Schwanger mit 16 Jahren: Anna Preis aus Höchstädt versucht, der Mutterrolle und dem Schulalltag gerecht zu werden. Von Simone Bronnhuber

Während die meisten jungen Frauen sich am Freitagabend für die Diskothek fertigmachen, singt Anna Preis ihren zweieinhalbjährigen Sohn in den Schlaf. Danach macht sie die Wohnung sauber oder wirft noch einen Blick in ihre Schulbücher. Die Höchstädterin (Landkreis Dillingen) ist 19 Jahre alt, Mama und Schülerin.
In der neunten Klasse wurde sie schwanger, am 30. Juli 2007 kam Sohn Leon auf die Welt. Anna war zum Zeitpunkt der Geburt 16 Jahre alt. Sie erzählt: "Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, war das erst mal ein Schock. Mein erster Gedanke war: Was ist mit der Schule?" Anna war mit der Situation völlig überfordert. Sie beschloss, die Neuigkeit erst mal für sich zu behalten. Erst als sie sich morgens übergeben musste und die Kleidung enger wurde, bemerkten es die Eltern und auch Lehrer. Einer von ihnen war Wolfgang Mayr, der damalige Klassenlehrer der 16-Jährigen. Er kann sich noch gut daran erinnern: "Wir haben uns oft unterhalten. Für mich war es auch das erste Mal, dass eine Schülerin schwanger war."
Hochschwanger bei Prüfungen
Anna war gerade in der neunten Klasse der Volksschule Höchstädt - mitten in den Abschlussprüfungen. "Glücklicherweise zählte sie immer schon zu den Besseren in der Klasse. Ihre Noten haben sich während der Schwangerschaft nicht verschlechtert", sagt Mayr. Anna absolvierte die Prüfungen für den Hauptschulabschluss sogar als Klassenbeste - und das hochschwanger.
"Meine letzte Prüfung hatte ich am 2. Juli, nur wenige Tage vor der Geburt. Gott sei Dank hab ich das alles noch vorher geschafft", erzählt die heute 19-Jährige. Nicht nur Anna, sondern auch Wolfgang Mayr war froh, dass alles problemlos abgelaufen war: "Ich war wirklich erleichtert, als die Prüfungen zu Ende gingen. Wir hatten immer Angst, dass Anna oder dem Baby was passiert." Deshalb musste Anna auch vor den Prüfungen eine Erklärung unterschreiben, dass sie auf eigene Verantwortung daran teilnimmt. Denn: Klare Regeln für schwangere Schülerinnen gibt es nicht.
Nicole Steinbach, Sprecherin des bayerischen Kultusministeriums, sagt: "Die Schulen klären die Situation eigenverantwortlich vor Ort. Es muss nicht gemeldet werden, wenn eine Schwangerschaft vorliegt." Deshalb gebe es keine Zahlen, wie häufig junge Frauen während der Schulzeit schwanger werden. In der Regel orientieren sich die Schulen am Mutterschutzgesetz, das besagt, dass schwangere Frauen sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt nicht beschäftigt werden dürfen. "Schulleiter können individuell entscheiden, wie lange eine Schülerin beurlaubt wird."
Während Schulleiter und Lehrer voll und ganz hinter der schwangeren Schülerin standen, wendeten sich einige Freunde von Anna ab. "Diejenigen, die mich fallen lassen haben, waren keine richtigen Freunde. Eigentlich ist es gut, dass ich die los bin", erzählt sie. Neue Freunde lernte sie im Krankenhaus nach der Geburt kennen. "Die meisten haben auch schon Kinder und können mich also verstehen." Heute, fast drei Jahre später, ist Anna Preis nicht nur stolze Mutter, sondern wieder Schülerin. Seit Herbst 2009 besucht sie erneut die Höch-
städter Volksschule, um den mittleren Schulabschluss zu machen. Das funktioniert aber nur mit einem durchplanten Tag: Abends kocht die Schülerin Essen, das sie am nächsten Tag für sich und Sohn Leon warm macht. Morgens um sechs Uhr klingelt der Wecker, um halb acht geht der Zweijährige in die Kindertagesstätte, Anna zur Schule. Nach dem Mittagessen schläft der Sohn, die Mama macht Hausaufgaben und räumt die Wohnung auf. Danach wird gespielt. "Manchmal ist mein Leben kompliziert, aber schön", sagt sie und lacht. Momentan läuft es in der Schule nicht ganz so gut. "Ich muss mich anstrengen, damit es klappt." Hinter ihr steht auch die jetzige Klassenlehrerin Heike Ritzka: "Es ist bewundernswert, wie sie das alles schafft." Deshalb gehe sie manchmal rücksichtsvoller mit ihr um. "Die meisten in ihrem Alter kommen nach Hause und kriegen das Essen serviert. Anna macht alles alleine und hat noch ein kleines Kind." Trotz mancher Schwierigkeiten mag die alleinerziehende Mutter ihr Leben: "Klar wäre ein Kind etwas später besser gewesen, aber nun ist es so. Ich bereue nichts und kann mir ein Leben ohne Leon nicht mehr vorstellen. Irgendwie wird schon alles klappen." Wenn sie ihren mittleren Abschluss schafft, will sie Kinderkrankenschwester werden. Simone Bronnhuber
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