Rain Mit den Ergebnissen des Zweiten Vatikanischen Konzils, das vor 50 Jahren tagte, befasste sich Pfarrer Paul Großmann in einem fesselnden, überzeugenden Vortrag im Großen Pfarrsaal.
Dekanatsratsvorsitzende Regina Rabuser begrüßte die vielen Zuhörer aus fast allen Pfarreien des katholischen Dekanats Rain mit den Worten: „Wir sind Kirche. Die heute anstehende Kirchenreform brennt uns allen auf den Nägeln und ist in etwa vergleichbar mit den damaligen Änderungen.“
Kritik an derzeitiger Vorgehensweise
„Ich feierte im Juli 1962 meine Primiz“, erzählte indes der Geistliche, „und mit mir waren viele junge Priester der Auffassung, dass das Konzil einen Sprung nach vorne bedeutete mit Änderungen, die man auch als ‚ein neues Pfingsten‘ bezeichnete.“
Die 2500 Bischöfe aus 133 Ländern – 1000 aus Europa, 750 aus Amerika, 500 aus Asien und 250 aus Afrika – , sie seien zusammen mit Papst Johannes XXIII. mit einem enormen Selbstbewusstsein aufgetreten. Bei diesem Konzil, das in vier Perioden von Herbst bis Dezember tagte, sei es nicht um Dogmen gegangen, sondern um „Aggiornamento – Aktualisierung“, um eine Zuwendung zu den Menschen unter der Maxime „Macht Fenster und Türen weit auf, und zwar von innen nach außen“.
Eine erste sichtbare Veränderung sei gewesen, dass Priester sich ab diesem Zeitpunkt bei der Eucharistiefeier der Gemeinde zuwandten, dass ein „Volksaltar“ eingeführt worden sei. Die Messe sollte fortan nicht mehr in Latein, sondern in der Landessprache gefeiert werden.
Die Liturgiereform habe auch die Spendung der Sakramente verändert. Die Worte „Ich taufe dich“ seien mit einem anderen Erlebnis verbunden als die entsprechenden lateinischen Begriffe. Einem Sterbenden werde die Krankensalbung gespendet, nicht mehr „die letzte Ölung“. Die oft anzutreffende Angst vor einem Pfarrer sei heutzutage schier undenkbar. Bußfeiern seien heute hoch angesehen. Seit den 60er-Jahren mache ein Priester nicht mehr alles selber, sondern er finde Unterstützung durch Lektoren, Kommunionhelfer, Ministranten und Ministrantinnen. Die Gottesdienstbesucher seien nicht mehr nur bloße Zuhörer und Zuschauer, sondern Mitfeiernde, „das pilgernde Gottesvolk“. „Wir sind seitdem gemeinsam unterwegs im Glauben“, erklärte der Referent.
Auch die Ökumene sei damals mit angestoßen worden, berichtete der Genderkinger Pfarrer, der auch im Ruhestand noch in der Pfarreiengemeinschaft Rain (ab 1. September) tätig sein wolle. Angehörige der evangelischen Kirche, der Ostkirche und der anglikanischen Kirche werden heute nicht mehr als „Häretiker“ (Ketzer) bezeichnet, sondern als „getrennt im gemeinsamen Glauben“. Zudem: Die Achtung auch vor anderen Religionen habe zugenommen.
Geschwisterliche Beziehungen in der Ökumene
Auch das Verhältnis zu den Juden, den „älteren Geschwistern im Glauben“, habe sich positiv geändert. Dieser anvisierte „Sprung nach vorne“ sei allerdings nicht voll geglückt, bedauerte Pfarrer Paul Großmann. „Eine kleine Minderheit, genauer gesagt die Pius-Bruderschaft, verweigert sich.“ Man sollte sich aber die Freude am Christsein bewahren, meinte Pfarrer Paul Großmann. Er schloss seinen Vortrag mit den Worten: „In mir ist seit dem Zweiten Vatikanum ein kleines Feuer geblieben, das hin und wieder aufflammt. Solange ich kann, möchte ich die Freude am Christsein vermitteln.“
Nach einer kleine Pause stellten einige Besucher Fragen zur künftigen Organisation der Pfarreien. Bis zum Jahr 2025 sollen, so die Vorgabe des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa, 207 „größere Seelsorgeeinheiten“ gebildet und Seelsorgeräte eingeführt werden. Es stehe dem Bischof aber nicht zu, Wort-Gottes-Feiern zu verbieten. „Wozu haben wir, und ich im Speziellen, seit 1972 Frauen und Männer als Lektoren und Kommunionhelfer ausgebildet und beauftragt, diese Ehrenämter auszuüben“, fragte Pfarrer Großmann.
Wenn es wirklich zu jenen Verboten komme, breche ein Stück Solidarität mit der Kirche weg. Pfarrer Großmann monierte auch, dass vor Bekanntgabe der Reformpläne niemand die Pfarrer, die Seelsorger vor Ort, um deren Meinung gefragt habe. „Da hätte viel Ärger vermieden werden können“, meinte er. Großmann hält indessen allerdings nichts von einem Austritt aus der katholischen Kirche. „Wer austritt, hat kein Recht mehr, mitzureden“, betonte er. Er bekam starken Beifall für seine Schlussbemerkung: „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Den Vortrag hielt Pfarrer Großmann zuletzt auch in Holzheim.