Mertingen Können zwei von Streit und Zwietracht singen und doch harmonisch klingen? Kann ein Sänger gleichzeitig Gänsehaut und Kichern auslösen? Das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper kann das und noch mehr, bewiesen Tim Kuypers (Bariton), Silvia Hauer (Mezzosopran), Dean Power (Tenor), Golda Schultz (Sopran), Tareq Nazmi (Bass) und Iulia Maria Dan (Sopran) in Mertingens Schulaula.
Vielversprechende Vokalisten aus München nach Mertingen zu holen und sie Arien und Ensembles voller Schwung und Seele vortragen zu lassen – davon hatte die örtliche Kulturreferentin Ulrike Hampp-Weigand geträumt. Sie hat sich – und Opernfans aus der Region – den Traum erfüllt: sechs ebenso stimmgewaltige wie schauspielerisch begabte junge Sänger und die nicht minder brillante Pianistin Serena Stella kamen. Sie boten dem Publikum Perlen der Opernwelt in Italienisch, Deutsch und Französisch, unter anderem aus Mozarts „Le Nozze di Figaro“, Bizets „Carmen“, Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ und Donizettis „Don Pasquale“.
Schauspielkunst und große Stimmen
Dass sogar die Kinder im Publikum von Anfang an gefesselt waren, ist Tareq Nazmi zu verdanken, der mit Mozarts „La Vendetta“ einen furiosen Auftakt hinlegte. Der Gesang schmeichelte sich in die Herzen – das lebhafte Mienenspiel reizte gleichzeitig Klein und Groß zum Lachen. Ohne Zweifel, Tareq Nazmi ist nicht nur ein Gesangs-, sondern auch ein komisches Talent.
Das bewies später auch sein Falstaff aus „Die lustigen Weiber von Windsor“: Als dieser versuchte Nazmi, gleich zwei schöne Damen, Silvia Hauer und Golda Schultz, zu verführen. Sie freilich führten Falstaff an der Nase herum. Und bewiesen wie nebenbei, dass in vielen Opern die Frauen nur scheinbar zerbrechlich daherkommen – hinter der holden Fassade verbergen sich starke, listige Charaktere.
Wie Silvia Hauer und Iulia Maria Dan sich in „Le nozze di Figaro“ anzickten – zauberhaft. Und als Carmen bezauberte Silvia Hauer mit solch klarem Gesang, solch mädchenhafter Anmut, dass das Publikum sich freute, dass hier nicht die ganze Oper zu sehen war. In Mertingen gab es für „Carmen“ statt eines tragischen ein glückliches Ende mit viel Applaus.
Mal kapriziös, mal hochsensibel zeichnete Iulia Maria Dan ihre Charaktere. Golda Schultz’ Stimme und Bühnenpräsenz entfalteten ihren ganz eigenen Zauber – ob sie nun allein (zum Beispiel Mozarts „Dove sono“) oder im Duett brillierte (besonders schön: „Parlemoi de ma mère“ von Bizet mit Dean Power).
Dean Power wiederum hatte mit „Ach, wie so fromm“ aus von Flotows „Martha“ seinen Gänsehaut-Auftritt. Von Bariton Tim Kuypers ging vor allem „Mein Sehnen, mein Wähnen“ aus Korngolds „Die tote Stadt“ unter die Haut. Der Abend insgesamt schlug einen Bogen von Lustigem zu Dramatik und wieder zurück. Pianistin Serena Stella begleitete jede Arie, jedes Ensemble scheinbar mit Leichtigkeit und wurde von Ulrike Hampp-Weigand dafür als die Frau gefeiert, die „heute Abend wohl am härtesten gearbeitet hat“.
Hampp-Weigand selbst war bis zuletzt auch schwer beschäftigt gewesen. „Noch vor zehn Tagen waren erst 30 Karten vorbestellt“, verriet die Organisatorin. Unermüdlich warb sie um die Gunst der Kulturfreunde in der Region, und die schwärmten unter Freunden ebenfalls von diesem besonderen Konzertabend, der da zu erwarten sei. Am Ende war jeder Platz in der Schulaula besetzt, Menschen zwischen acht und 80 Jahren hörten und sahen zu und nicht wenige erlebten ihren allerersten Opernabend.
Wer jetzt Lust auf mehr hat, darf gespannt sein: Auf welchen internationalen Bühnen diese Talente wohl noch singen und spielen werden, wenn ihre Ausbildung im Münchner Opernstudio zu Ende geht? Und ob einer dieser Künstler erneut nach Mertingen kommt? Denn Ulrike Hampp-Weigand deutete an, dass Kulturkreis Mertingen und Opernstudio für 2013 wieder einen ganz besonderen Opernabend vorbereiten ...