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Tag der Arbeit: Mit den eigenen Händen etwas schaffen

Tag der Arbeit

Mit den eigenen Händen etwas schaffen

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    „Das war mein Traumberuf, das wollte ich als Kind machen, wenn ich groß bin.“Michaela Kaspar
    „Das war mein Traumberuf, das wollte ich als Kind machen, wenn ich groß bin.“Michaela Kaspar

    Dillingen Eine Reihe von Nadeln, die in dem blauen Nadelkissen gleich neben ihr stecken, eine Spule mit grünem Faden, eine Schere, viel Geduld und Fingerfertigkeit – das ist es, was Michaela Kaspar für ihre Arbeit braucht. Behutsam lässt sie an ihrem Arbeitsplatz in der Paramentenstickerei von Regens Wagner die grüne Innenstola, die einmal zum Messgewand eines Priesters gehören wird, durch ihre Finger gleiten. Mit sicheren Stichen hext sie gerade die Saumkante, damit die nicht wieder hochspringt. Mit sicheren Stichen und einer Engelsgeduld.

    Michaela Kaspar ist von Geburt an gehörlos. Mit zwei Jahren kam sie zu Regens Wagner in Dillingen, lebte dort zunächst im Heim, besuchte hier die Schule und im Anschluss die berufsbildende Schule von Regens Wagner in Hohenwart – hatte dort Unterricht im Kochen, Nähen und Putzen. Wieder zurück in Dillingen begann sie dann zu arbeiten, putzte jahrelang im Gehörlosenheim von Regens Wagner. Und wechselte schließlich vor zehn Jahren in die Paramentenstickerei. „Ich arbeite gerne hier“, erklärt sie im Gespräch mit der Donau-Zeitung, das von Heidi Bayer gedolmetscht wird. Stolen nähen, den Saum machen – das ist die Passion der 43-Jährigen.

    Und die hat sie, wie sie erzählt, bereits sehr früh entdeckt. Schon als Kind sei sie von der Arbeit in der Paramentenstickerei fasziniert gewesen. „Das war mein Traumberuf, das wollte ich als Kind machen, wenn ich groß bin.“ Ein Leben ohne Arbeit, das kann sich Michaela Kaspar nicht vorstellen. Selbst wenn auch sie manchmal Tage habe, an denen sie schwerer aus dem Bett kommt, wie sie lächelnd verrät. „Ohne Arbeit wäre es mir langweilig.“ Michaela Kaspar ist stolz auf ihre Arbeit. Stolz darauf, dass sie an der Produktion von Messgewändern Anteil hat, in die die Priester beim Gottesdienst gekleidet sind. Und stolz darauf, dass sie, auch durch ihren Verdienst, eine kleine Wohnung, ihr privates Reich, ihr Eigen nennen kann. Dass die Arbeit für sie als Gehörlose aber einen größeren Stellenwert hat für Menschen ohne Behinderung, glaubt sie aber nicht.

    Das glaubt auch Brigitte Kaut-Müller, die die Paramentenwerkstatt in Dillingen leitet, nicht. „Für Menschen mit Behinderung ist Struktur im Arbeitsalltag zwar sehr wichtig. Aber das ist ja bei uns allen so“, sagt sie. Bei der Arbeit hier gehe es für die 20 Beschäftigten, davon elf mit Behinderung, darum, dass man eine Wertschätzung für das Geleistete erfahre. „Das ist nicht nur eine Beschäftigung, sondern ein echter Entstehungsprozess eines Produktes, das danach verkauft wird.“ Nichtsdestotrotz habe die Arbeit für die Mitarbeiterinnen in der Paramentenstickerei aber auch eine sehr große soziale Komponente. Das zeige sich allein schon daran, dass einige hier das Rentenalter bereit erreicht hätten und nicht mehr arbeiten müssten. „Aber sie schätzen die Struktur und vor allem den Anschluss“, so Kaut-Müller, die seit fünf Jahren hier bei Regens Wagner ist. Denn bei aller Arbeit, die hier zu erledigen sei: „Es ist hier schon ein bisschen wie in einer großen Familie.“

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