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Bildung: Seehofer fordert Klartext in der Schule

Bildung

Seehofer fordert Klartext in der Schule

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    Zwischen Landkreis-Vorstellung und Rektorenkonferenz noch ein Abstecher ins Klassenzimmer: Horst Seehofer versuchte, mit den Kleinen ins Gespräch zu kommen. Hierbei gab es weniger Gegenwind als bei den Schulleitern.
    Zwischen Landkreis-Vorstellung und Rektorenkonferenz noch ein Abstecher ins Klassenzimmer: Horst Seehofer versuchte, mit den Kleinen ins Gespräch zu kommen. Hierbei gab es weniger Gegenwind als bei den Schulleitern. Foto: Thomas Hilgendorf

    Harburg Es stand viel auf dem Programm des Ministerpräsidenten. Vor allem die guten Nachrichten aus der derzeitigen CSU-„Problemzone“ Nordschwaben wollte sich Horst Seehofer vorgestern nicht entgehen lassen. Und so genoss er am Nachmittag sichtlich die Einweihung der vormals größten schwäbischen Baustelle, des Systemhauses beim Hubschrauberhersteller und regionalen Hauptarbeitgeber Eurocopter. Da schien der eigentlich erste Termin an diesem Tag – der bildungspolitische Besuch an der Grund- und Mittelschule Harburg – regelrecht an den Rand gedrängt. Doch dieser war ebenfalls nicht ohne, denn aus den Reihen der hiesigen Schulrektoren, an deren Konferenz Seehofer teilnahm, kam mitunter sehr deutliche Kritik an der Schulpolitik der Staatsregierung.

    Zunächst jedoch machte alles einen recht lockeren, beinahe wohligen Eindruck in Harburg. Es war ein Bild, wie es bayerische Parteistrategen lieben: der Himmel hell in den Landesfarben, der Maibaum auf dem Schulhof reich verziert, ein Ministerpräsident, der galant und mit flotten Sprüchen aus der Staatskarosse aussteigt. Er hätte ja auch mit dem Hubschrauber kommen können, scherzt Seehofer. Der würde ihm ja rein rechtlich auch zustehen. Unzweifelhaft eine Spitze gegen Schmid und andere Parteifreunde. Doch diese Gehälter-Diskussion wurde gar nicht erst vertieft, der Zeitplan war knapp bemessen.

    Spitze gegen Schmid bei der Ankunft

    Drinnen in der Aula ging es erfreulich weiter für Seehofer: Die Schüler begrüßten ihn singend mit einem „Servus, Griaß di“. Landrat Stefan Rößle lieferte bei der Vorstellung des aktuell im medialen Fokus stehenden Landkreises ebenfalls nur für den Wahlkampf Taugliches: Zwei Prozent Arbeitslosigkeit, mehr Ein- als Auspendler, starker Mittelstand, gesunde Industrie. Bei so viel Musik in den Ohren geriet die besorgniserregende Überalterung der Region schon fast zur Nichtigkeit.

    Seehofer indes sprach, nicht zum ersten Mal, von den „paradiesischen Zuständen“ Nordschwabens – vielleicht auch angesichts der aktuellen Diskussionen in und um seine Partei betonte er das mit Blick auf die massive Jugendarbeitslosigkeit in den europäischen Partnerländern. Bayern sei ja immer noch vorn, gerade in Sachen Jugend und Bildung. So tat es den Versammelten wohl, aus dem Mund von Schulrektor Hans Trüdinger zu hören, dass man in Harburg keine Probleme habe: „Hier bekommt eigentlich jeder unserer Schüler eine Lehrstelle.“

    Bei der anschließenden Rektorenkonferenz ermunterte Seehofer die Schulleiter dann „Klartext“ zu reden und auch von den Problemen des schulischen Alltags zu berichten. Aus den Reihen der Pädagogen kam teils sehr deutliche Kritik am bayerischen Bildungssystem. Es werde zu stark und zu früh selektiert, lautete ein Einwand. Und: Die Eltern, so berichtete ein Lehrer, übten mittlerweile zu starken Druck auf die Kinder aus. Trotzdem beschwor der Ministerpräsident den „Wettbewerb“, besonders den mit den anderen Bundesländern.

    Die Schulen und Elternhäuser gerieten heutzutage zu Paukanstalten, beklagte hingegen ein Rektor. Individuelle und talentbezogene Förderung gerieten an den Grund- und Mittelschulen zunehmend ins Abseits. Die besorgte Frage, die auch der Ministerpräsident nicht konkret beantworten konnte, lautete indes: Was geschieht mit den schwächeren Schülern, die heutzutage nicht mehr mithalten können im Bildungswettlauf? Seehofer konstatierte zwar „wir müssen jedes Kind mitnehmen“, doch ein echtes Programm dazu präsentierte er nicht. Eine weitere Sorge der Schulleiter war die bedrohte Existenz kleinerer Schulen. Zwar lobte man die Bemühungen, die Schulen zu erhalten – doch fehlende Wiederbesetzungen leitender Positionen ließen zuletzt Zweifel aufkommen.

    Der Ministerpräsident versuchte, die Lehrer zu beruhigen: „Wir wissen, dass Orte, an denen keine Schulen mehr sind, es auf Dauer schwer haben. Erst sind die Schulen weg, dann die Menschen.“ Seehofer notierte die Sorgen der Lehrerschaft fleißig – bevor er sich auf den Weg machte. Eurocopter. Einer der angenehmeren Termine dieser Tage. "Kommentar Seite 29

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