Freitag, 20. Oktober 2017

02. Dezember 2013 07:18 Uhr

Atomkatastrophe

Die Mission von Japaner Kobayashi: Die Wahrheit über Fukushima

Der Japaner Kazuhiko Kobayashi wollte sich eigentlich zur Ruhe setzen. Dann kam das Erdbeben. Jetzt spricht er über die Folgen der atomaren Katastrophe

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Kazuhiko Kobayashi hat es sich zur Aufgabe gemacht der Welt zu erzählen, wie es um sein Heimatland Japan nach der Atomkatastrophe von Fukushima steht. Er hofft auch, dass Deutschland den Atomausstieg schafft.
Foto: Katrin Fischer

Mit Hut und Trenchcoat wirkt Kazuhiko Kobayashi zunächst streng. Doch eigentlich ist der Japaner nur ernst, sachlich, und vor allem – echt. Wenn er bei seiner Reise durch Europa über Atomtechnik spricht, erzählt er den Leuten aus erster Hand: von radioaktiven Messwerten über die Verantwortungslosigkeit der Regierung bis hin zu künftigen Gefahren. Im Mittelpunkt stehen die Wahrheit und Fakten, daher vielleicht seine Sachlichkeit. Und trotzdem merkt man ihm zwischendurch an, mit wie vielen Emotionen er an diesem Thema hängt. Am Mittwochabend referierte er in Donauwörth.

Herr Kobayashi, was berichten Sie den Menschen?

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Kobayashi: Ich will klar machen, dass die Menschheit seit dem Zweiten Weltkrieg Technik entwickelt hat, die sie nicht mehr unter Kontrolle hat. Dazu zählen nicht nur atomare Katastrophen, wie sie in Hiroshima oder Fukushima stattgefunden haben, sondern beispielsweise auch Ölbohrungen. Wenn etwas passiert, sind die Verantwortlichen handlungsunfähig. Langfristige Umweltschäden sind die Folge. Im Großen und Ganzen ist die Geschichte der Atomtechnik eine Geschichte des Verbrechens.

Was sagen Sie über Fukushima?

Kobayashi: Dass die wahren radioaktiven Werte hoch sind und nicht veröffentlicht werden. Die Menschen wollen dort weg, doch ihre Finanzen reichen nicht aus. Zwei Millionen Menschen, darunter 300000 Kinder, müssten Fukushima schnellstens verlassen. Dass nur eine Zone im Umkreis von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk evakuiert wurde, ist völliger Quatsch!

Sie reisen durch Europa, um den Menschen hier die Wahrheit über Fukushima und das Risiko der Atomtechnik zu berichten. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Kobayashi: Vor der Katastrophe im Jahr 2011 war ich als selbstständiger Unternehmensberater in Japan und Deutschland unterwegs. Ich war damit nicht glücklich und wollte mich zur Ruhe setzen, ein bescheidenes Leben führen. Die Katastrophe hat meinen Lebensplan um 180 Grad gedreht. Seither besteht meine Aufgabe darin, im Ausland zu berichten, was in Fukushima wirklich vorgeht und welche Gefahren die Atomtechnik birgt.

Wieso haben Sie sich für ihre Aufklärungsreisen Deutschland ausgesucht?

Kobayashi: Deutschland benötigt als fortschrittliches Land viel Energie. Wenn es den Atomausstieg schafft, ist das der Beweis dafür, dass auch hoher Bedarf ohne Atomkraft gedeckt werden kann. Dieses Land könnte eine Vorreiterrolle spielen ...

Wie wollen Sie die Menschen hier dazu bewegen, diesen Schritt in Richtung Atomausstieg zu gehen?

Kobayashi: Die Leute bekommen ihre Informationen durch die Medien. Doch meine Erfahrungen kommen direkt zu ihnen. Bei meinem Vortrag arbeite ich mit Fotos, die ich selbst gemacht habe. Das ist authentisch. Ich war in Fukushima, habe selbst Radioaktivität gemessen und mit Betroffenen geredet.

Womit möchten Sie sich speziell an die Leute im Ausland richten, die sich in Japan nicht auskennen?

Kobayashi: Was die Menschen oft nicht wissen: In Japan weiß jeder, auch die Regierung, dass das Land sehr erdbebengefährdet ist. Dort bebt es jeden Tag. Trotzdem geht die Regierung diese Gefahr der Atomtechnik ein, aus rein politischen Gründen. Dass die japanische Bevölkerung dagegen nicht protestiert, liegt an ihrer Mentalität.

Wie reagieren die Zuhörer auf die vielen neuen Informationen?

Kobayashi: Am Anfang sind viele irritiert. Doch dann sind alle interessiert. Ich erlebe oft lebhafte Diskussionen. Die Meisten finden es gut, dass sie Infos bekommen, die sonst nicht zugänglich sind.

Werden Sie weiterhin Vorträge halten?

Kobayashi: Das ist mein Ziel. Ich plane meine nächste Reise nach Osteuropa. Ich denke, ich leiste einen wichtigen Beitrag, doch bezahlen muss ich es trotzdem selbst. Ich hoffe, ich kann weitermachen.

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Ein Artikel von
Katrin Fischer

Donau Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten



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