Medlingen Duftend blubbert die Tomatensoße in dem riesigen Topf auf dem Herd vor sich hin. „Das wird ein Jahrhundertding“, sagt Spitzenkoch Frank Oehler zufrieden, als er seinen Probierlöffel zur Seite legt. Dann macht sich der Spitzenkoch wieder daran, das Schweinefilet zu parieren, während Marion Diepold gleich neben ihm die gewürzten Hähnchenteile nach und nach mit Serrano-Schinken umhüllt.
„Ruhe bitte“, tönt es nebenan aus der Stube des Medlinger Gasthofs zum Stift. Dort ist gerade das Kamerateam aktiv. Schließlich geht es hier heute nicht nur ums Essen, sondern auch um die Dekoration im Gastraum. Nur noch wenige Stunden, dann kommen die Gäste zum großen Abschlussabend nach dem dreitägigen Einsatz der Kochprofis am einstigen Medlinger Krisenherd. Bis dahin muss alles fertig sein. Anstrengend, sagt die 46-jährige Gastronomin, seien die vergangenen Tage gewesen. Schließlich ist auch einiges passiert. Gemeinsam mit den Kochprofis haben Marion Diepold und ihr Team den Biergarten auf Vordermann gebracht, den Gastraum freundlicher und offener gestaltet und ein neues Konzept für die Speisekarte erstellt.
Veränderungen, die zunächst nicht leichtgefallen seien, gibt Diepold zu. „Man hat ja schon viel Herzblut reingelegt, etwa in die Deko“, sagt sie. Auch das Ergebnis des Probeessens der drei Spitzenköche Frank Oehler, Andreas Schweiger und Ole Plogstedt sei zunächst schon niederschmetternd gewesen. „Sie sind schon harte Kritiker.“ Viel zu große Portionen, Verbesserungsmöglichkeiten beim Geschmack und beim Anrichten – das war das Urteil der Experten. Doch die hatten auch gleich eine Lösung mit im Gepäck und modelten die Speisekarte komplett um. Zwiebelrostbraten, Schweinshaxen, Schnitzel – all das strichen die drei rigoros, setzten dafür ganz auf das Thema Spätzle und machten Marion Diepold kurzerhand zu ihrem persönlichen „Spätzle-Schätzle.“ Erst am Morgen des großen Abschlussessens sah die dann die neue, außergewöhnliche Karte. Meerrettich-Forellenspätzle mit Lachs und Apfel-Dill-Vinaigrette, Spätzle all’arrabbiata mit Frühlingszwiebeln und Schinken-Poulet oder Birnen-Bohnen-Speck-Spätzle mit gebratener Blutwurst und Majorancreme finden sich darauf. „Es ist etwas grundlegend neues, mal sehen wie’s ankommt“, sagt Marion Diepold, während sie den Kümmel über die mittlerweile mit Senf bestrichenen Schweinefiletscheiben streut.
Pünktlich um 18.30 Uhr drängen sich dann auch schon die hungrigen Gäste vor dem Gasthof. Unter ihnen auch die Medlinger Familie Riß, die dem zwölfköpfigen Filmteam am Sonntag spontan mit ihrem Schlepper für die Biergartenaufräumaktion aushalf. Mit dem Gasthof gleich neben dem alten Kloster verbindet Josef Riß so einiges. Hier haben sich seine Eltern kennengelernt, hier feierte Sohn Frederik seine Kommunion. In letzter Zeit war er nur noch selten da. „Aber es wäre einfach richtig schade, wenn es diesen Gasthof bald nicht mehr gäbe.“ Schwer fällt die Entscheidung, welche Spätzlevariante es sein soll. Am Ende wählt Josef Riß die Spätzle all’ arrabbiata, seine Frau Anja die mit Forelle und Meerrettich. Als Simone Leins die Teller abräumt, ist Riß sich sicher: „Hier muss ich jetzt öfter herkommen und die anderen Rezepte auch noch probieren.“ Ein Fazit ganz nach dem Geschmack der Kochprofis. „Ich glaube schon, dass das Konzept, das wir hinterlassen haben, funktioniert“, sagt Ole Plogstedt. Am Donnerstag hat der Gasthof zum Stift wieder geöffnet. Die ersten Tische für den Abend sind bereits reserviert.