Die 44-jährige Lehrerin will heute mit den Schülern ihres Deutschkurses der Q 12 "Die Verwandlung" von Franz Kafka besprechen. Kein leichter Stoff - die Hauptfigur verwandelt sich in ein menschengroßes Ungeziefer. Doch um den Buben und Mädchen den Inhalt des Buches leichter zugänglich zu machen, hat sich Berens eine ganz spezielle Unterrichtsmethode ausgedacht.
Inhalte interaktiv lernen
Die Pause ist zu Ende und nach und nach trudeln die 15 Schüler im Klassenraum ein. Es dauert nicht lange, bis sich alle gesammelt haben und Berens mit dem Unterricht beginnen kann. Bis jetzt haben die Jugendlichen das Buch im Unterricht noch nicht gelesen. Also beginnt die 44-Jährige, ihnen den Anfang der Erzählung vorzulesen.
Und dann kann man schnell erahnen, warum die Lehrerin für Deutsch, Geschichte und katholische Religionslehre von ihren Schülern für den Deutschen Lehrerpreis in der Kategorie "Unterricht innovativ" vorgeschlagen wurde: Die Schüler sollen die Situation der Hauptfigur aus Kafkas Buch nachempfinden. Durch diese Interaktion schafft es Lisa Berens auf ihre Weise, die Schüler zu motivieren. "Sie bringt uns dazu, die Dinge ohne Angst anzugehen", erzählt Oliver.
Dazu muss sich eine Hälfte der Buben und Mädchen wie Insekten auf den Boden legen und die Beine und Arme vom Körper wegstrecken. Die anderen Schüler nehmen auf den Tischen außen herum Platz. Quasi als Beobachter. Jetzt müssen die "Insekten" berichten, wie sie sich fühlen und wie die Haltung am Boden ihre Bewegung einschränkt.
Lisa Berens nennt diese Unterrichtsmethode einen "handlungsorientierten Zugang". "Die Schüler sollen so körperliche Erfahrungen machen, um in die Interpretation des Inhalts zu kommen." Aber sie geht noch weiter: Im zweiten Teil der Stunde müssen die Jugendlichen innerhalb von zehn Minuten entweder eine Skizze oder einen schriftlichen Monolog der inneren Haltung der Figur aus Kafkas Erzählung verfassen. "Durch diese Erfahrung kann die Interpretation des Textes möglicherweise auf eine andere Art und Weise erfolgen", so Berens.
Auch ihre Schüler schätzen die Unterrichtsmethoden von Lisa Berens. "Wir können viel selbst erarbeiten und bekommen keine fertige Lösung präsentiert. Dadurch haben wir kreative Möglichkeiten und verstehen besser, was dahinter steckt", ist sich die 17-jährige Teresa sicher.
Doch Lisa Berens ist - nach eigener Aussage - nicht die einzige Lehrerin am Albertus-Gymnasium, die so arbeitet. "Ich bin nicht vom Himmel gefallen. Viele meiner Kollegen wenden solche Unterrichtsmethoden an und oft erarbeite ich den Inhalt der einzelnen Stunden mit einer Kollegin."