Weitere Ehrenamtliche werden gesucht

Dillingen „Die Zeit ist die Seele der Welt.“ Dieses griechische Sprichwort will sagen, dass das, was in der Welt passiert, die Welt zu dem macht, was sie ist. Alte, kranke und behinderte Menschen, die allein zu Hause leben, zu schwach sind, zum Einkaufen, zu Freunden oder in die Kirche zu gehen, wissen, was dieses Sprichwort für sie bedeutet: Einsamkeit, Hilflosigkeit, soziale Isolation.
„Keinem Menschen tut dies gut“, so der Dillinger Caritas-Geschäftsführer Stephan Borggreve, „und kein Mensch will so leben müssen“. In Dillingen müsse man es auch nicht. „Zeit teilen“ heißt dort das gemeinsame Projekt der Nachbarschaftshilfe der Dillinger katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden. Die Caritas im Landkreis Dillingen ist als Träger dafür verantwortlich. Seine Zeit mit anderen Menschen zu teilen, ohne selbst etwas dafür als Gegenleistung zu erwarten, das ist für Borggreve ein christlicher Dienst an der Basis für den Nächsten.
Zurzeit engagieren sich 20 Ehrenamtliche, zumeist fitte Seniorinnen und Senioren, bei „Zeit teilen“. Sie lesen vor, gehen miteinander spazieren, treffen sich zum Ratschen, spielen miteinander und begleiten sie zur Kirche, zum Friedhof oder zum Arzt. Wie stark sie sich engagieren, kann sehr unterschiedlich sein. Manche besuchen vier bis fünf Personen. Zumeist geht es jeweils um zwei, drei oder ein wenig mehr Stunden pro Woche. „Das kann jeder selbst bestimmen.“ In jedem Fall sei die Nachbarschaftshilfe ein sehr vielfältiger Dienst mit sehr vielen Begegnungsmöglichkeiten.
„Eigentlich läuft es recht gut, doch wir bräuchten mehr Ehrenamtliche, die Freude daran haben, ihre Zeit mit anderen Menschen teilen zu wollen“, sagt Anneliese Mayr. Sie ist die ehrenamtliche Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe. Mayr weiß, was man für diese Aufgabe mitbringen muss. „Man muss Freude daran haben, andere Menschen zu treffen und mit ihnen in Kontakt zu treten. „Ohne Aufgeschlossenheit geht es nicht“, sagt sie. „Es gehört schon etwas dazu, anfängliche Hemmschwellen so zu überwinden, dass ein Vertrauensverhältnis entstehen kann.“
Bei „Zeit teilen“ kommt nicht irgendwer mit irgendwem zusammen. Das ist Mayr wichtig. Im Normalfall erfährt sie vom Sozialdienst des Krankenhauses, ob jemand wegen einer Erkrankung und weil diese Person niemanden hat, der ihr zu Hause etwas beistehen könnte, eine Nachbarschaftshilfe bräuchte. „Manchmal vermitteln uns auch Ärzte.“ Und erst dann, wenn Mayr davon erfährt, dass jemand vielleicht die Nachbarschaftshilfe bräuchte, sucht sie diese Person auf und spricht mit ihr darüber. Manche seien dankbar. Andere lehnten das Angebot ab und belassen es dabei. „Wir stülpen niemandem unsere Hilfe auf“, unterstreicht Mayr.
Auch wenn die Nachbarschaftshilfe ehrenamtlich erfolgt, so genießen alle, die sich darin engagieren, eine professionelle Begleitung. Mayr selbst war Dozentin für Soziale Arbeit an der Katholischen Universität Eichstätt. Zudem stellt der Dillinger Caritasverband die Sozialpädagogin Doris Hitzler dem Projekt zur Seite. Beide laden die Zeit-teiler alle drei Monate zu einem Treffen ein. „Hier tauschen wir uns miteinander aus. Wir bieten aber auch Informationen zu verschiedenen Themenbereichen an, die die Nachbarschaftshilfe betreffen.“ Caritas-Geschäftsführer Borggreve ist dabei wichtig, „dass die Nachbarschaftshilfe kein Ersatz für eine professionelle Hilfe wie ambulante Pflege oder Sozialberatung ist.“
Info und Kontakt Caritasverband für den Landkreis Dillingen „Zeit teilen“
Telefon 09071/70579-0, Einsatzleitung: Anneliese Mayr, Mobil: 01577/9459985, E-Mail: zeit-teilen@caritas-dillingen.de oder hitzler@caritas-dillingen.de
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