Martin Schnepf benötigte bereits zwei Spenderorgane. Nun will sich der Bachhagler für andere Patienten einsetzen. Von Katharina Gaugenrieder

Es war ein ersehnter Anruf, den Martin Schnepf damals im November 1991 bekam. Und doch kam er zur Unzeit. Gerade hatte die Familie mit dem Bau der ersten Halle für die eigene Firma in Bachhagel begonnen. Dann kam die Nachricht: „Wir haben eine Niere.“ Hin- und hergerissen sei er damals gewesen, sagt der heute 62-Jährige. Denn die Planungen sahen vor, auf der Baustelle viel selbst zu machen. Noch dazu gaben ihm die Ärzte nur eine Chance von 30 Prozent.
Doch nach sieben Jahren Dialyse war Martin Schnepf die Tortur leid. Er entschied sich für die Operation. Im Nachhinein, sagt er, sei das damals wie ein Sechser im Lotto gewesen. Heute nimmt er täglich ein Dutzend Tabletten und hat vier Nieren in seinem Körper. Zwei eigene sowie die erste Transplantationsniere, die ihm 1983 eingepflanzt wurde und nach einem halben Jahr versagte und die neue Niere – die einzige, die noch funktioniert. Seit mittlerweile fast 20 Jahren.
Noch gut kann sich Martin Schnepf an den Beginn seiner Krankheit erinnern. Über Jahre habe er sich schlapp und müde gefühlt, doch erst als er 32 Jahre alt war, wurde sein Nierenleiden diagnostiziert und Martin Schnepf von heute auf morgen von der Dialyse abhängig. „Da sagen sie dir dann, dass du gleich die Rente anmelden kannst“, erzählt er. Dabei sei er ein Typ gewesen, der Bäume ausreißen wollte. „Damals ist eine Welt zusammengebrochen und ich dachte mir das war’s jetzt.“ Doch Martin Schnepf gab sich nicht auf. Drei Mal die Woche musste er für fünf Stunden an die Dialyse. Doch dass er jemals die Rente erleben würde, das habe er sich nicht vorstellen können.
Um arbeiten gehen zu können, ging er von 18 bis 23 Uhr zur Blutwäsche. „Am Dienstag und Donnerstag habe ich Überstunden gemacht, um das zu kompensieren.“ 1983 erhielt er dann die erste Transplantationsniere. Aber nur fünf Monate später, genau an Weihnachten, musste er wieder zur Dialyse, weil das Spenderorgan seinen Körper nicht mehr entgiften konnte. Drei Mal Blutwäsche pro Woche – der Kreislauf begann von Neuem.
Und Martin Schnepf tat etwas, das wohl kaum jemand in dieser Situation tun würde. Er machte sich selbstständig. Zusammen mit seiner Frau baute er ein Unternehmen für den Industrieservice auf, baute es in den Jahren danach für den Maschinenapparatebau aus. Ohne die Hilfe seiner Frau Helga, sagt Martin Schnepf, wäre das allerdings nie gegangen. „Sie ist Lkw gefahren, hat in der Werkstatt und beim Kaufmännischen geholfen, war Mädchen für alles.“ Doch auch er selbst schonte sich nicht. Zwischen 60 und 80 Stunden arbeitete er pro Woche, auch samstags – neben der Dialyse. Die Ärzte hätten da die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, sagt seine Frau. Doch Schnepf ist sich sicher, dass dieses Pensum auch ein Gutes hatte: „Es war sicher nicht leicht und überstieg manchmal meine Kräfte. Aber ich war dadurch abgelenkt und hatte keine Zeit mich zu bemitleiden. Wenn man sich gehen lässt, dann hat man schon verloren.“ Das habe er bei vielen seiner „Dialysekollegen“ miterlebt. „Die meisten sind schon lange gestorben.“ Er habe durch die zweite Transplantationsniere schließlich ein neues Leben geschenkt bekommen.
Seit Mai dieses Jahres nun ist Schnepf in Ruhestand, hat die Firma verkauft. Ganz kann er es aber doch noch nicht lassen, arbeitet dort bisher weiter auf 400-Euro-Basis. Die Umstellung, gibt er zu, sei nicht leicht gewesen. Aber nun bleibe endlich Zeit für Hobbys wie Gitarrespielen oder Lesen.
Und natürlich für die vierjährige Enkelin Sina, die täglich bei Oma und Opa zu Besuch ist. Daneben will er sich nun aber auch für andere einsetzen, will aufklären und anderen Betroffenen helfen. Dabei ärgert es ihn besonders, dass es beim Transplantationsgesetz noch immer keine Fortschritte gebe. In Österreich sei die Widerspruchslösung schon lange eingeführt. „Und das funktioniert da sehr gut.“ Schnepf hofft, dass er in seinem Leben nie wieder zur Dialyse muss. Doch jedes Mal, wenn er zur Kontrolle müsse, habe er ein mulmiges Gefühl. „Das Damoklesschwert schwebt einfach immer über mir.“
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