Mein Wunsch stricken zu lernen, kommt nicht von ungefähr: Schon im Winter beäugte ich neidisch meine Freundinnen, die mit selbstgestrickten Stirnbändern und Oversized-Schals in die Schule kamen. Eine von ihnen trieb es dabei immer auf die Spitze: Sie „stricklieselte“ sich selbst wunderschönen Schmuck wie Ketten, Armbänder oder Ringe.
Eigentlich hat mich Stricken seit meiner Kindheit, die geprägt war von grauenhaft bunten und kratzigen Wollpullovern, traumatisiert. Nachdem aber Bilder von Eva Longoria aufgetaucht waren, die am Set von „Desperate Housewives“ strickend gesichtet wurde, musste ich feststellen, dass die allgemeine Woll-Lust wohl gerade eine Renaissance erlebt.
Völlig euphorisch kaufte ich mir also Nadeln und wunderschöne blaue Wolle. Jetzt ist es also an der Zeit die Schlaufen anzuschlagen, die ich später abstricken soll. Nach ein paar ungelenken Klappereien, die mir höchste Konzentration abverlangen, habe ich eine erste Reihe zustande gebracht. Ich bin begeistert, berauscht von meinem Talent. Hochmut kommt vor dem Fall, und so sehe ich schon bei der nächsten Reihe die erste Masche hängen. Die kleine Schlaufe nähert sich bedrohlich ihren bereits abgestricken Schlaufenfreunden. Ich bin schon drauf und dran, mein Kunstwerk, auf das ich eben noch so stolz war, an die Wand zu pfeffern, als meine Oma kommt und mich von solch einer Wahnsinnstat abhalten kann.
Wer sich selbst mal an dem Trend versuchen will, dem bieten Bücher, Strickmagazine (wie zum Beispiel das junge Lifestyle-Magazin Cut) oder Handarbeitskurse die nötigen Grundlagen. Es gibt im Internet sogar eine Art Facebook für diejenigen, die schon süchtig nach der Stricknadel sind. Unter www.ravelry.com können sie sich über die neusten Trends der Strickszene austauschen.