Auf der Website nazi-leaks.net wurden von der Anonymous-Gruppe E-Mails der NPD mit Diskussionen über Wahlprogramme, Formulierungen und private Bestellungen veröffentlicht. Außerdem können Listen mit genauen Daten von NPD-Spendern abgerufen werden. Das gegen die rechte Szene gerichtete Enthüllungsportal "nazi leaks" ist für alle Internetnutzer zugänglich.
Das Portal ist nach Angaben der unbekannten Betreiber Teil der seit mehreren Monaten laufenden "Operation Blitzkrieg", bei der Anonymous- Hacker die Web-Auftritte rechtsgerichteter Organisationen angreifen. Die Echtheit der veröffentlichten Informationen konnte bisher nicht verifiziert werden. Die NPD erklärte, sie prüfe den Fall noch, werde aber wahrscheinlich eine Anzeige erstatten.
Anonymous Website am ersten Tag total überlastet
nazi-leaks.net ist ein technisch simples Blog, bei dem Nutzer per E-Mail Informationen einreichen können. Auf der Seite standen am Montag unter anderem Listen mit Kunden rechter Versandhäuser, Kontakten und Autoren der Zeitschrift Junge Freiheit sowie interne E-Mails der NPD, aus denen bereits im Februar mehrere deutsche Medien berichtet hatten. Die Domain wurde am 18. Dezember 2011 registriert. Am Montag war die Website aber teilweise überlastet - wegen der vielen Seitenaufrufe.
Die Zeitschrift Junge Freiheit erklärte, die auf nazi-leaks.net veröffentlichte Liste mit Kontakten der Redaktion sei bereits im Juli publiziert worden - damals auf der Website Indymedia. Der Verlag habe Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. "Es handelt sich eindeutig um einen kriminellen Akt", sagte Felix Krautkrämer, Redakteur der Zeitschrift. Er betonte, dass die in der Liste aufgeführten Personen nicht allesamt Autoren seien, sondern teils auch Interview-Partner, die selbst nicht für die Junge Freiheit aktiv seien.
NPD betrachtet Hacking als kriminell
Die NPD erklärte am Montag, sie prüfe die veröffentlichten Daten noch. Er wisse nicht, ob sie authentisch seien, sagte Parteisprecher Frank Franz. Die Partei werde wahrscheinlich in "allen denkbaren Bereichen" Strafanzeige stellen. Alles, was mit Hacking zu tun habe, betrachte die NPD als kriminell.
Anonymous ist ein lose organisierter Zusammenschluss von Hackern ohne klar umrissene Führung. Die Aktivisten schließen sich zumeist ad hoc zu einzelnen "Operationen" unterschiedlichster Art zusammen. Bekannt geworden ist das Kollektiv vor allem mit Angriffen auf Firmen, die dem Enthüllungsportal Wikileaks die Zusammenarbeit aufgekündigt hatten, etwa Mastercard.
Rechte Organisationen beliebtes Ziel im Internet
Stichwort: Hacker, Cracker, Hacktivisten
Ursprünglich bezeichnete der Begriff "Hacker" einen Technik-Enthusiasten, der ein Gerät oder eine Software begreifen will und dabei neue, nicht selten ungewöhnliche Nutzungsmöglichkeiten erschließt.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden darunter jedoch vor allem Kriminelle und Spione verstanden, die Sicherheitslücken ausnutzen, um in fremde Computer einzudringen, um diese lahmzulegen oder Informationen zu stehlen.
In der Szene gibt es für die kriminellen Hacker einen eigenen Begriff: Cracker.
Als Script-Kiddies bezeichnet man abfällig junge Hacker, die mit wenig eigenem Fachwissen Sicherheitslücken an fremden Systemen ausnutzen, um Schaden anzurichten - oder schlicht zu beweisen, wie gut sie sind.
Eine weitere Untergattung des Hackers hat in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht: Der Hacktivist, der seine Fachkenntnisse einsetzt, um für politische Ziele zu kämpfen.
Die lose organisierte Gruppe Anonymous legte beispielsweise die Websites von Firmen lahm, die das Whistleblowing-Portal Wikileaks boykottiert hatten.
Der Chaos Computer Club (CCC) betont, zur guten Seite zu gehören.
Der Verein hat sich selbst eine Hackerethik gegeben. Und mit ihrer Expertise treiben die Computerexperten die politische Debatten zu Themen wie Vorratsdatenspeicherung oder Überwachungssoftware voran.
Die Websites rechter Gruppierungen sind in der Hacker-Szene ein beliebtes Ziel, immer wieder kommt es zu Angriffen. So legte eine Gruppe namens "No-Name Crew" im Mai rund 25 Websites der NPD lahm und lud dabei interne Informationen herunter. Nach anderen Aktionen wurden die Hacker von der Polizei gefasst. Auf den Jahreskongressen des Chaos Computer Clubs werden regelmäßig die Präsenzen rechter Organisationen attackiert.
Bei der Benennung der Operation greifen die Anonymous-Aktivisten einen Begriff auf, den die Nationalsozialisten geprägt haben: Als Blitzkrieg bezeichneten sie überfallartige Angriffe, etwa beim Feldzug gegen Polen im September 1939. dpa/AZ