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Gastspiel: Die urbayerische Wortschleuderin

Gastspiel

Die urbayerische Wortschleuderin

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    Sie holt nur Luft, wenn es gar nicht mehr anders geht: Monika Gruber gastierte am Donnerstagabend in Höchstädt.
    Sie holt nur Luft, wenn es gar nicht mehr anders geht: Monika Gruber gastierte am Donnerstagabend in Höchstädt. Foto: Fotos: Bachmann

    Höchstädt Eine, die pro Tag nur einen kleinen grünen Salat mit Gurke isst. Eine, die um ein Haus zu bauen, einen Ehemann braucht. Eine, die lieber Mineralwasser mit wenig Blubb von den Fidschi-Inseln statt eines Aperol-Sprizz’ trinkt. So eine ist sie nicht, die Monika Gruber aus Tittenkofen im Landkreis Erding. Sie ist die Gruberin, die die Nordschwabenhalle in Höchstädt innerhalb weniger Stunden füllt – so schnell waren die Karten für ihr Gastspiel am Donnerstagabend ausverkauft. Wer die Komödiantin und Schauspielerin jedoch nur auf Schenkelklopfer reduziert, der ist falsch gewickelt.

    Selbst wenn sie es sind, mit denen sie ihr Publikum innerhalb von Minuten ganz in ihren Bann gezogen hat – wenn sie über die „Welt der Reichen, Schönen und Bekloppten“ herzieht, über Heidi und ihren Noch-Ehemann Seal, die Affäre des Bundespräsidenten Christian Wulff und die C-Prominenz im Dschungelcamp. Ein Blatt nimmt die 40-Jährige nicht vor den Mund, sie sagt das, was andere denken, wenn sie rot werden. Wobei, vielleicht lästern unter Umständen, möglicherweise, auch die Arbeiter auf der Baustelle ihres Hauses so. Viele Geschichten ihres neuen Programms „Wenn ned jetzt, wann dann!“ drehen sich um diesen Hausbau. Zum Beispiel erzählt die selbst ernannte „Tittenkofen Queen of Style“ vom Besuch im Landratsamt, dem „Zipfiklatscher“, der sie da von oben herab behandelt habe und der dann sagte: „Wir genehmigen doch jeden Scheiß.“

    Die Gruberin klagt über die heutigen Bauarbeiter, die lieber Bio-Limonade trinken, anstatt wie früher, schon zum Frühstück, ein Bier zu zischen, und sich womöglich auch noch „Betonfachwirt“ nennen. Wobei „klagt“ wohl eher nicht das richtige Wort ist. Denn die Gruberin jammert nicht einfach, sie haut einen Schwall Wörter, urbayerische Ausdrücke, die für einen Urschwaben übersetzt werden müssen, heraus. Luft holt sie nur dann, wenn es gar nicht mehr anders geht.

    Verweichlichte Still-BH-Käufer

    Überhaupt, die Männer. Zwar, so meint die Gruberin, seien klar die Frauen an deren verweichlichten Zustand Schuld. Ein echter Mann, der suche keinen Still-BH aus und sage nach der Geburt seines Sprösslings nicht: „Wir hatten einen Kaiserschnitt.“ Ganz schlimm, so meint die Schauspielerin, seien die männlichen Zeitgenossen, die nicht nur Vegetarier seien, sondern zudem einen Rucksack mit sich herum tragen. „Das sind keine Vollstrecker.“

    Dann, irgendwann nach zwei Stunden, wird sie plötzlich nachdenklich. Sie redet über ihren 40. Geburtstag und dass sie auf dem Meterstab des Lebens wohl auf der Mitte angekommen sei. Und plötzlich ist sie da, die Botschaft der Monika Gruber: dass man sich doch auch mal sagen soll, dass man sich mag. Dass man das tun soll, was man sich erträumt – selbst wenn das Konto, die Familie, alle anderen, etwas anderes als richtig erachten.

    Und dann gibt sie ein Statement ab, für das sie die rund 1200 Zuschauer noch mehr bejubeln, als für alles in den Stunden zuvor: Eines für das bodenständige Leben aller vor 1990 Geborenen, ohne Facebook, dafür mit echten Freunden.

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