4500 Liter Diesel. So viel haben Diebe seit Anfang des Jahres über Nacht aus abgestellten Lastwagen und vor allem Baumaschinen im Landkreis Dillingen abgezapft. „Diese Mengen gab es lange nicht mehr“, sagt Dillingens Polizeisprecher Manfred Thiel. Im April und Mai waren bislang unbekannte Täter auf der Baustelle an der Umfahrung Medlingen – Brenz gleich drei Mal aktiv: Einmal pumpten sie rund 1100 Liter ab. Dort, wo bei Lauingen eine neue Anschlussstelle zur Bundesstraße 16 gebaut wird, stahlen Unbekannte etwa 180 Liter Kraftstoff.
Der geklaute Diesel allerdings sei das geringere Übel, sagt Johann Rösch, der als Bauleiter der Firma Xaver Lutzenberger die Medlinger Baustelle betreut. Auch der Sachschaden, der wegen der aufgebrochene Tankdeckel entstünde, sei zu verkraften. Schlimmer sei, dass am Morgen die Maschinen stillstünden. Bis die Arbeiten anlaufen können und der unternehmenseigene Tanklaster zum Befüllen zur Stelle ist, müssen Lastwagenfahrer, die Material liefern, und Bauarbeiter warten. „Die Verzögerung ist der größere Verlust“, sagt deshalb auch Gertraud Schindler von Straßen- und Tiefbau Thannhauser und Ulbricht, die die B 16-Zufahrt bei Lauingen erstellen.
Täter verstecken sich hinter massigen Fahrzeugen
Die Täter versteckten sich hinter den massigen Fahrzeugen und werden selbst von vorbeifahrenden Autos nicht gesehen, umreißt sie das Problem. Denn nur äußerst selten können die Diebe gestellt werden. Wie Polizeisprecher Thiel erklärt, fänden sich auf der Erde selten Fußabdrücke, am oft öligen Tankdeckel fast nie Finderabdrücke. „Wir sind oft auf Zeugen angewiesen“, sagt Thiel. Aber in den meisten Fällen melde sich niemand.
Darüber, was die Diebe mit dem Kraftstoff machen, kann man nur spekulieren: weiterverkaufen oder selbst verwenden? Würde man die sei Anfang 2012 geklauten 4500 Liter Diesel in einen Mittelklassewagen füllen, könnte man damit etwa 81 000 Kilometer weit fahren, also von Dillingen theoretisch zehn Mal bis nach Peking in China. Bauleiter Rösch stellt fest, dass die Frequenz der Diebstähle mit dem Spritpreis zusammenhängt: „Je höher, desto häufiger.“
Um den Tätern nicht in die Karten zu spielen, hat er Vorkehrungsmaßnahmen getroffen. Er hat den Dieselverbrauch von Bagger, Walze, Raupe ermitteln lassen. Bei im Schnitt acht Maschinen, die im Moment auf der Baustelle Medlingen-Brenz im Einsatz sind, seien das 3000 bis 4000 Liter pro Tag. Davon bleiben nach Feierabend nur mehr kleine Reste in den Tanks. Denn befüllt werden die Baumaschinen erst wieder am Morgen.
Thiel erklärt, dass man an den betroffenen Orten öfter Streife fahre und rät gleichzeitig, die Fahrzeuge an gut einsehbaren Stellen möglichst so abzustellen, dass potenzielle Diebe sie nicht direkt anfahren können. Schließlich müssten diese bei mehreren hundert Litern mit Pumpen arbeiten und die vollen Kanister in einen größeren Transporter laden.