Kissing Passend zum nahen Osterfest hat sich das Langzeitprojekt Verlängerung der Kissinger Bahnhofstraße als echtes Überraschungsei erwiesen. Wie Bürgermeister Manfred Wolf in der jüngsten Gemeinderatssitzung mitteilte, habe die Bahn festgestellt, dass sich im Bereich der geplanten Straßentrasse Starkstromkabel befinden. Diese Komplikation werde den für heuer geplanten Baustart wohl vereiteln. Wie berichtet, plant die Gemeinde schon seit Jahren, die Straße vom alten Bahnhof parallel zu den Gleisen bis zum neuen Bahnhof fortzuführen. Damit soll vor allem das angrenzende O&K-Gelände erschlossen und endlich fürs Gewerbe interessanter werden. Erst Ende 2011 war es der Gemeinde Kissing gelungen, das letzte nötige Grundstück von der Bahn zu erwerben.
Und 2012 sollte es nun losgehen. 140000 Euro waren dafür eigentlich im Haushaltsplan vorgesehen. Gegen den Widerstand der CSU-Fraktion, die das Projekt wegen der klammen Gemeindekasse lieber noch zurückstellen wollte.
Dieser Wunsch wird nun, wie es scheint, doch noch erfüllt. Bei einem Gespräch mit Vertretern der Bahn, bei dem es um die noch nötige Freistellung des Geländes ging, trat die Überraschung zutage. „Die Bahn hat ihre Starkstromkabel möglichst weit weg vom Gleisbett verlegt, damit sie bei Bahnarbeiten nicht beschädigt werden“, erklärte Wolf. Das heißt, dass genau in der geplanten Trasse diese Kabel ebenso wie alte Signalleitungen liegen.
Dies wird auf alle Fälle zu mehrmonatigen Verzögerungen führen. „Die Bahn weiß auch nicht genau, wo die Kabel liegen“, so Wolf. Es wurden bereits Probebohrungen getätigt, die das Problem bestätigt haben. „Wir werden diese Straße heuer wohl nicht mehr bauen“, folgerte Manfred Wolf. „Und wer zahlt dann die Verlegung der Kabel?“, wollte Franz-Xaver Sedlmeyr (CSU) wissen. „Die Bahn sagt frühestens in zwei Monaten, was sie mit den Kabeln vorhat“, antwortete Bauamtsleiter Alfred Schatz. Er werde an der Aufklärung dranbleiben, versicherte er. Denn es müsse jedes Risiko ausgeschlossen sein. „Nicht dass wir irgendwann so ein Kabel durchtrennen und dann stehen alle Züge still und wir müssen am Ende noch Schadensersatz zahlen“, so sein Horrorszenario.