Marxheim-Gansheim Ein Juwel schlummert inmitten Gansheims: Der ehemalige Pfarrhof wartet auf seinen Prinzen, der ihn nach vielen Jahren im Tiefschlag wach küsst. Für einen Laien ist es auf den ersten Blick nicht unbedingt gleich ersichtlich, um welches Schmuckkästchen es sich handelt. Doch wer sich auskennt, sieht sofort, dass das Gebäude das Potenzial hat, zu einem stattlichen Herrenhaus zu werden. Von Gloria Brems



"Das waren noch Handwerker, die dieses Haus damals gebaut haben", schwärmt Marxheims Bürgermeister und Maurermeister Alois Schiegg. Schließlich steht der Pfarrhof schon seit fast 400 Jahren an dieser Stelle, hat Dutzende Menschen beherbergt, Kriege überstanden und die Jahrhunderte kommen und gehen sehen.
Seit 30 Jahren unbewohnt
Doch seit fast 30 Jahren fristet er ein trauriges Dasein. Seitdem der letzte Pfarrer ausgezogen ist und auch der Zwischenmieter die Koffer gepackt hat, ist das Gebäude unbewohnt. Es bildet einen seltsamen Kontrast zu dem neu erbauten Dorfplatz und der in frischem Glanz erstrahlenden Kirche nebenan. Einem, dem die Sanierung und damit die Rettung dieses historischen Schmuckstücks sehr am Herzen liegt, ist Rupert Heckel. Als Pfarrgemeinderatsmitglied und Kirchenführer ist ihm der traurige Anblick des Pfarrhofes ein Dorn im Auge. Dabei könnte alles so schön sein: "Mit einem guten Buch und einem Glas Wein am Kachelofen sitzen, während der Schein des Feuers die Stuckdecke in ein angenehmes Licht taucht - was gibt es Schöneres?" Im Gegensatz zu vielen Neubauten habe das Haus eine Seele: "Die spürt man gleich, wenn man das Gebäude betritt."
150 Quadratmeter
Aber auch sonst hat das gut 150 Quadratmeter große Haus durchaus Charm. Drei verschiedene Fenstertypen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert spiegeln die Handwerkskunst der Epochen wieder, Stuckdecken zeigen die Wertschätzung für die Bewohner dieses Hauses und der Dachstuhl zeugt von der soliden Handwerkskunst seiner Erbauer.
Schon einige Interessenten haben Schiegg und Heckel durch das Gebäude geführt. Und so mancher habe sich auf Anhieb in den Pfarrhof verliebt, wie sie sagen. Doch die gerade in diesem Jahr unsichere Zuschusszusage vom Amt für Denkmalpflege habe die Interessenten innehalten lassen. Schließlich ist die Dreiviertel Million, die man in die Sanierung stecken müsste, kein Pappenstiel. In diesen Fällen konnten auch steuerliche Vergünstigungen nicht locken.
Die Besucher empfängt eine alte, schwere Eichentüre aus dem 19. Jahrhundert. Im Eingangsbereich sind Solnhofer Platten verlegt, die die Gäste in die Zimmer und zur Treppe hinauf in den ersten Stock begleiten. Oben befand sich früher einmal ein für die damalige Zeit schon fast herrschaftliches Prälatenzimmer. Alles in bestem Zustand, wie ein Ingenieurbüro herausfand.
Gerade diese gut erhaltene Originalität macht den Gansheimer Pfarrhof auch für das Landesamt für Denkmalpflege zu etwas ganz besonderem. Im Landkreis Donau-Ries gibt es wohl wenig Vergleichbares. "Wir haben hier viele alte Pfarrhöfe, aber dieser hier gehört zu unseren wertvollsten", sagt Annette Mouraros von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Donau-Ries. Schade also, wenn dieses Juwel verkommen würde, findet Bürgermeister Schiegg. Er hofft auf einen Liebhaber, der ganz in Prinzenmanier nach Gansheim geritten kommt, um den alten Pfarrhof zu retten und ihm wieder Leben einzuhauchen.
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