Montag, 23. Oktober 2017

08. Februar 2016 00:36 Uhr

Bühne

Ein Botschafter der Humanität unter Egoisten

Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ war als Musical im Dillinger Stadtsaal zu sehen. Es gab außergewöhnlich viel Beifall Von Erich Pawlu

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Wer in literarischem Zusammenhang die Wendung „Der kleine Prinz“ hört, legt den Kopf schief und schaltet die Empfangsstation seiner Seele auf die Skala „feinsinnig“. Denn Generationen von Menschen fühlten sich ein wenig besser, wenn ihnen „Le Petit Prince“ Sätze injizierte wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ oder „Die wahre Freude ist die Freude am anderen“.

Am Faschingssamstag mögen viele Kulturring-Freunde in den Stadtsaal gekommen sein, um sich von Antoine de Saint-Exupéry ein tiefsinniges Medikament gegen flachen Faschingsrummel verabreichen zu lassen. Aber das gastierende Landestheater Schwaben (LTS) hatte Exupérys literarische Seelenmassage in ein „komödiantisches Musical“ verwandelt. Auf der Bühne dominierte nicht Empfindsamkeit zwischen Tiefsinn und Kitsch, sondern Temperament und Spektakel. Der Schnellkurs in Humanität war in eine musikalische Parallelwelt ausgelagert worden.

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Damit entfernt sich die LTS-Eigenproduktion sehr weit von Exupérys Psychoschau, aber dafür sichert Andreas Baeslers Inszenierung mit seiner „Hommage an den großen Dichter“ das zeitgemäße Bedürfnis nach Entertainment. Die Begegnungen des kleinen Prinzen mit seinen Gesprächspartnern verwandeln sich in einen kurzweiligen Bilderbogen, dem ein Instrumentalquartett mit der Musik Wolfgang Lackerschmids buntes Leben sichert. Die melodischen Ideen basieren zumeist auf Liedstrukturen, die sich allerdings den traditionellen Fesseln kompositorischer Logik entziehen. Damit gewinnen sie nicht nur zeitgemäßen Sound, sondern auch die Kraft zur Unterstreichung emotionaler Abläufe im Bühnengeschehen. Die elf Songs werden inspiriert von Liedtexten Walter Weyers. Diese Musical-Gedichte halten sich an traditionelle Formen und scheuen auch vor Herz-und-Schmerz-Reimen nicht zurück, obwohl schon Arno Holz meinte: „Der Erste, der ‚Herz‘ auf ‚Schmerz‘ gereimt hat, war ein Genie, der Hundertste ein Kretin.“

Die außergewöhnliche Gesamtleistung des Ensembles animierte das Publikum im gut gefüllten Saal zu außergewöhnlich langem Schlussapplaus. Er galt der perfekten Choreografie Roberto Scafatis, dem verblüffend funktionstüchtigen Bühnenbau Sabine Manteuffels, der engagierten Band mit Markus Kerber, Wolfgang Lackerschmid, Tiny Schmauch und Magnus Dauner, vor allem aber den eindrucksvoll aufspielenden Darstellern. Aus dem kleinen Prinzen hatte Julian Ricker einen erwachsenen Prinzen zum Mittelpunkt des Geschehens gemacht. Fridtjof Stolzenwald gab einen Piloten, den Absturz, Wüste und Leben stark lädiert hat. Barbara Weiß kam als Rose dem grüblerischen Geist Antoine de Saint-Exupérys sehr nahe. Joséphine Weyers gab dem tyrannischen König jene grotesken Züge, die in der „Tagesschau“ allabendlich als Normalität behandelt werden. Michaela Fent symbolisierte als Business-Lady die totale Kommerzialisierung unserer Zeit. Christian Müller ließ sich als eitler Fatzke von Auftritten Conchita Wursts und des Modeschöpfers Harald Glööckler inspirieren. Unter Einsatz ihres Körpers als dem Instrument der Verlockung verlieh Joséphine Weyers der Schlange die Bedeutung sexueller Besessenheit. Und Christian Müller sicherte dem Fuchs die sprichwörtliche Schläue.

So verwirklichte das Gastspiel trotz aller kurzweiligen Ablenkung schließlich doch die Botschaft Exupérys: Der kleine Prinz, niedergeschwebt von seinem Asteroiden, ist auf der Erde umgeben von Egoisten, Selbstdarstellern, Gaunern und Geschäftemachern.

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