Startseite
Icon Pfeil nach unten
Günzburg
Icon Pfeil nach unten
Günzburg
Icon Pfeil nach unten

Kreis Günzburg: Bis 69 am Betonmischer

Kreis Günzburg

Bis 69 am Betonmischer

  • |
  • |
  • |
    Günther Simon aus Pfaffenhausen arbeitet als Polier für die Firma Xaver Lutzenberger derzeit auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses in Günzburg. Er glaubt nicht, dass die Menschen auf dem Bau alle arbeiten können, bis sie 69 Jahre alt sind.
    Günther Simon aus Pfaffenhausen arbeitet als Polier für die Firma Xaver Lutzenberger derzeit auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses in Günzburg. Er glaubt nicht, dass die Menschen auf dem Bau alle arbeiten können, bis sie 69 Jahre alt sind. Foto: Foto: Bernhard Weizenegger

    Mit 69 Jahren in Rente gehen? „Das will der Staat doch gar nicht“, sagt Günther Simon. Der 42-jährige Polier arbeitet gerade auf der Baustelle beim BKH in Günzburg mit. Seit er 15 Jahre alt ist, macht er körperlich anstrengende Jobs wie diesen. Inzwischen weiß Günther Simon zwar, dass er als Polier zur Not auch noch mit kleinen körperlichen Ermüdungserscheinungen arbeiten könnte. „Glücklicherweise“, wie er sagt. Doch von dem Gutachten der „Fünf Wirtschaftsweisen“ hält er trotzdem wenig. Darin wurde gerade vorgerechnet, dass das Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2060 auf 69 Jahre angehoben werden müsste.

    Schwer vorstellbar für all diejenigen, die jeden Tag viel leisten müssen, sei es nun am Schreibtisch oder an der Maschine. Polier Günther Simon schätzt, dass das Renteneintrittsalter in seinem beruflichen Umfeld so etwa bei 63 Jahren liegen dürfte. Er vermutet, dass diese Regelung nicht ernsthaft darauf abzielt, Menschen mit Ende 68 noch an den Arbeitsplatz zu bitten. „Die wollen, dass man früher aufhört und weniger Rente bekommt“, ist Günther Simon überzeugt. Denn ältere Arbeiter sind mitunter häufiger krank oder müssen zur Kur, um durchzuhalten.

    Reinhard Miehle hat deshalb irgendwann den Schreibtisch verlassen. Seit etwa zehn Jahren ist er zuständig für die Post im Landratsamt. „Ich bin jeden Tag einige Stunden unterwegs“, erzählt er. Der 64-Jährige hat inzwischen nur noch einen Kollegen, der älter ist als er selbst.

    Dass er die Stelle als Dienstpostmann angetreten hat, bereut er nicht. „Für mich und meine Gesundheit war das positiv.“ Die Bewegung in den Gängen des Landratsamtes tue ihm gut und er habe dadurch an die zehn Kilo abgenommen. Trotzdem: Mit 65 soll Schluss sein. „Am 31. Dezember gehe ich in Rente, über 48 Jahre Arbeit sind genug.“ Die Rentendebatte sei für ihn ein Reizthema. „Die Politiker sollen die Finger von der Rentenkasse lassen“, schimpft er. Über Jahrzehnte seien dort Gelder für einen anderen Zweck entnommen worden und nun beklage man sich, dass nicht mehr genug in der Kasse sei.

    Monika Schönberger kann der Rente mit 69 ebenfalls wenig abgewinnen. Seit vier Jahren arbeitet die 58-Jährige als Betriebsrätin bei AL-KO. Auch in diesem Job kann es stressig werden, sei es nun im Büro oder bei Besprechungen. „Ich weiß nicht, ob ich das in zehn Jahren auch noch machen kann“, überlegt sie. Monika Schönberger kann sich nicht vorstellen, dass es ihren Kollegen in der Produktion anders ergeht und sie fragt sich, wie das Arbeitsleben eines Schweißers in diesem Alter wohl aussehen mag: „Es ist ja auch Unsinn, ihn mit 67 ins Büro setzen zu wollen“, findet sie. Zumal er dort ja wieder jemand anderem einen Arbeitsplatz streitig machen würde. In ihrem beruflichen Umfeld hätten die meisten Kollegen die Chance genutzt, in Altersteilzeit zu gehen. Das ist jetzt nicht mehr möglich.

    Der DGB-Regionsvorsitzende Werner Gloning glaubt nicht daran, dass das Renteneintrittsalter auf 69 angehoben wird. „Das ist Schwachsinn“, sagt er. Seriöse Schätzungen bis ins Jahr 2060 seien schlicht nicht möglich. „Ich glaube, es geht eher darum, die Rente mit 67 Jahren zu zementieren.“ Dabei würde sich heute schon nur etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer dafür entscheiden, bis 65 zu arbeiten. Werner Gloning erklärte, dass die Rente keine Generationenfrage sei, sondern eine der Verteilungsgerechtigkeit. Die Rente mit 67 bezeichnete er als ein Programm zur Steigerung der Altersarmut. Wer die zwei Jahre bis 67 nicht mehr schaffe, müsse schließlich auf etwa sieben Prozent der Rente verzichten.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden