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Wenn der Zug von der Küche ins Schlafzimmer braust

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Wenn der Zug von der Küche ins Schlafzimmer braust

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    Mit viel Liebe zum Detail hat Siegfried Mannes die Landschaften, durch die seine Züge brausen, gestaltet. Fotos: Gaugenrieder
    Mit viel Liebe zum Detail hat Siegfried Mannes die Landschaften, durch die seine Züge brausen, gestaltet. Fotos: Gaugenrieder

    Und für seine Schätze hat er sich vor ein paar Jahren etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie fristen nicht das Dasein anderer einst heiß geliebter Eisenbahnen, die in Packpapier eingewickelt das Jahr über auf dem Dachboden oder im Keller verstaut sind, und alle heiligen Zeiten einmal zur Freude der Enkelkinder aufgebaut werden. Bei Siegfried Mannes haben die Eisenbahnen ein eigenes Haus.

    Vorbei an Schluchten durch dunkle Tunnel

    Sie zockeln dort durch die ehemalige Küche, brausen durchs Wohnzimmer und das Schlafzimmer - selbst unterm Dach rattern Modellloks durch die Landschaft, vorbei an liebevoll gestalteten Dörfchen, Industriestädten, hinweg über Schluchten, in denen tosende Wasserfälle ins Tal stürzen, durch dunkle Tunnel hindurch. Dabei machen die Züge von Siegfried Mannes auch vor Mauern nicht halt. Besser: Siegfried Mannes macht vor Mauern nicht halt. Damit der Zug vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer fahren kann, brach er kurzum ein Loch in die selbst bemalte Wand. In der Außenanlage, die mit einem neun Meter hohen Flügelsignal und einer echten Lokachse auf ein paar Metern Gleis aufwarten kann - dem einzigen Strang Schienen in Medlingen, wie Mannes stolz erklärt - hat er es noch etwas weiter getrieben. Hier soll das kleine Bähnchen, das jetzt eine Schneehaube bedeckt, einmal ums ganze Haus fahren. Im Maßstab 1:5 hat er es gebaut. Und damit die Bahn auch einmal die Enkelkinder rings ums Haus befördern kann, musste hier abermals ein Stück Mauer fallen. An einer Stelle zieht sich jetzt ein Tunnel durch die Wand. "Aber bis es fertig ist, dauert es noch ein bisschen", sagt Siegfried Mannes.

    Doch fertig, fertig das gebe es bei einem leidenschaftlichen Modelleisenbahner sowieso nicht. "Das darf es nicht geben. Denn das Basteln ist ja eigentlich das Interessante." Für einen wie ihn, der seit über 50 Jahren mit Leib und Seele Modelleisenbahner ist, geht es nicht mehr darum, den Zügen dabei zuzusehen, wie sie Schleife um Schleife drehen. Es geht darum, die Landschaft, durch die sie fahren, zu gestalten, immer wieder umzubauen, sich etwas Neues auszudenken und es dann in die Tat umzusetzen. Zeit dafür findet der ehemalige Landwirt vor allem im Winter. Wenn es auf Weihnachten zugeht, heizt er im Eisenbahnhaus den Holzofen an und geht an die Arbeit. Schreinert, modelliert, arrangiert neu. Einen seiner ersten Berge, erinnert sich Mannes, habe er aus einem Bettlaken kreiert, das über ein Holzgestell drapiert und dann mit Gips modelliert wurde. "Heute gibt es da ganz andere Möglichkeiten."

    Ausbildung zum Ehrenlokomotivführer

    Wann seine Faszination für die Eisenbahn begann, das kann der ehemalige Kirchenpfleger von Medlingen nicht genau sagen. Doch er kann sich noch heute genau daran erinnern, wie er bei der Arbeit auf dem Feld dem Bähnchen von Sontheim nach Gundelfingen hinterherschaute. "Lokomotivführer sein - das wäre mein Traumberuf gewesen."

    Und so machte ihm seine Familie zum 65. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk. Auf der Selfkantbahn in Nordrhein-Westfalen absolvierte er auf einer Dampflok eine achttägige Ausbildung zum Ehrenlokomotivführer - mit echter Fahrprüfung und Lokomotivführerpatent. "Da sind sogar Passagiere bei der Prüfung mitgefahren."

    Plötzlich ein kleiner Rumpler - dann Stille. Auf der Strecke mit den elektrischen Oberleitungen ist der Zug entgleist. Schuld war der Staub, erklärt der Ehrenlokomotivführer. "Der ist für die Modelleisenbahn noch problematischer als Kinderhände", sagt er lachend.

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