Fahrt nach Osaka. Bernhard Adler hofft, dass seine japanische Frau und seine beiden Söhne, die sich gestern noch in Tokio aufhielten, sich möglichst schnell auf den Weg nach Osaka machen. „Das ist 600 Kilometer sicherer“, sagt er und meint damit die Entfernung zum Atomkraftwerk in Fukushima. Vom Erdbeben am Freitag stark in Mitleidenschaft gezogen, tritt dort Radioaktivität aus. Auch die Werte in und um die Hauptstadt Japans sind angestiegen.
Von den Schilderungen seiner Angehörigen ist er alarmiert. In Bussen und auch im Hotel, in dem einer seiner Söhne beschäftigt ist, liefen die Lüftungsanlagen auf Hochtouren. Adler hat das Gefühl, die Japaner kennen das Risiko nicht. Doch er weiß auch: „Nach außen hin sind sie total gefasst, aber innen brodeln sie.“ Er ist sich sicher, dass die rund 30 Millionen Tokioter jetzt genau überlegen, ob sie in der Metropole bleiben oder nicht, und dass etliche wohl bald aus dem Großraum Tokio fliehen werden.
Kein fahrtüchtiges Auto
Für seine Frau ist das keine leichte Entscheidung, müsste sie doch ihre über 80 Jahre alten, pflegebedürftigen Eltern zurücklassen. Auch seine Söhne würden wohl ihren Job verlieren. Es werde als Verrat angesehen, wenn man nicht zur Arbeit erscheine, sagt Adler. Auch wenn sie bei Freunden in Osaka aufgenommen würden, gestalte es sich für sie schwierig, überhaupt wegzukommen: „Sie haben kein fahrtüchtiges Auto“, erklärt Adler. Wer nicht vollgetankt habe, bekomme kein Benzin mehr. Und um das Land zu verlassen, fehlen ihnen die nötigen Reisepapiere. Adler hilft ihnen von Deutschland aus, so weit es möglich ist. Aber zu ihnen nach Japan zu reisen wäre kontraproduktiv. „Auch für mich sind die Strahlen tödlich.“