Mertingen „Eine Zither ist ein Holzkorpus, über den Saiten gespannt sind“, erklärte Willi Huber in seinem Programm „Streifzüge“ der großen Zuhörerschar in der Aula der Antonius-von-Steichele-Schule. Der Kulturkreis Mertingen hatte den Zitherspieler auf Vorschlag von Claudia Kleinle, der Leiterin des Mertinger Zither-Ensembles „Saitenkratzer“, eingeladen und damit einen Erfolg gelandet.
Auch wenn sich „Holzkorpus mit Saiten darüber“ nicht gerade raffiniert anhört, so bewies Willi Huber doch innerhalb kürzester Zeit auch jenen, die es nicht sowieso schon wussten, wie facettenreich, wie zart, wie edel die Zither und ihre Musik aussehen und klingen können. Neben dem vertrauteren Einsatz als Instrument der Volksmusik, präsentierte Willi Huber von ihm selbst geschriebene Bearbeitungen bekannter Werke aus dem Bereich der klassischen Musik auf der Zither.
Die Reduzierung eines Orchesterstückes auf ein Instrument sei natürlich „immer eine Verkleinerung“, beschrieb Willi Huber den Vorgang und verglich ihn mit der Verkleinerung des tatsächlichen Schienenverkehrs auf eine Märklin-Eisenbahn. Ebenso anmutig und faszinierend und zierlich wie diese Spielzeugwelten klang auch das musikalische Ergebnis in „Solvejgs Lied“ von Edvard Grieg oder dem „Lied an den Abendstern“ von Richard Wagner. Dass manche Menschen diese Wagner-Bearbeitung als geschmacklos betrachten würden, berichtete Willi Huber fröhlich und bezeichnete sie augenzwinkernd als „die Rache des bayerischen Steuerzahlers an Bayreuth“.
Musikalisches und wissenschaftliches Interesse
Diese humorvolle Distanz zum eigenen Schaffen machte das – neben dem rein musikalischen – eher schon wissenschaftlich zu nennenden Interesse des Musikers und Arrangeurs an der Zither und ihren Möglichkeiten deutlich, das sich auch in mehrfach eingestreuten Erklärungen zum Instrument und seiner Musik äußerte.
Anhand verschiedener Zithern aus unterschiedlichen Epochen beschrieb Willi Huber sehr anschaulich die Geschichte des Zitherbaus. Ein ganz besonderes Kuriosum stellte dabei das klappbare Originalinstrument des 1960 verstorbenen Volksliedsammlers und Musikers Kiem Pauli dar.
Nach Eigenkompositionen und Zithermusik-Klassikern, darunter dem berühmten „Harry Lime Theme“ aus dem Film „Der dritte Mann“, setzte Huber mit Stücken des französischen Komponisten Marc Delmas oder des Brasilianers Heitor Villa-Lobos internationale Akzente und lieferte wunderschöne weitere Beispiele für die große Bandbreite an möglichen musikalischen Stilistiken auf der Zither.
Es folgten Erläuterungen zur japanischen Musik und dem der Zither verwandten Instrument Koto. Hierbei schien der Musiker, der auch in Japan auftritt, ganz besonders in seinem Element zu sein. Zauberhafte musikalische Exempel aus dem Land des Kirschblütenfestes erschlossen eine andere Dimension der Zithermusik.
Seine Meisterschaft als Instrumentalist und Arrangeur bewies Willi Huber zum Abschluss dieses sehr kurzweiligen und musikalisch vergnüglichen Abends mit dem „Götterfunken – globalisiert“, worin er Beethovens berühmtes Motiv aus der Neunten Sinfonie virtuos-musikalisch in unterschiedlichste Epochen und Kulturkreise verlegte.