Kaisheim In die „Faszination Allgäu“ – so der Titel seines Soloprogramms – entführte Maxi Schafroth die Besucher im seit Wochen ausverkauften Kaisheimer Thaddäus. Der Kabarettist, gelernte Banker und „Unterallgeier Baurebua“ aus Stephansried verbreitete zwei Stunden lang auf unnachahmliche Weise Geheimnisse und Gebräuche der dort beheimateten Menschen.
Als gealterter Tourismus-Experte begrüßte er die vermeintlich anwesende Kaisheimer Prominenz. In dieser Glanzrolle erinnerte sich Schafroth daran, wie er in den 70er-Jahren das „Güllegruben-Spa“ erfand. Die Delfin-Therapie in einer leeren Güllegrube war „für den Standort Unterallgäu ein Alleinstellungsmerkmal“.
Blick auf die Krise
Der Rolle entschlüpft berichtete der erst 26-jährige Allgäuer, dass er mit seiner Banklehre zwar „was G’scheit’s“ gelernt habe – mit Blick auf die Krise inzwischen aber eher auf das Kabarett „als Sicherheit“ setzte... Das Ziel seiner Tournee sei, in den jeweiligen Orten „ein ländliches Wertesystem zu implementieren“. Deswegen übte er mit den Zuschauern auch das Rollen des allgäuerischen R’s. Fazit: „Man merkt, i bin net so weit weg von dahoim.“ Dass die Allgäuer Bevölkerung wortlos kommunizieren kann und sich fast durchweg von Romadur-Käse ernährt – diese Running Gags baute Schafroth immer wieder brillant ein.
Mit seinem kongenialen Begleiter Markus Schalk an der Gitarre ging es auch in musikalische Gefilde. Zum Beispiel mit der „Schompen-Ballade“. Doch was ist ein „Schompen“? Schafroth: „Ein junges Teenager-Rind, praktisch am Ende der Selbstfindungsphase“. Mit dem „Kässpätzle-Blues“ wurde auch einem „Exportschlager“ des Allgäus gehuldigt.
Überall in Bayern treffe man sich am Stammtisch zum Diskutieren – im Allgäu eher zum Schweigen, „und zwar zwei Stunden lang“. Es sei denn, es lässt jemand ein Reizwort fallen wie „Milchpreis“, dann gehe es zu „wie im Haifischbecken nach einer Packung Debrecziner“. Gerne gab der Landwirtssohn Auskunft, wie sich trotz der Sprachfaulheit im Allgäu Liebespaare bilden können. Dabei wählte er das Beispiel seiner Eltern: „Mein Vater führte meine Mutter herum und meinte: ,Da ist mein Hof, da ist mein Wald, überlegsch’s dir halt‘“.
Seitenhieb auf Kollegen
Aber gastfreundlich sei man schon in seiner Heimat: „Man lädt die Leute ein, damit der Kühlschrank leer wird.“ Seinen Vater bezeichnete er als „Meister des Allgäuer Restepfännles“, in dem Lebensmittel Verwendung finden, die eigentlich nicht mehr für den Verzehr geeignet sind. Einen Seitenhieb für seine einstigen Berufskollegen hatte Schafroth auch noch parat: „Im Allgäu wird wenig gesprochen und viel gearbeitet – in der Bank ist es meistens anders herum.“
Um das begeisterte Publikum, das ihn frenetisch feierte, nicht zu euphorisch in die kalte Nacht zu entlassen, verabschiedete sich Maxi Schafroth gemeinsam mit Markus Schalk und einer betont gefühlvollen Ode an seine Heimat.