Gundremmingen/Günzburg Eine Demo gegen Atomkraft – für Karl Ganser ist das Routine. Der Krumbacher ging bereits 1978 in Österreich auf die Straße, um gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf zu protestieren. „Das haben wir verhindert“, sagt Ganser stolz. Der Atommeiler ging nicht ans Netz. Am Ostermontag ist der Krumbacher nach Günzburg gekommen, um dort gegen die Atomenergie zu protestieren. Es ist eine Großdemo, wie sie Günzburg in den vergangenen Jahrzehnten nicht gesehen hat. Etwa 8000 Menschen sind gekommen.
Zahlreiche Teilnehmer aus dem Kreis Dillingen
Vom Bahnhof führt der Protestzug zum Marktplatz. Lautstark skandieren die Atomkraftgegner – unter ihnen zahlreiche Teilnehmer aus dem Landkreis Dillingen – die Forderung „abschalten“. Und wie im Chor folgt aus tausenden Kehlen die Antwort: „Jetzt“. Der gestrige Ostermontag ist der 25. Jahrestag des Super-GAUs von Tschernobyl.
Der Dillinger Dieter Asenkerschbaumer hat aus diesem Anlass ein Schild gebastelt: „Fukushima grüßt Tschernobyl zum 25sten.“ Er habe es satt, „dass die Atomlobbyisten auch nach der Katastrophe in Fukushima so weiter machen wollen wie bisher“.
„Keine linke Chaoten – ganz normale Bürger“
Zu den Tausenden von Teilnehmern zählt auch die Günzburgerin Elke Kübler. „Ich bin für den Atomausstieg“, betont die Mutter. Seit ihrer Studentenzeit hat sie nicht mehr demonstriert. „Die Atomkatastrophe in Fukushima war für mich aber Auslöser, wieder aktiv zu werden“, sagt Kübler. Sie freut sich, dass so viele Menschen zur Großdemo gekommen sind. „Und das sind keine linken Chaoten, sondern ganz normale Bürger, die vor den Gefahren der Atomenergie warnen“, hat die Günzburgerin festgestellt.
Auf dem Günzburger Marktplatz drängen sich die Menschen, es ist kaum ein Durchkommen. Überall sind Transparente zu sehen: „Atomkraft – nein danke“, „Atomausstieg sofort“, „Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten“. Wirte dürfen an diesem Nachmittag aus Sicherheitsgründen keine Stühle ins Freie stellen. „Anfangs habe ich darüber die Nase gerümpft“, sagt der Chef des „Maximilians“, Manuel Nagel. Aber auch er ist letztlich zufrieden: „Wir hatten drei Mal so viel Publikum wie sonst.“ Der Sprecher des „Forum gemeinsam gegen das Zwischenlager“, Raimund Kamm, sagt, dass der Umstieg auf die Erneuerbaren Energien eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte sei. Günzburgs Vize-Bürgermeister Anton Gollmitzer erntet allerdings Pfiffe, als er einen behutsamen Kernenergie-Ausstieg mit Köpfchen fordert. Das erregt auch den Dillinger Jochen Finger: „Das war Politiker-Geschwätz, das vom Thema so weit weg ist wie Duisburg von Paris.“
Die Polizei sorgt für die Sicherheit. Wie viele Polizisten gestern im Einsatz waren, teilte der Leiter der Polizeiinspektion Günzburg, Ernst Maguhn, nicht mit. Nach Informationen unserer Zeitung sollen es aber mehr als 80 Polizeibeamte gewesen sein. Sie brauchten jedoch nicht einzugreifen. Maguhn zieht am Ende zufrieden Bilanz: „Die Demonstration ist absolut friedlich verlaufen. Es gab keine Probleme.“
"siehe auch Hauptteil und S. 33
Eine umfangreiche Bildergalerie und ein Video zum Thema finden Sie unter www.donau-zeitung.de