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Theater: Auf dem Prüfstand

Theater

Auf dem Prüfstand

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    Kämpfen auf der Bühne des Lauinger Stadeltheaters ums Überleben: die Akteure des Mittelstufen-Theaters des Albertus-Gymnasiums.
    Kämpfen auf der Bühne des Lauinger Stadeltheaters ums Überleben: die Akteure des Mittelstufen-Theaters des Albertus-Gymnasiums. Foto: Mladen Karalic

    Lauingen Wer den Zuschauerraum des Lauinger Stadeltheaters betrat, staunte nicht schlecht über die Äste, Büsche und Zweige, die zwischen den Sitzreihen emporsprossen. Im Nu war man in die Atmosphäre der Pazifikinsel versetzt, auf der die Jugendlichen von William Goldings „Der Herr der Fliegen“ gestrandet waren. Der Roman erzählt die Geschichte 21 Jugendlicher, die sich während eines Atomkriegs auf eine unbewohnte Insel retten können und versuchen müssen, einvernehmlich miteinander zu überleben. Dass das alles andere als einfach ist, sieht man bereits zu Beginn der Handlung: Der dominante Jack (markant auftrumpfend: Nico Herbort) erhebt den Anspruch, Anführer zu sein, doch aus der Wahl geht schließlich die besonnen-charismatische Maria (mit überlegener Souveränität, aber auch kindlicher Befangenheit: Verena Mengele) hervor. Während demokratische Prinzipien zunächst noch funktionieren, nehmen einzelne das Recht zunehmend selbst in die Hand.

    Fortan spaltet sich die Inselgesellschaft bald in Stärkere und Schwächere.

    Da sind Marias Freunde Frank (Jonathan Lindenmaier) und der schüchterne Piggy (Vincent Mack), Lilli (Nur Aydemir), Petra (Victoria Lorenz) und ihre kleine Schwester Paula (Anna-Maria Leitner), Eva (Friederike Kempter), Julia (Tina Besoke), Hanna (Lydia Lorenz), Phil (David Damerow), Johnny (Mathis Kießling), Yvonne (Naemi Niemann), Kathrin (Diana Bayer), Stephanie (Lara Wörrle), Laura (Stefanie Keis), Maurice (Lukas Gumpp), Melanie (Anne Kaifer), Robert (Franz Springer) und Ramona (Priska-Maria Rau). Sie alle sind entweder Opfer oder Täter oder beides.

    Die Gewalt bricht sich Bahn

    Schwächlinge werden erst verspottet, schließlich verfolgt. Aus der Jagd auf Wildschweine wird am Ende eine Jagd auf Menschen. Der Zuschauer kann sich nur fassungslos die Augen reiben, mit welcher Sogkraft sich Gewalt die Bahn bricht. Was vor Kurzem eine unberührte Insel war, wandelt sich zu einem Dschungel-Camp, in dem es ums Ganze geht. Eine Erklärung dafür liefert der Epileptiker Simon (Martin Meindl in einer darstellerischen Bravourszene): Der „Herr der Fliegen“ – nichts anderes als eine Metapher für alles Teuflische – spreche aus einem aufgespießten Schweineschädel zu den Menschen und stachele sie zu ihren Gewalttaten an. Ein dramaturgischer Knalleffekt bringt die Lösung.

    Marie Sienkiewicz hat aus Goldings Parabel um den Macht- und Gewalttrieb des Menschen eine packende Bühnenfassung erstellt, die in ihrer profilreichen Figurenzeichnung bezwingt und an Dramatik zunehmend an Fahrt gewinnt. Die von Hartmut Frank erstellten Bühnenelemente und Kostüme sowie die ausgeklügelten Licht- und Toneffekte (Technik: Brendan Schmidt, Nils Steinmetz) ergänzen die Handlung kongenial. (kar)

    Vorstellung Heute Abend um 19 Uhr im Stadeltheater.

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