auf einer Welle oder einem windigen Gewässer. Neudeutsch steht surfen aber schlicht für die Benutzung des Internets. Beispiel: "Ich surfe mal auf deine Seite" heißt, dass man den Internetauftritt eines anderen besucht.
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Social Media oder deutsch Soziale Medien: Darunter versteht man Online-Netzwerke, in denen sich die Nutzer interaktiv verhalten (können). Ein Beispiel ist Facebook, in dem rund 850 Millionen Menschen Statusmeldungen, Bilder und Videos verbreiten - und diese dann gegenseitig kommentieren, für gut befinden, teilen und weiterverbreiten.
Facebook-Chat als Stütze, nicht als Ersatz
Schülersprecherin Veronika Foppe ist mit Frau Johannpeter im Netz befreundet. Seitdem gehe sie viel bewusster mit Facebook um, sagt die 17-Jährige. «Ich überlege bei Bildern und Kommentaren immer, was okay ist und was nicht. Das hat für mich etwas mit Respekt zu tun», erklärt die Schülerin der Abschlussklasse. Veronika hat ihre Deutschlehrerin einmal aus privaten Gründen angeschrieben, und sofort vereinbarten sie einen Termin in der nicht-digitalen Welt. Der Internetchat soll das persönliche Gespräch nicht ersetzen.
Die Kommunikation bei FacebookDie Kommunikation bei Facebook kostet Marie-Theres Johannpeter einen Teil ihrer freien Zeit. Sie versucht, Arbeit und Privatleben strikt zu trennen. Um mal eben in die virtuelle Welt der Schüler einzutauchen, braucht sie nur wenige Klicks. «Daher ist es sinnvoll, sich selber ein zeitliches Limit zu setzen, um in den Gesprächen nicht zu versacken», sagt die Pädagogin. Im privaten Facebook hat sie gerade ihr Tageshoroskop gepostet - unsichtbar für ihre Schüler. dpa/AZ
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