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Konzert: Klaviertitan, Teufelsgeiger und Cellokünstler

Konzert

Klaviertitan, Teufelsgeiger und Cellokünstler

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    Temperamentvolle künstlerische Meisterschaft boten die Basler Michael Giertz (Klavier), Benjamin Reber (Violoncello) und Giovanni Reber (Violine) im begeistert aufgenommenen Konzert im Rittersaal des Haunsheimer Schlosses.
    Temperamentvolle künstlerische Meisterschaft boten die Basler Michael Giertz (Klavier), Benjamin Reber (Violoncello) und Giovanni Reber (Violine) im begeistert aufgenommenen Konzert im Rittersaal des Haunsheimer Schlosses. Foto: Foto: Walter

    Haunsheim „Ein gigantisches Konzert, einfach umwerfend“, so charakterisierte zu Recht Werner Büttner, der 1. Vorsitzende des Freundeskreises Schloss Haunsheim, die Veranstaltung. Gemeint waren „Les Papillons“ aus Basel, die zum zweiten Mal nach Haunsheim gekommen waren. Die mit dem „zentraleuropäischen Kleinkunstpreis“ ausgezeichneten Musiker schätzten nach ihren eigenen Worten die Saalqualität und die Begeisterungsfähigkeit des Publikums. Dieses hatte mit stehenden Ovationen im voll besetzten Saal ein Musikereignis der Extraklasse gewürdigt. Und doch lag ein Hauch von Wehmut gepaart mit Unverständnis über dem Konzertabend, weil Büttner mitteilte, dass künftig keine Veranstaltungen im Rittersaal mehr stattfinden könnten. Feuerpolizeiliche Vorschriften und Auflagen stünden dem entgegen.

    Doch vom ersten Takt an vertrieben die Schweizer Künstler die betrüblichen Gedanken. Im Stil eines Klaviervirtuosen à la Franz Liszt „bearbeitete“ Michael Giertz den Feurich-Flügel, Paganini gleich verzauberte und elektrisierte gleichermaßen Giovanni Reber mit seiner Geige die Besucher, die sich auch vom wohltönenden Cellospiel Benjamin Rebers anrühren ließen. Alles wurde auswendig vorgetragen in zehnminütigen Musizierblöcken; wie hätte der Stehgeiger auch sonst seine Emotionen ausleben können. Denn Gestik, Mimik, körperliche Beweglichkeit, Platzwechsel beschrieben die jeweiligen Musikstile, in die Reber mit einer verblüffenden Gelassenheit und Selbstverständlichkeit eintauchte. Sein exzessives Spiel zeigte alle geigerischen Möglichkeiten auf: Doppelgriffe, Arpeggien, Pizzikati, Dämpfer gestützte Lyrismen, Echowirkungen, Imitationen und Sirenengeheul.

    Der Auftritt wird zur Show

    Abseits stehen, in die Knie gehen, den Flügel umschwirren, am Klavier mit einer Hand mitmischen und sich um die eigene Achse drehen – all das machte den Auftritt zur Show. Dabei passte sich Reber sofort den immer neuen musikalischen Herausforderungen an, verlor nie den Zusammenhang. Im Gegenteil, er bestimmte und beförderte ihn. Seine technischen Voraussetzungen sind frappierend, sie garantierten die adäquate Umsetzung vor allem in den improvisatorischen Passagen.

    Giovannis Bruder Benjamin war mit dem Cello das klassische Pendant zur Extrovertiertheit des Violinisten. Trotzdem harmonierten beide in ihrem Duett, weil der Cellist seine wunderschönen gebrochenen Akkorde zu den Kantilenen der Violine ausbreitete. Im Trio mit dem Klavier entwickelte Benjamin Reber rhythmisches Feuer, zeigte elegantes Bassfundament und ausgezeichnetes Zusammenspiel. Seine Klavierbegleitung war eine unerwartete gelungene Abwechslung. Eigentlich war alles streng strukturierte Improvisation.

    Michael Giertz am Flügel sorgte dafür, dass sich der Streifzug durch 300 Jahre Musikgeschichte nicht wie ein Medley zusammengehöriger Melodien anfühlte. Gerade Umgekehrtes hatte er im Sinn, als er Gegensätzliches verquickte und hier erstaunliche Wendungen produzierte. Mit seinen Kollegen spielte er mit der Wiedererkennung berühmter Themen und zelebrierte so ein Wechselbad der Gefühle. Kaum hatte man sich an ein liebliches Ave Maria gewöhnt, funkte Beethovens Neunte oder das Schicksalsmotiv aus der Fünften dazwischen; Lohengrins „Treulich geführt“ verwob sich mit Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“, die Marseillaise trat in Gegensatz zu Meckie Messer, während sich der Trauermarsch von Chopin mit „Kalinka“ auseinandersetzte, dem „Stranger in the night“ das Deutschlandlied in die Quere kam oder Orffs „O fortuna“ mit dem Volkslied vom Taler korrespondierte.

    Im Sinne des Wortes verlieh der Mann am Feurich-Flügel den Ohrwürmern und Fingerbrechern aus der Klassik Flügel, ganz zu schweigen von James Bond, Rachmaninow, Latin Standards oder Zigeunerswing. Michael Giertz war der Sachwalter, der mit theatralischem Gesichtsausdruck sein meisterliches Klavierspiel „umrahmte“. Starker, nachhaltiger Beifall und mehrere Zugaben.

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