Viele verschlossene Türen und ein langer, grauer Gang - etwa 600 Häftlinge warten hier in der Justizvollzugsanstalt Aichach auf ihre Entlassung. Einige von ihnen nutzten daher gerne die Aktionswoche in der Jugendabteilung zur Abwechslung. Von Nina Probst
Aichach-Friedberg Viele verschlossene Türen und ein langer, grauer Gang - etwa 600 Häftlinge warten hier in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach auf ihre Entlassung. Einige von ihnen nutzten daher gerne die Aktionswoche in der Jugendabteilung zur Abwechslung.
"Eine Verbindung aus Sport und Pädagogik ist sehr sinnvoll"
Unter der Leitung der Sportpädagogik der Uni Augsburg, der Bayerischen Sportjugend Oberbayern (BSJ) und einer Kunsttherapeutin haben 30 Mädchen und Frauen im Alter von 16 bis 23 Jahren an dem einwöchigen Kunst- und Sportprogramm teilgenommen. "Zum 13. Mal haben wir diese Aktionswoche gemacht", erzählt der Leiter der Jugendabteilung, Johannes Link. Stephan Wallisch, angestellter Sportpädagoge der Uni Augsburg, sagt: "Eine Verbindung aus Sport und Pädagogik ist sehr sinnvoll." Die Uni hatte das Material für den sportlichen Teil der Aktionswoche zur Verfügung gestellt. Die Woche sollte Alternativen für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ohne Drogen und Gewalt zeigen. "Die Mädchen sollen teamfähiger werden und vor allem selbstbewusster", sagt Link.
Marlis Hohoff von der BSJ erklärt: "Es gab insgesamt vier Gruppen, zwei jeweils beim sportlichen und zwei beim künstlerischen Programm. Vormittags und nachmittags wurde gewechselt." Die Bayerische Sportjugend Oberbayern hat das Projekt bezuschusst.
Kunsttherapeutin Nicole Schober erzählt: "Wir zeigen den Insassinnen Möglichkeiten, wie man sich anders verhalten könnte." Sie leitete die ganze Woche über den Kunstteil des Projekts. Zu Beginn las sie immer einen Teil einer Geschichte vor, der dann als Idee zur Verarbeitung des jeweiligen Materials dienen sollte. So entstand zum Beispiel aus einem Auszug aus der "unendlichen Geschichte" ein bunter Glücksdrache aus Perlen und Draht.
Im Sport stand der Teamgedanke an erster Stelle. Es gab eine Ball-WM, bei der Baseball und Volleyball zu den beliebtesten Disziplinen gehörten. Diplompädagogin Stefanie Hofbeck erzählt: "Oft machen wir Kooperationsübungen, die nur bei einem Miteinander zum Ziel führen. Da strengt sich jeder an." Außerdem wurde jeder Gruppe im Rahmen der Fußball-WM ein afrikanisches Land zugeteilt, für das die Mädchen anschließend eine Hymne dichteten und einen Pokal bastelten.
Ganz reibungslos läuft eine solche Aktion natürlich nie ab. "Ab und zu geraten zwei aneinander. Bei den täglichen Abschlussgesprächen haben sie dann aber die Möglichkeit, sich auszusprechen", sagt Stephan Wallisch. Bisher kam das Projekt aber immer gut an. "Unmittelbar danach ist ein besserer Umgang bei den Mädchen untereinander zu sehen", weiß Link. Zu Beginn der Aktionswoche sei noch eine gewisse Unsicherheit bei den Teilnehmerinnen zu spüren gewesen, die aber bis Freitag viel besser wurde, erzählt Stefanie Hofbeck.
Gemeinschaftliches Mittagessen und Frühstück mit Nutella
"Ein weiterer Anreiz für die 30 Mädchen war das gemeinschaftliche Mittagessen und Frühstück mit Nutella", so Link. Genauso wie gedeckte Tische gehört so etwas normalerweise nicht zum Gefängnisalltag. Im Oktober folgt die zweite Einheit des Projekts. Zwar kürzer, aber für alle Beteiligten ein schöner Abschluss. "An zwei Tagen wird noch einmal das aufgegriffen, was am meisten Spaß gemacht hat", erklärt Stephan Wallisch. Die Sportpädagogen sind sich sicher: Baseball wird auf jeden Fall dabei sein.
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