Landkreis Groß war die Aufregung kurz vor den Osterfeiertagen im Jahr 2001. Um zehn Pfennige war der Spritpreis innerhalb von wenigen Tagen gestiegen. Damit kostete der Liter Super-Benzin stolze 2,12 Mark. Abzocke und Wucher, befanden die Menschen im Kreis damals.
Zehn Jahre später hat sich an der Wortwahl von damals nicht viel geändert. „Abzocker“ und „Verbrecher“, diese Worte hört Jürgen Biller von der Avia-Tankstelle in Lauingen beinahe täglich von seinen Kunden. Schließlich liegt der Preis für einen Liter Super derzeit vielerorts über 1,60 Euro. „Aber zu mir sind die Leute eigentlich ganz freundlich. Sie meinen damit die Mineralölkonzerne“, sagt Biller. Mittlerweile habe sich auch bis zum Letzten herumgesprochen, dass die Tankstellenbetreiber das kleinste Glied in der Kette seien.
Rund zwei Cent, sagt Biller, verdient er noch an einem Liter Benzin. Und das als Betreiber. „Pächter kriegen da teilweise noch weniger.“ Überleben könne man da nur noch mit dem Geschäft in der Werkstatt und dem Verkauf im Shop. „Mein Vater hat damals acht Pfennig an einem Liter verdient“, erzählt der Lauinger.
Biller ist überzeugt: „Wir müssen uns auch in Zukunft darauf einstellen, dass der Sprit noch teurer wird.“ Doch reich würde davon vor allem einer: der Staat. „Kürzlich habe ich in einer Fachzeitschrift gelesen, dass der Preis zwischen 56 und 59 Cent liegen würde, wenn die Steuern nicht wären.“
Auch Werner Frei von der Pinoil Tankstelle in Gundelfingen darf sich momentan einiges anhören: „Die ganzen Tankstellenbetreiber gehören mittlerweile psychologisch betreut. Erst das Chaos mit dem E10 und jetzt die Preissteigerung“, scherzt Frei. Drei bis vier Mal pro Tag stelle man derzeit manchmal die Preise um. „Die Mineralölgesellschaften wissen eben genau, dass die Leute zur Ferienzeit mehr Sprit brauchen“, sagt er. Doch trotz des Unmutes vieler Kunden hat er festgestellt, dass früher mehr geschimpft wurde. „Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. Die Leute haben sich darauf eingestellt.“
Und trotzdem würde jetzt, kurz vor Ostern, jeder gerne wissen, wann der beste Zeitpunkt ist, den Tank noch einmal vollzumachen. Und so liegen den Kunden von Martin Peter, der in Holzheim eine freie Tankstelle betreibt, momentan vor allem zwei Fragen auf der Seele. Die erste lautet: „Warum ist es so teuer?“, die zweite „Wann wird es wieder billiger?“ Doch dass kann auch Martin Peter nicht beantworten. „Wenn ich das wüsste, könnte ich zusperren und wäre schon lange Millionär“, sagt er lachend.
Von jedem zweiten Kunden werde er derzeit auf die hohen Spritpreise angesprochen. „Einerseits kann man es nicht mehr hören, andererseits kann ich es natürlich auch verstehen“, sagt Peter. Schließlich ärgere es ihn privat auch selbst, dass das Autofahren immer teurer wird. Dass sich das irgendwann einmal wieder umkehren wird, darüber macht sich Peter keine Illusionen: „Es wird noch teurer werden.“