Fünfstetten In wenigen Wochen wird ungefähr ein Drittel der Haushalte in Fünfstetten mit Wärme aus einem Biogas-Blockheizkraftwerk versorgt. Damit geht das bislang wohl größte Projekt dieser Art im Raum Donauwörth in Betrieb. Landwirt Michael Hofer senior und sein Sohn investieren 1,1 Millionen Euro und viel Eigenleistung in das Vorhaben, das schrittweise diese Dimension erreicht hat und noch weiter wachsen soll.
Es dauerte eine ganze Weile, bis alles so weit kam. Am Anfang stand der Gedanke, das eigene Wohnhaus mit alternativer Energie zu beheizen, so Hofer senior. Daraus entwickelte sich vor einigen Jahren der Plan für eine Biogasanlage unweit des Hofs am nördlichen Dorfrand. Einigen Bürgern lag die Anlage zu nahe an der Siedlung. Sie sammelten Unterschriften gegen das Projekt. Dies führte dazu, dass die Familie Hofer von sich aus das Vorhaben an dieser Stelle aufgab – und bald darauf einen neuen Anlauf unternahm. Die Anlage sollte etwa einen Kilometer nördlich von Fünfstetten verwirklicht werden. „Wir haben das sehr schnell genehmigt gekriegt“, schildert der 63-Jährige.
Seit 2005 wird in der Biogasanlage Strom erzeugt. Um auch die Wärme nutzen zu können, verlegte Hofer eine Gasleitung ins Dorf und errichtete dort ein Blockheizkraftwerk. Dieses ging 2006 in Betrieb. Angeschlossen wurden zunächst vier Wohnhäuser und das Kloster. „Wir haben gesehen, da es gut funktioniert“, so Hofer. Also weitete die Familie 2007 das Netz auf zwölf weitere Anwesen am Schlossberg sowie am Marktplatz aus. Dennoch wurde die Leistung des Blockheizkraftwerks (465 Kilowattstunden) im Sommer und in der Übergangszeit nur zu einem Teil beansprucht.
Folglich sei es sinnvoll gewesen, ein umfangreicheres Fernwärmenetz auf die Beine zu stellen, erklärt der Landwirt, der auch seit vielen Jahren dem Gemeinderat angehört. Es habe sich der östliche Teil von Fünfstetten dafür angeboten. Bei einer Versammlung stellten die Hofers 2009 ihre Pläne vor. 79 Prozent der Hauseigentümer in dem Gebiet zeigten konkretes Interesse. Also packte die Familie das Projekt an.
Jedoch dauerte es noch ein Jahr, ehe die KfW-Förderzusage vorlag. Diese war laut Michael Hofer senior unbedingt notwendig, fließen doch von dieser Seite 530000 Euro. Die Gesamtkosten für das Netz betragen 1,1 Millionen Euro. Noch höhere Kosten habe man durch viel Eigenleistung vermieden, berichtet Hofer. Zum einen baute das Unternehmen – die Hofer Wärmenetz GbR – selbst das neue, 4800 Meter lange Leitungsnetz, stellte dafür eine Vollzeit- und mehrere Teilzeitkräfte ein und schaffte sich zwei Bagger an. Zum anderen verpflichtete sich jeder Abnehmer zu dreitägiger Mitarbeit. Dabei habe es praktisch keine Probleme gegeben.
Der Anschluss eines Abschnitts mit rund 70 Häusern wurde schon vor ein paar Monaten vollzogen und in wenigen Wochen sollen nun etwa 20 weitere Gebäude folgen. Damit hängen dann insgesamt 110 Anwesen an dem Blockheizkraftwerk. Um auch bei strengem Frost genügend Leistung zu haben, installierten die Hofers in der Technikhalle ein Hackschnitzelheizwerk.
Michael Hofer junior verweist stolz darauf, dass durch das komplette Fernwärmenetz in Fünfstetten jährlich rund 400000 Liter Heizöl eingespart werden können. Die Nachfrage der Hauseigentümer habe in der jüngeren Vergangenheit angesichts steigender Energiekosten noch zugenommen. Die Biogas-Wärme sei – alles eingerechnet – um etwa 50 Prozent billiger als Heizöl, erklärt Michael Hofer senior.
Im kommenden Jahr wollen er und sein Sohn nochmals 15 Häuser an die alternative Energieversorgung anschließen.