Donauwörth Kennen Sie „Zumba“? Nein? Nun, Zumba ist ein von lateinamerikanischen Tänzen inspiriertes, vom Tänzer und Choreografen Alberto „Beto“ Perez im Kolumbien der 1990er kreiertes Tanz-Fitness-Programm – und aktuell der absolute Hit in Deutschland. Ein Zumba-Angebot wird der erste Kurs sein, der ab Juni im VHS-Haus im Spindeltal in Donauwörth abgehalten wird. Mit dem Gebäude „Forum für Bildung und Energie“ (FBE) beginnt auch eine neue Ära in der Geschichte der Volkshochschule Donauwörth. Unsere Redaktion sprach daher mit VHS-Geschäftsführerin Gudrun Reißer und dem langjährigen ehrenamtlichen Vorsitzenden Konrad Böswald.
Nach einem mehr als zwei Jahrzehnte währenden Bemühen „gehe nun ein Traum in Erfüllung“ bekennt Böswald. Reißer habe das Werden des Hauses höchst motiviert begleitet und, wo notwendig, Einfluss genommen in Abstimmung mit Stadt und Handwerkern. Die Große Kreisstadt als Bauherr und Besitzer belege das Haus selbst mit zahlreichen Veranstaltungen im Jahr. Landratsamt und Kommune seien mit regelmäßigen Terminen für Energieberatung eingebucht.
Um das Gebäude – Geschäftsstelle sowie Vortrags- und Veranstaltungsräume – finanzieren zu können, erfordert es ein professionelles „bewirtschaften“. Das heißt, so Reißer, „wir möchten in naher Zukunft für Firmen, Organisationen und Behörden passgenau Schulungsangebote entwickeln, die sie dort wahrnehmen können“. Man könne Räume für firmeneigene Schulungen ab Sommer mieten. „Ich werde auf Ansprechpartner aus Wirtschaft und Politik zugehen und würde mir hierzu gerne kompetente Moderatoren mit ins Boot nehmen.“
Nach sechs Jahren „unruhiger und aufregender Zeit“ sei mit der jetzigen Geschäftsführerin Stabilität eingekehrt, anerkennt Böswald rückblickend, der gleichzeitig deren „enormes zeitliches Engagement“ würdigt: „Fleiß, Ideen und Kreativität gehören einfach zusammen.“
Reißer gibt die guten Worte zurück: „Als neue Geschäftsführerin wurde ich am 1. Oktober sehr freundlich und hilfsbereit vom erfahrenen VHS-Team aufgenommen. Erstes Ziel war, mich in das umfangreiche Kursprogramm und in die Verwaltung einzuarbeiten.“ Die Aufgabenbereiche seien universal und fordernd. Das zu verantwortende Finanzvolumen mit etwas über einer Million Euro sei natürlich wesentlich größer, als in ihrem vormaligen Bereich als Museumsleiterin bei der Stadt. „Es beruhigt mich schon, dass ich auf ein solides und wirtschaftlich gut aufgestelltes Fundament aufbauen kann und die volle Unterstützung meiner Mitarbeiterinnen, des Vorstandes sowie der Außenstellenleiter habe.“
Die VHS solle auch künftig „öffentliches Zentrum für Weiterbildung bleiben“, betonten Reißer und Böswald unisono. Eine Einrichtung, die „von allen Bürgerschichten angenommen werden“ könne. Doch alle Vorhaben ließen sich weiterhin nur – neben sozialverträglichen Kursgebühren für die über 20000 Teilnehmer jährlich – mit der finanziellen Unterstützung von Freistaat, Landkreis, Stadt und Gemeinden avisieren. Nicht umsonst seien Volkshochschulen in der Bayerischen Verfassung als Bildungsträger ausdrücklich genannt: Art. 83 – „In den eigenen Wirkungskreis der Gemeinden fallen insbesondere die Verwaltung des Gemeindevermögens und der Gemeindebetriebe … Volks- und Berufsschulwesen und Erwachsenenbildung“. Und Art. 39 – „Die Erwachsenenbildung ist durch Volkshochschulen und sonstige mit öffentlichen Mitteln unterstützte Einrichtungen zu fördern“.
Die Frage, warum es sich für Kommunen lohne, in Volkshochschulen zu investieren, wurde von den beiden so beantwortet: „Weil wir der einzige Weiterbildungsanbieter mit einem umfassenden Angebot sind, die Bildungsmöglichkeiten und Lerninteressen möglichst vieler Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen berücksichtigen, Kooperationen mit anderen Institutionen pflegen und dadurch die Kommune als Wirtschaftsstandort fördern.“ Man arbeite politisch und konfessionell unabhängig und spreche Zielgruppen an, die nachholende Bildung benötigen.
Reißer: „Priorität haben Aufgaben, die von besonderem öffentlichen Interesse sind, die dem Ziel der Bildungsgerechtigkeit dienen, wie die Weiterbildung einkommensschwacher und bildungsbenachteiligter Gruppen aber genauso andere gemeinwohlorientierte Angebote (politische, interkulturelle und ökologische Bildung).“ Volkshochschulen seien wohnortnahe Partner, wie die Außenstellen in Bäumenheim, Kaisheim, Monheim, Rain, Tapfheim und Wemding belegten.
In der Region ist die VHS Donauwörth führend in der beruflichen Weiterbildung – von europaweit anerkannten Sprachzertifikaten bis Computerpässe und Xpert-Lehrgänge. Man habe hier teilweise sogar im weiten Umkreis Alleinstellungsmerkmal. Sehr gut positioniert sei man ferner in einer Vielzahl qualitativ hochwertiger Kurse und Vorträge zu Geschichte, Verbraucher und Rechtsfragen, Gesundheit, Entspannung und Sport sowie bei zahlreichen kreativen und künstlerischen Freizeitangeboten. Nicht zu vergessen die niveauvollen Kulturreisen und Tagesfahrten mit ausgewiesenen Experten: „Allein die Kulturreisen nach Rom mit Alt-OB Dr. Alfred Böswald finden ungebrochenen Zuspruch.“ Und dankenswerterweise führe nach dem Tod von Wolfgang Geiß ein „Dreier-Team“ die hochwertige VHS-Filmreihe weiter.
Indes, es gelte der Spruch „nur was sich auch verändert, hat Zukunft. Auf der Tradition aufbauen und Neues schaffen“. Wenn im Frühjahr das FBE eröffnet wird, ergeben sich dann zusätzliche Möglichkeiten? Dazu die 49-jährige studierte Volkskundlerin und Kunstgeschichtlerin: „Ein großes Anliegen von mir ist, ein ‚Studium generale‘ zu institutionalisieren, das heißt, universitäres, akademisches Wissen (Kulturgeschichte, Kunst, Wirtschaftswissenschaften, Recht, Literatur, Philosophie) in systematischer und kompakter Form für Bürger/innen zu erschließen. Hier habe ich schon Gespräche mit entsprechenden Referenten führen dürfen – trotzdem benötigen wir noch weitere Dozenten, die Interesse daran haben, sich hierfür einzubringen.“
Gerne würde sie den Sektor preiswerte Familienreisen (Technik/Kultur) forcieren. „Einige Ziele spuken schon in meinem Kopf herum wie Bremen Science Center oder Schiffswerft Papenburg.“ Ein Teil ihrer künftigen Arbeit wird sein, altersspezifische Weiterbildungs- und Freizeitangebote stärker zu profilieren, so etwa eine „junge VHS“ zu etablieren. Es gebe schon eine ganze Reihe an Programmen für junge Leute – „sie sind bisher im Programmheft allerdings noch nicht besonders gut hervorgehoben“. Ebenso sei dem demografischen Wandel mehr Gewichtung zu zollen und es seien mehr passgenaue Kurse, vor allem auch tagsüber, für die ältere Generation anzubieten.
Was bisher in der Kürze der Zeit möglich war, sei bereits im neuen Programm (Einschreibung ab 7. Januar) unter der Rubrik „Trendsport“ und „Natur und Garten“ zu finden. Gerne würde sie die Themen Umwelterziehung für Familien und „regionale Gartenkultur“ mit ausgewiesenen Experten ausbauen.
Eines sei für die künftigen Aufgaben unerlässlich: weitere Kooperationspartner. „Konkurrenzdenken ist mir fremd, deshalb würde es mich freuen, wenn wir gemeinsam Aktionen und Projekte für Bürger/innen aus allen sozialen Schichten, generationenübergreifend und interkulturell anbieten könnten.“
Natürlich sei ihnen beiden – Reißer wie Böswald – klar, alles sei nur in kleinen Schritten und nicht binnen eines Jahres zu verwirklichen. „Es wird manchen Rückschritt geben und manche Enttäuschung, aber nur wer Ziele hat, kann für die Zukunft sorgen.“ Innovationen seien einfach notwendig, um die Volkshochschule Donauwörth und ihr berufliches Weiterbildungszentrum „als bedeutsamen, kulturellen Standortfaktor für unsere Heimat zu erhalten.“