Mittwoch, 22. Mai 2013

07. September 2010 19:35 Uhr

Zeitarbeit: Nordschwaben deutschlandweit an der Spitze

Donauwörth/Dillingen Die Zeitarbeit hat keinen guten Ruf. Mit den Vorwürfen "ungleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeit", "Ausbeutung" und "wirtschaftliche Unsicherheit" rückt der Job auf Zeit in der öffentlichen Meinung nahe heran an moderne Sklaverei. Es ist ein Thema, das emotionalisiert. Aber die Zeitarbeit ist vor allem eines: eine große Chance, wie Claudia Wolfinger, die Leiterin der Donauwörther Agentur für Arbeit, findet.

Knapp zwei Drittel der Menschen, die 2009 im Agenturbezirk Donauwörth in Zeitarbeit beschäftigt waren, kamen aus der Arbeitslosigkeit. Sie sagt: "Wenn die Zeitarbeit eine Möglichkeit ist, um wieder in einen Job zu kommen, ist das nicht verwerflich, sondern sinnvoll."

Die Alternative wäre die Beschäftigungslosigkeit. Denn gerade in der momentanen Situation, in der das zarte Pflänzchen des wirtschaftlichen Aufschwungs wächst, seien viele Firmen vorsichtig. Sie stellen nicht fest ein, benötigen aber Personal, um Auftragsspitzen bewältigen zu können. Für Wolfinger steht fest: "Die Zeitarbeit ist im Moment unser Jobmotor". So hilft sie auch kräftig mit, die Arbeitslosigkeit in Donauwörth auf dem gewohnt niedrigen Stand zu halten. 3,1 Prozent sind es derzeit - im Bundesvergleich mit der niedrigste Wert.

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Einen Spitzenplatz nimmt der Agenturbezirk Donauwörth allerdings bei der Anzahl der Zeitarbeiter ein. Mit rund vier Prozent anteilig an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt Nordschwaben bayern- und auch deutschlandweit an der Spitze. 32 Zeitarbeitsfirmen haben hier ihren Sitz. Warum die Region so beliebt ist, kann sich Wolfinger selbst nicht erklären, vielleicht weil man hier ein günstiges Einzugsgebiet an Kundenunternehmen hat, von Augsburg bis Nürnberg und Ingolstadt bis Günzburg. 3200 Leiharbeiter sind im hiesigen Agenturbezirk angestellt. Bei Rund 77 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten könne man also nicht von einem "wahnsinnigen Phänomen" sprechen, so Wolfinger.

Dennoch zeigt die Entwicklungskurve steil nach oben. Waren es 1999 noch etwas mehr als 600 Zeitarbeiter, machte die Zahl ab 2003/04 einen rapiden Sprung nach oben. In diesem Zeitraum wurde die Zeitarbeit von der Regierung dereguliert. 2006 waren es dann schon an die 1500, ein Jahr später über 2600.

Ob die Zeitarbeit weiter zunehmen wird, ist auch für Wolfinger schwer einzuschätzen: "Ohne den demografischen Wandel würde ich klar sagen, dass die Zeitarbeit mehr wird. Aber der Geburtenrückgang zeigt schon jetzt, dass die Fachkräfte weniger werden. Um gute Leute an sich zu binden, werden die Betriebe zukünftig wohl schon mit einer Festanstellung werben müssen."

Sprungbrett für eine Festanstellung

Sie ärgert es, dass einige schwarze Schafe die ganze Branche in Misskredit bringen, denn für die Agentur ist die Zeitarbeit ein gutes Instrument, nicht zuletzt wegen der sogenannten "Klebe- und Brückeneffekte". Für ein Drittel ist die Zeitarbeit ein Sprungbrett, um in einem anderen Unternehmen fest angestellt zu werden (Brückeneffekt), andere haben sich bei der Firma bewiesen und werden fest übernommen (Klebeeffekt).

Außerdem sei die Zeitarbeitsfirma nicht immer ein unerwünschter Arbeitgeber, wie Wolfinger festgestellt hat. Diejenigen, die aus einem festen Job kommen, aber freiwillig in die Zeitarbeit wechseln, werden mehr. Mehr Geld, geregelte Arbeitszeiten bei großen Firmen oder einfach nur das bessere Image des anderen Betriebes seien Beweggründe, warum gerade junge Menschen beispielsweise vom Handwerk in die Zeitarbeit wechseln. Diese Abwerbung ist natürlich auch nicht im Sinne des Erfinders, wie Wolfinger zugeben muss, allerdings habe sie das nicht in der Hand. Andererseits entkräfte diese Entwicklung das Argument der Ausbeutung und Unterbezahlung: "Wir hatten bei uns - toi, toi, toi - bisher noch keine Probleme, weder mit den Zeitarbeitsfirmen, noch mit Zeitarbeitern, die unzufrieden sind."

Allerdings will die Leiterin der Arbeitsagentur nicht verschweigen, dass die Zeitarbeit in ihren Augen durchaus an der ein oder anderen Stelle vom Gesetzgeber stärker normiert werden müsste. "Um gewisse Geschäftspraktiken und Auswüchse der Zeitarbeit zu vermeiden", wie sie sagt.

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Gloria Brems

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