Wittislingen Gemeinderatssitzungen leitete Roland Hörl zuletzt nicht mehr. Das macht Wittislingens Zweite Bürgermeisterin Hannelore Wengert, seit der 63-Jährige Ende März einen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand gestellt hat. Andere Aufgaben, wie beispielsweise Repräsentationspflichten, übernimmt Hörl jedoch.
Sandra Bügelsteiber, die beim Landratsamt Dillingen unter anderem für kommunalrechtliche Anliegen zuständig ist, sagt, oberste Priorität habe die Genesung: „Es ist alles zu unterlassen, was sie verzögert.“ Die Juristin nennt ein allgemeines Beispiel: Wer etwa einen Bandscheibenvorfall hatte, dürfe nicht Holzhacken. „Er muss nicht im Bett liegen bleiben“, fügt Bügelsteiber an und veranschaulicht: Wurst einkaufen zu gehen, wenn man sich den linken Arm gebrochen hat, sei o.k.. Oft empfehlen Ärzte auch Bewegung an der frischen Luft.
Zweite Bürgermeisterin Hannelore Wengert begrüßt, dass Hörl nach wie vor Repräsentationsaufgaben für die Egaugemeinde übernimmt. So war er, wie einige Wittislinger Gemeinderäte auch, bei der Verleihung des Ulrichspreises in Dillingen an Lech Walesa anwesend.
An zwei Vormittagen im Rathaus
Man könne den Bürgermeister mit dem Chef eines Unternehmens vergleichen, erklärt Wengert: „Er kann in die Geschäfte eingreifen – ob er krank ist oder nicht.“ Zudem sei er nicht bettlägerig, sagt Wengert mit Nachdruck. Zum Beispiel habe man vereinbart, dass Hörl an zwei Vormittagen in der Woche im Rathaus ist. Die festen Zeiten geben der Zeit nach der Antragstellung etwas Struktur, sagt Wengert. Hörl selbst wollte sich auf Anfrage der DZ nicht zum Thema äußern.
Noch warten die Gemeinderäte auf das ärztliche Gutachten. Dieses sollte Ende Mai an die Gemeinde Wittislingen übersandt werden. Auf Grundlage dessen entscheiden sie, ob sie Hörls Antrag auf Versetzung in den Ruhestand stattgeben oder nicht. Befürwortet dies das Gremium, stehen bald darauf Neuwahlen an. Die Amtszeit von Hörls Nachfolger wird bis 2020 gehen. Der 63-Jährige selbst war 2008 gewählt worden.