Die erhöhte Sterblichkeitsrate im Landkreis Dillingen beschäftigt weiter das bayerische Gesundheitsministerium. Nach einem sogenannten Expertenhearing im Juli wurde nun beschlossen, die Ursachen vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchen zu lassen.
Dazu werden Forschungsaufträge ausgeschrieben, damit die geeignetsten Institutionen an der Aufklärung des Sachverhalts mitwirken können, teilte Umwelt-Staatssekretärin Melanie Huml dem Landtagsabgeordneten Georg Winter in einem Schreiben mit, das unserer Zeitung vorliegt.
Dabei geht es um die Themenfelder: Demografische Analyse der Sterblichkeitsdaten im historischen Verlauf; Auswertung der Daten zur ambulanten und stationären Versorgung auch im Hinblick auf Herz-Kreislauferkrankungen; Auswertung der Rentendaten; Auswertung der Krebsinzidenz und Krebs-Sterblichkeit im Vergleich zu geeigneten Vergleichsregionen.
"Es geht um die Ursachenforschung. Und hier müssen Qualität und Gründlichkeit im Vordergrund stehen", sagt Winter auf Anfrage der Donau-Zeitung. Für ihn stellen sich folgende Fragen: Ergeben sich die erhöhten Werte aufgrund anderer Bevölkerungszusammensetzungen, anderer Wanderungsbewegungen? Oder hat die erhöhte Sterblichkeit andere Ursachen? Das soll jetzt im Rahmen der detaillierten Analyse ermittelt werden, sagt der Landtagsabgeordnete.
Zusammenhang mit Störfall in Gundremminger Kenrkraftwerk?
Außerdem soll untersucht werden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Sterblichkeitsrate und dem Kernkraftwerk Gundremmingen gibt. Die Augsburger Grünen-Landtagsabgeordnete Christine Kamm vermutet einen Zusammenhang zwischen einem Störfall im Kernkraftwerk Gundremmingen1977 und der niedrigeren Lebenserwartung im Kreis Dillingen (wir berichteten). DiePolitikerin hat deshalb eine Anfrage an die Staatsregierung gerichtet.
Auslöserwar der vor gut einem halben Jahr veröffentlichte zweite bayerische Sozialbericht. DieLebenserwartung der Dillinger Landkreisbürger sei demnach um 2 bis 2,5Jahre geringer als in anderen ländlich geprägten schwäbischen Kreisen,sagt Kamm. Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang mit dem Störfall imdanach stillgelegten Block A des Kernkraftwerks vor 32 Jahren. Beidiesem sei es zu radioaktiven Emissionen gekommen. Medizin-SoziologeDr. Dieter Korczak (München), der am Sozialbericht mitgearbeitet hat,hält Kamms Vermutung für "eine kühne Spekulation, die nicht durch dievorhandene Datenlage gedeckt ist". Die Sterblichkeit hänge oft mit einer schlechteren sozialen Lage zusammen. Berthold Veh