Wie das Landratsamt Donau-Ries mitteilt, hatte eine Pflegemutter am Mittwoch gegen 16.30 Uhr festgestellt, dass das Kind nicht am vereinbarten Treffpunkt war. Die Pflegefamilie hat kurz darauf die zuständige Polizeiinspektion verständigt und das Mädchen als vermisst gemeldet.
Bekanntermaßen hatte das Landratsamt Donau-Ries sämtliche Kinder aus der Glaubensgemeinschaft in die Obhut von Pflegefamilien gebracht und den leiblichen Eltern das Sorgerecht entzogen. Hintergrund waren Ermittlungsergebnisse, dass die Kinder bei den Eltern gezüchtigt und geschlagen werden.
Das Kind flüchtete zu den leiblichen Eltern
Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme"
Die "Zwölf Stämme" (The Twelve Tribes) sind eine urchristliche Glaubensgemeinschaft, die in den 70er Jahren in den USA gegründet wurde.
Die Anhänger der "Zwölf Stämme" leben streng nach der Bibel, die sie wortwörtlich auslegen. Sie sind fest davon überzeugt, dass ihr Glaube der einzig Richtige ist.
"Grundlage unseres Lebens ist der Gehorsam zu den Worten Jahschuas , des Messias, so wie sie in der Bibel, dem Wort Gottes, niedergeschrieben sind", schreiben die "Zwölf Stämme" über sich selbst.
Die Zwölf Stämme haben weltweit etwa 2000 Mitglieder, davon etwa 100 in Deutschland.
Mitglieder der Zwölf Stämme leben und arbeiten in streng hierarchisch aufgebauten Kommunen zusammen.
Eine dieser Kommunen wohnt seit 2000 im Gut Klosterzimmern im Kreis Donau-Ries.
Die Mitglieder der „Zwölf Stämme“ weigern sich, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Die Gemeinschaft begründet dies mit ihrer Religion, macht „Gewissensgründe“ geltend. Ein Grund ist der Sexualkundeunterricht.
"Unsere Religion hat sich nicht in den Staat einzumischen und umgekehrt sollte sich der Staat nicht in unsere Religion einmischen", ist eine weitere Aussage der "Zwölf Stämme" .
Ab 2006 unterrichteten die Zwölf Stämme in Klosterzimmern ihre Kinder in einer Privatschule.
Wegen des Verdachts, sie würden ihre Kinder züchtigen, haben die "Zwölf Stämme" immer wieder Ärger mit Polizei und Justiz. Die Mitglieder bestreiten die Vorwürfe.
Als 2013 ein Video auftaucht, auf dem festgehalten ist, wie Mitglieder ihre Kinder mit Ruten schlagen, holen Polizisten alle 40 Kinder der Sekte ab und bringen sie in Pflegefamilien unter.
Im September 2015 kündigen die "Zwölf Stämme" an Deutschland zu verlassen und nach Tschechien zu ziehen. Die Sekte hofft, dort ihren Glauben frei ausleben zu können.
Am Donnerstag gegen 8 Uhr ging beim Jugendamt die Meldung der PI Nördlingen ein, dass sich das Kind bei Mutter und Vater in Klosterzimmern auf dem Gutshof der Sekte aufhält. Anscheinend hatte sich das Mädchen bei den leiblichen Eltern gemeldet, woraufhin diese ihre Tochter in der Nacht noch abgeholt hatten. Das Kind blieb die restliche Nacht bei den Eltern.
Doch nachdem das Sorgerecht nicht bei ihnen liegt, nahmen die Eltern Kontakt mit den zuständigen Behörden auf. Das Kind wurde zu den Pflegeeltern gebracht. (dz)