Mörslingen Vier Japanische Seidenhühner picken und scharren im Gras. Der Wind weht durch die Wipfel der jungen Apfelbäume. Die jungen Blätter rascheln. An der Gartentüre steht Gerhard Reiter und bewundert sein Werk.
Über 1000 Arbeitsstunden lang hat der Rentner aus Mörslingen gehämmert, gesägt und verziert. Viele Abende hat er in der Garage verbracht und Schweißperlen von der Stirn gewischt. Herausgekommen ist eine nicht alltägliche Gartendekoration. Denn im Schatten der Bäume stehen drei mannshohe Fachwerkhäuser.
„Ein kleines Haus kann jeder bauen, aber ich wollte etwas Besonderes schaffen“, sagt der 65-Jährige.
Wochenlang hat er recherchiert, Bilder angeschaut und am Computer Baupläne entworfen. Aus allen Fachwerkhäusern, die er gefunden hat, ließ er die schönsten Elemente in seine Eigenkreation einfließen: geschwungene Balken, Sprossenfenster und große Türen.
Vor drei Jahren entstand in der Werkstatt das erste der drei Häuser. Die kleine Mühle hatte der Rentner eigentlich als großes Insektenhotel geplant. Ohrenkneifer sollten sich einnisten und den Läusen in seinen geliebten Apfelbäumen zu Leibe rücken. Das ganze Haus füllte Reiter mit Holzwolle, aber es kamen keine Untermieter. Seitdem ist die Fachwerkmühle nur noch Zierde in seinem Garten. „Vielleicht mache ich einen Stall für Enten daraus. Zwei große Türen oder besser gesagt Lieferanteneingänge hat das Haus ja schon“, sagt Reiter. Nur seine Frau muss er noch von diesem Plan überzeugen. Neben der Mühle plätschert ein kleiner Bach müde vor sich hin. Blütenblätter haben sich im Wasserrad verfangen. Das Rad kann sich nicht drehen. Wasser spritzt umher als der Rentner die welkenden Frühlingszeugen aus der Achse entfernt.
2011 packte Reiter erneut die Bauwut.
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