Silvesterraketen auf Feldern und Wiesen, leere Bierflaschen neben dem Kinderspielplatz und ein Einkaufswagen im Schlosstümpel – wird Friedberg zur öffentlichen Müllhalde?
Als die Aktion „Saubere Landschaft“ 2003 zum ersten Mal stattfand, hatten die Teilnehmer eine große Menge Müll einzusammeln. Über die Jahre wurde der Müll dank dieser Aktion immer weniger. „Dieses Jahr scheint es aber wieder mehr zu sein“, sagt Renate Mayer. Sie ist Schriftführerin beim Veranstalter Verkehrsverein Friedberg und Leiterin des Projekts. Zum ersten Mal bekam sie dieses Jahr einige Anrufe von Bürgern mit Hinweisen, wo die Freiwilligen Unrat beseitigen sollten. In den vergangen Jahren ist dies noch nie der Fall gewesen.
Fast-Food-Verpackungen, Zigarettenschachteln, zerbrochene Bierflaschen und eine Verpackung eines Schwangerschaftstest. Solchen Müll findet man in der ganzen Stadt, vor allem in der Nähe des Bahnhofs und am Rastplatz zwischen Schloss und B300. Dabei kann der Eindruck entstehen, die Stadt komme ihrer Aufgabe nicht nach, den Müll zu beseitigen.
Frank Büschel, Abteilungsleiter des Kommunalreferats Öffentlichkeit, Kultur, Schulen, sagt dazu: „Im Rahmen der personellen Möglichkeiten versucht der Bauhof, der für die Sauberhaltung der öffentlichen Flächen zuständig ist, das Niveau zu halten.“ Die personellen Ressourcen würden aber nicht mehr, sondern immer weniger. Deswegen müsse man Prioritäten setzen und könne nicht überall in der Stadt tätig sein. Einige Stellen würden deswegen vernachlässigt. „Wir könnten noch mehr Leute gebrauchen. Trotzdem finde ich unsere Stadt immer noch relativ sauber, auch im Vergleich zu anderen Städten“, meint Büschel.
Ein Mann, der sich bei unserer Redaktion beschwerte, ist Josef Müller. Er sagt über Abfall von Silvesterraketen auf örtlichen Feldern: „Wer feiern kann, der kann doch auch seinen Unrat beseitigen! Oder ist inzwischen die allgemeine Ansicht vorherrschend, die Stadt oder die anderen werden’s schon wegräumen. Der arme Landwirt.“ Für den Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Aichach-Friedberg, Wolfgang Gutmann, sei die Verkotung der Felder und Wiesen durch Hunde aber viel schlimmer. Wenn eine große Menge an Kot in das Futter von Tieren und damit womöglich auch in die Nahrungskette gelänge, könne dies zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Diese Verschmutzung ärgere die Bauern massiv.
Wohl auch um solche langfristigen Folgen zu vermeiden, wurde die Idee zu „Saubere Landschaft“ von Stadtrat und Verkehrsverein geboren. Renate Mayer erklärt: „Wenn der Winter vorbei und der Schnee geschmolzen ist, gibt die Natur den ganzen Müll preis. Deswegen gehen wir raus und räumen auf.“ Am Freitag, 8. April, sind Kindergärten und Schulen zum Helfen aufgerufen, am darauffolgenden Samstag, 9. April, die Vereine. Bis jetzt haben sich bereits über 1000 Schüler und Kindergartenkinder sowie circa 400 Vereinsmitglieder für die Aktion angemeldet, die dieses Jahr zum neunten Mal organisiert wird. Eine Friedberger Tauchschule zum Beispiel geht mit 30 Personen in den Baggersee und räumt dort auf. Eigentlich wäre laut Renate Mayer auch das die Aufgabe des Bauhofs, aber der besäße nicht die benötigte Tauchausrüstung. Als Belohnung für ihre Arbeit bekommen alle Beteiligten eine kostenlose Brotzeit.
„Die Stadt freut sich über so viel Privatinitiative“, sagt Frank Büschelund appelliert auch an die gesellschaftliche Moral der Bürger, was das Wegwerfen von Müll auf öffentlichen Flächen betrifft. Denn irgendwoher muss der Müll ja kommen.