Gleich am ersten Tag hat ein Gemeinderat Hausverbot in der neuen Meringer Aldi-Filiale erhalten. Der Landwirt hatte mit mehreren Kollegen für höhere Milchpreise protestiert. Gemeinsam wollten sie alle Milchprodukte kaufen.

Der Discounter Aldi hat im Gewerbegebiet bei St. Afra in der Holzgartenstraße gestern seine zweite Filiale in Mering eröffnet. Die Kunden stürmten regelrecht den Laden mit seiner Verkaufsfläche von 1050 Quadratmetern.
Auch Bürgermeister Hans-Dieter Kandler und zahlreiche Gemeinderäte waren gekommen, um Filialleiter Alexander Nissen viel Erfolg zu wünschen. Eröffnungsangebote, die Wochenangebote und dazu 650 verschiedene reguläre Artikel liegen in den Regalen, darunter Frischmilch, Joghurt und andere Milchprodukte. Gerade diese sorgten gleich am ersten Tag für einigen Ärger.
Am frühen Vormittag waren unter den Kunden einige Landwirte aus Mering und Umgebung, die versuchten, sämtliche Milchprodukte aufzukaufen. Der Konflikt über die Milchpreise, die die Erzeuger von den Großmolkereien erhalten, hat damit Mering erreicht. Die hiesigen Milchbauern beteiligen sich am Lieferboykott. Da im Handel die Kühlregale aber noch gut gefüllt sind, wollten sie ein Zeichen setzen und den Laden leer bekommen.
Jeder von ihnen hatte einen Einkaufswagen bis oben hin vollgepackt mit Milch, Kakao, Joghurt und Sahnepudding. Mehr bekamen sie nicht. Das Aldi-Management berief sich auf die "haushaltsüblichen Mengen", die der einzelne Kunde bekommen könne. Landwirt und Gemeinderat Johann Wenger wollte sich damit nicht zufriedengeben. "Wir bezahlen schließlich für die Ware", meinte er. Und weiter: "Es ist eine Frechheit, dass ein Liter Benzin mehr kostet, als dieselbe Menge Schokodrink."
Es blieb dabei: Pro Person gab es jeweils nur einen Karton jedes Produkts, mehr nicht. Eric Zahlmann, der Geschäftsführer von Aldi-Süd wollte unserer Zeitung gegenüber die Aktion der Milchbauern nicht kommentieren, obwohl sich diese ausdrücklich nicht nur gegen Aldi richtete. "Den Eröffnungstag halten wir aber für eine gute Gelegenheit dazu", meinte Landwirt Richard Lidl. Der Streit im Laden war unterdessen etwas laut geraten - Johann Wenger wurde mit Hausverbot belegt.
Die Kundschaft zeigte Verständnis für die Bauern. "Ich habe großen Respekt vor den Landwirten, die ihr eigenes Geld in die Hand nehmen, um ihre Interessen zu zeigen", meinte zum Beispiel Roswitha Steffens. Sie sei auch nicht böse, wenn sie einmal keine Milch im Laden vorfände. Trotz niedriger Preise kostete der Großeinkauf an Milchprodukten eine Menge Geld. Können sich die gebeutelten Milchbauern das leisten? "Eigentlich nicht, aber als wir die Aktion angekündigt haben, sind zahlreiche Privatleute sofort als Sponsoren eingesprungen", sagte Richard Lidl.
Die Milchprodukte wurden schließlich für mehrere gute Zwecke gespendet: Einen Großteil erhielt die Meringer Tafel, einen anderen Teil bekamen die Meringer Hauptschüler, die sie im Rahmen ihrer Aktion "Lebensläufe" in den Pausen verkaufen wollen. Über den Rest können sich die Grundschulen in Mering und Ottmaring freuen.
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