Sonntag, 25. Februar 2018

11. Februar 2018 10:45 Uhr

Donau-Ries

Gelage und Pöbeleien am Donauwörther Bahnhof

Die Beschwerden über Zustände in Donauwörth werden lauter. Gruppen schwarzafrikanischer Asylbewerber stehen dabei im Fokus. Betroffen ist oftmals der Stadtbus.

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Brennpunkt Bahnhof Donauwörth? Die Beschwerden werden lauter.

Die Stimmung am Donauwörther Bahnhof hat sich verändert: Es ist belebter geworden in den letzten Monaten, wenngleich das in diesem Falle nicht alle gleichermaßen freut. Einige schwarzafrikanische Asylbewerber aus der Erstaufnahme machen seit Beginn der kalten Jahreszeit mit Gelagen auf sich aufmerksam, teils auch mit Gelärme oder Anmachsprüchen gegenüber Frauen. Dabei handelt es sich nach Auskunft der Donauwörther Polizei jedoch nicht um absolute Ausnahmen, sondern um ein seit Längerem zu beobachtendes „Problem“ am Bahnhof.

Thomas Scheuerer kennt die angespannte Lage seit einigen Monaten. Zunehmend klagten auch die Busfahrer des Stadtbusses über jenes „ungebührliches Verhalten“ einiger Passanten und Fahrgäste. Dabei handle es sich hauptsächlich, so der Leiter der Polizeiinspektion Donauwörth, um schwarzafrikanische Asylbewerber aus der Alfred-Delp-Kaserne. Am Montag erreichte der schwelende Konflikt seinen bisherigen Höhepunkt, als die Beamten der PI vier Mal in Richtung Bahnhof ausrücken mussten. Trinkgelage, mitunter Pöbeleien, dem Vernehmen nach auch Drogengeschäfte – die Schwierigkeiten seien, sagt Scheuerer, jene, die im Sommer draußen, an der Promenade und am Donauhafen aufgetreten waren. Die oftmals Betrunkenen „führen sich auf“, schlügen zum Teil – wenn ein Busfahrer aufgrund des Verhaltens am Zustieg die Mitfahrt verweigert – mit den Händen an die Scheiben. Einige Fahrgäste verängstige das, berichtet Scheuerer. Es sei ihm auch bekannt, dass die Beförderungszahlen des Stadtbusses mittlerweile zurückgingen: „Die Bürger rufen bei diesen Vorfällen aber eher selten die Polizei – sie ziehen sich von den betreffenden Orten eher still zurück.“

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Polizei bekam Verstärkung aus Augsburg

Nach wiederholten Beschwerden über Gelage am Donauhafen, im Netto-Markt am Maximilium, in der Promenade sowie an den Zugängen zur Parkstadt, bekam die Donauwörther Polizei Verstärkung durch Kollegen aus Augsburg beziehungsweise Königsbrunn. Dieser unterstützende Einsatz ist mittlerweile aber abgeschlossen. „Ich könnte mein Personal jetzt nurmehr dafür verwenden, sich mit dieser Thematik zu befassen – ich muss das realistisch so sagen“, berichtet der PI-Leiter. Doch es gebe eben auch noch – mit einem zahlenmäßig begrenzten Stab an Kollegen – andere Einsatzorte in und rund um die Große Kreisstadt. Das Umfeld des Bahnhofs sieht Scheuerer momentan aber als das kritischste.

Ein Taxifahrer, der am Mittwochmorgen in seinem Wagen auf Fahrgäste wartet, bestätigt die geschilderte Situation. Seit gut vier Monaten gehe es an manchen Tagen rund, dann ab 11 Uhr am Vormittag und ab dem frühen Abend. Nicht konstant, nicht jeden Tag und auch nicht jeder mache mit – aber des öfteren geschehe es. Seine Beobachtungen entsprechen jenen der Polizei und der Busfahrer: Saufereien, manchmal würden Frauen angemacht, Lärm.

Ein Stadtbusfahrer möchte zunächst gar nichts sagen, dann nur unter dem Vorbehalt der Anonymität – zu groß ist seine Angst, berufliche Konsequenzen tragen zu müssen: Die Trinkereien, das Pöbeln – die Arbeit sei „nicht einfach geworden“, die Überlegung, die es dem Vernehmen nach gibt, am Abend kein weibliches Personal mehr auf bestimmten Linien einzusetzen, sei durchaus nachvollziehbar. Ein Kollege ergänzt: Es handle sich keineswegs um alle Fahrgäste aus Schwarzafrika, „es sind wirklich auch nette dabei“, doch jene „kleinen Grüppchen“ machten mitunter die Musik. Manchmal, so der Busfahrer, beteiligten sich auch hiesige Jugendliche an den Gelagen.

Für Christine Osterrieder vom gleichnamigen Donauwörther Busunternehmen ist die Situation inzwischen grenzwertig geworden, nachdem ein Bus erst vergangenen Woche getreten und ein Fahrer bedrängt worden sei. Sie sorge sich um die Fahrer wie um die Fahrgäste, vor allem zu bestimmten Stoßzeiten in oder aus Richtung Parkstadt. Vor allem am Bussteig Bahnhof werde „Party gemacht“, wenngleich die Situation in den Bussen nach ihrem Wissen meist ruhig bleibe. Die Unternehmerin wünscht sich zu ebendiesen „kritischen“ Zeiten mehr Sicherheit: „Ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes in den Bussen würde für ein besseres Sicherheitsgefühl bei den Fahrgästen und den Fahrern sorgen.“ Anna Lobkowicz vom Malteserwerk leitet die Betreuung der Asylbewerber in der Erstaufnahme. Sie weiß um die Schwierigkeiten. Lobkowicz erklärt, dass regelmäßig Sicherheitsgespräche zwischen der Stadt Donauwörth, der Polizei, der Regierung und uns Maltesern stattfinden.

Hierbei seien „Maßnahmen“ erheblich ausgebaut worden, die für die Bewohner eine geregelte Tagesstruktur schaffen sollen. Auch über die Regeln des Zusammenlebens hierzulande werde, für jeden verpflichtend, unterrichtet. Zudem begleiteten „hierfür besonders geeignete Bewohner aus Gambia seit einigen Wochen die Streifendienste, um bei Konflikten vermitteln zu können“ – „nach Angaben aller Beteiligten hat sich dieses Projekt bestens bewährt und könnte gegebenenfalls noch ausgebaut werden“, sagt Lobkowicz. Bei den in der Erstaufnahme Donauwörth untergebrachten Asylbewerbern aus Schwarzafrika handele es sich fast ausschließlich um Migranten aus Gambia, informiert sie weiter. Laut Asylgeschäftsstatistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtling (Bamf) lag die Gesamtschutzquote für dieses Herkunftsland im Jahr 2017 bei nicht einmal fünf Prozent. Lobkowicz erklärt dazu: „Aufgrund dieser geringen Bleibeperspektive gibt es natürlich viele Ablehnungen.“ Zwischen dem Moment der Ablehnung und dem Moment der möglichen Rückkehr in das Land der Erstregistrierung gehe viel Zeit verloren.

Die Asylbewerber könnten nicht mit dem Tag der Bekanntgabe zurückreisen, sondern müssten warten, bis das Land der Erstregistrierung wieder einen Platz zur Verfügung stellt. Das könne mehrere Monate in Anspruch nehmen – Monate, die mitunter frustrierend sein dürften. Dies will kaum jemand in der Kaserne als Entschuldigung für ungebührliches Verhalten gelten lassen, doch es sei ein öfter zu beobachtendes Phänomen, das zur Problemanalyse dazugehöre, wie Insider immer wieder betonen. Polizeichef Scheuerer indes benennt die Grenzen der Polizei vor Ort, sagt aber auch deutlich: „Wir kapitulieren nicht. Wir tun unser Bestes, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.“

Die Sicherheitswacht der Polizei als auch der städtische Ordnungsdienst liefen seit Herbst verstärkt Streife am Bahnhof – doch eine permanente Überwachung sei dort kaum realisierbar.

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Ein Artikel von
Thomas Hilgendorf

Lokalredaktion Donauwörth
Ressort: Kreispolitik, Stadt Donauwörth


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