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25. Oktober 2010 19:25 Uhr

Friedberg

Mit 17 Silben auf dem Display zum Dichterlorbeer

In 17 Silben etwas Schönes, Poetisches sagen - vor dieser Herausforderung stehen Haiku-Schreiber. Haiku ist eine traditionelle, japanische, sehr kurze Gedichtform, die es auch dem Wirtschaftsprofessor und freien Schriftsteller Oliver Bendel angetan hat. Im Wittelsbacher Schloss war er im Rahmen des Literatur Updates gemeinsam mit dem Grafiker Christoph Knobel zu Gast. Von Michael Seefelder

Oliver Bendel (links) und Christoph Knobel im Schloss. Foto: mick-
Foto: mick-

Friedberg. In 17 Silben etwas Schönes, Poetisches sagen - vor dieser Herausforderung stehen Haiku-Schreiber. Haiku ist eine traditionelle, japanische, sehr kurze Gedichtform, die es auch dem Wirtschaftsprofessor und freien Schriftsteller Oliver Bendel angetan hat. Im Wittelsbacher Schloss war er im Rahmen des Literatur Updates gemeinsam mit dem Grafiker Christoph Knobel zu Gast.

Was sie vorführten, war laut eigenen Aussagen "eine Weltpremiere". Während Bendel seine Haikus vorlas, in denen es häufig um ein künstliches Wesen namens Handy Girl geht, sprühte Knobel einen QR-Code auf die Leinwand. Diese aus Quadraten bestehenden Strichcodes wurden ursprünglich in der Autoindustrie eingesetzt und können Informationen wie Text, URL-Adressen oder Visitenkartenangaben speichern.

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Im Wittelsbacher Schloss gelang dann das kleine Wunder. Wer das Bild mit seinem Handy scannte, dem erschien ein Gedicht auf dem Display, trotz der minimalen Ungenauigkeiten, die das Sprühen per Hand mit sich bringt.

"Ein Schmerz in der Brust, Amazonengesänge erfüllen die Nacht", lautet beispielsweise ein Bendelsches Haiku. Auch dem berühmten Dichter der Odyssee räumte er Platz ein: "Homers Lobpreis der goldenen Dienerinnen, jugendlich reizend". In vielen Gedichten, so erklärte Bendel, seien Anspielungen auf künstliche Kreaturen - Avatare -enthalten. Dazu zählt neben der Superheldin Handy Girl auch Pixel Boy.

Gelesen hat der Autor übrigens aus einem gedruckten Buch, ein Medium das er sehr schätze. Dennoch glaubt Bendel, der an der Wirtschaftshochschule in Basel lehrt, dass Handyhaikus künftig boomen werden. Seine Haiku-Bände enthalten die Texte sowohl in gedruckter Form, als auch in Form von QR-Codes. Die Haikus, die einem gefallen, könne man scannen und so immer auf dem Handy dabei haben, erklärte der Professor, der seit seinem 16 Lebensjahr Lyrik schreibt. Das gesprühte Bild, eine geometrische Anordnung mit einer ganz eigenen Ästhetik, wurde übrigens vom städtischen Baureferenten Carlo Haupt für 400 Euro ersteigert.

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