Von Thomas Hilgendorf
Donauwörth Ohne Personenschutz war er gekommen. Der Bürgerrechtler reiste als ganz normaler Bürger nach Donauwörth. Joachim Gauck war erst im November zu Gast in der Großen Kreisstadt – als Referent der Kulturtage im Gallussaal von Heilig-Kreuz. Evelyn Leippert-Kutzner, die Leiterin der Donauwörther Stadtbibliothek, hatte den Auftritt des künftigen Bundespräsidenten damals mitorganisiert. Und sie hat Gauck dabei persönlich kennengelernt.
Wenn Leippert-Kutzner von Joachim Gauck spricht, dann gerät sie fast ins Schwärmen: „Dieser Mann hat einfach Ausstrahlung“, beschreibt die Bibilothekarin „die besondere Aura“ des Bürgerrechtlers und evangelischen Theologen. Gauck vermittle seinem Gegenüber im Gespräch nicht das Gefühl von Distanz, sondern von Nähe, so Leippert-Kutzner. Das hätten auch die Zuhörer im Gallussaal so empfunden, als er über seine Erfahrungen mit der Unfreiheit in der DDR las. Seine Biografie „Winter im Sommer, Frühling im Herbst“ habe das Auditorium bewegt, erinnert sich Leippert-Kutzner: Die Familiengeschichte, die Gefangenschaft des Vaters, der Weggang der Kinder in den Westen, das Ausharren, die schwierige Situation als regimekritischer Pfarrer in der DDR.
„Man konnte spüren, dass ihm diese Zeit naheging“, bescheibt die Bibliotheksleiterin den Bürgerrechtler, mit dem „ein Hauch der Geschichte“ durch den Saal ging. Indessen ist Leippert-Kutzner überzeugt, dass Gauck ein „guter Präsident“ werde. Sie kann das auch begründen: „Er ist unparteiisch und er ist authentisch – man nimmt es ihm auch ab. Er setzte sich stets für grundlegende Bürgerrechte ein.“
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