Masayuki Kawase konzentrierte sich zeit seines Lebens auf ein einziges Sujet: Er malte und zeichnete ausschließlich Frauen. Seine Arbeiten selbst sind durch die Synthese von Elementen japanischer und europäischer Malerei geprägt. Noch bis Mitte September zeigt die Werkstatt-Galerie Schiele in Aichach die Arbeiten des im September überraschend gestorbenen Künstlers. Von Gerlinde Drexler

Aichach Masayuki Kawase konzentrierte sich zeit seines Lebens auf ein einziges Sujet: Er malte und zeichnete ausschließlich Frauen. Seine Arbeiten selbst sind durch die Synthese von Elementen japanischer und europäischer Malerei geprägt. Noch bis Mitte September zeigt die Werkstatt-Galerie Schiele in Aichach die Arbeiten des im September überraschend gestorbenen Künstlers.
Im Wittelsbacher Land ist der in Japan geborene Künstler kein Unbekannter. Er hat bereits einige Male bei Ulrike Schiele ausgestellt und war auch in Friedberg mehrmals zu Gast, wo er auch Kurse gab.
Immer das gleiche Modell
Frauen stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Kawase. Genauer gesagt eine Frau, denn es ist immer wieder das gleiche Modell, das er in verschiedenen Positionen gemalt hat. Diese Konzentration auf ein einziges Sujet, die konsequente Verfolgung eines Stils und einer Malweise, sei ein typisch japanisches Merkmal, sagte Bernhard Schaffer, ein enger Freund des Künstlers, bei der Eröffnung der Ausstellung.
In Japan gebe es sogenannte lebende Staatsschätze. Ein Titel, den Künstler und Kunsthandwerker, die ihr Leben lang einen Gegenstand oder ein Thema vervollkommnen, bis sie im hohen Alter eine von allen bewunderte Perfektion erreichen, erhalten. Masayuki Kawase, der mit 61 Jahren starb, hatte für diesen Titel noch nicht das richtige Alter erreicht. "Beim Anblick seiner Zeichnungen glaube ich, dass er diesen Titel verdient hätte", sagte Schaffer.
Er entdeckte in den Arbeiten des Künstlers gewisse Anklänge an die japanische Zenmalerei. Die sparsamen und reduzierten Tuschebilder würden durch Weglassen und Auslassungen wirken. Bemerkenswert fand Schaffer die subtile Ausarbeitung mancher Details der Figuren, wie zum Beispiel der Zehen. "Kawase geht mit Formen und Materialien viel freier um als die meisten seiner japanischen Kollegen", sagte Schaffer, der darin den europäischen Einfluss auf die Malweise des Künstlers erkannte. Genau wie die Beschäftigung mit dem nackten Körper. Im Gegensatz zur japanischen Malerei habe dies in der europäischen Malerei eine lange Tradition, sagte Schaffer.
Gerade die Synthese aus japanischen und europäischen Traditionen ist es, was die Arbeiten von Masayuki Kawase so interessant macht. Seine Bilder strahlen eine innere Ruhe aus. Obwohl seine Modelle auf allen ausgestellten Bildern nur leicht bekleidet oder völlig nackt sind, wirken die Figuren zwar erotisch, nie jedoch frivol oder vulgär.
Masayuki Kawase studierte an der Gedai, der berühmtesten Kunstuniversität Japans, ging dann nach Europa, um auch die alten Meister im Original kennenzulernen. Er ging als Meisterschüler an die Akademie nach München und erhielt dort sein Meisterdiplom. Nach seiner Rückkehr nach Japan wurde er zum Professor an der Kyoto University of Arts ernannt, einer der renommiertesten Kunsthochschulen in Japan. "Aber das Leben in Japan behagte ihm nicht mehr so recht, nachdem er das schöne, freie Leben in München und die Berge kennengelernt hatte", so Schaffer. Kawase kehrte als freischaffender Künstler nach München zurück, wo er am 1. September vergangenen Jahres überraschend starb.
Ausstellung Die Werke sind noch bis Mitte September in der Werkstatt-Galerie Schiele in der Bauerntanzgasse 3 in Aichach zu sehen. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 12.30 und 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 12.30 Uhr.
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