Das teilte gestern Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt unserer Zeitung mit. „Es gibt Undichtigkeiten an Brennstäben“, sagte Schmidt. Radiochemische Messungen bei der Revision hätten ergeben, dass Edelgas ausgetreten sei. Die Belastung im Reaktor habe aber deutlich unter den genehmigten Grenzwerten gelegen.
Bei der gegenwärtig laufenden Revision wurden alle 784 Brennelemente des Reaktorblocks C mit etwa 71.000 Brennstäben überprüft. Am vergangenen Mittwoch wurden vier Brennelemente aus zwei verschiedenen Fertigungschargen „als defekt erkannt“, informierte Schmidt: „Alle Brennelemente der gleichen Produktionscharge werden nun aus dem Reaktor ausgeladen.“ Es gebe den Hinweis auf eine Systematik. Wie Schmidt mitteilte, handelt es sich dabei um vier Mox-Brennelemente.
Unterhalb der zulässigen Grenzwerte
Diese Atomkraftwerke werden in Deutschland betrieben
Wo stehen welche Atomkraftwerke in Deutschland, wer betreibt sie und wann werden oder wurden sie abgeschaltet? Eine Übersicht:
Das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein wird von E.ON betrieben. Baubeginn war im Januar 1976, im kommerziellen Betrieb ist das AKW seit Dezember 1986. Brockdorf ist ein Druckwasserreaktor und soll 2021 abgeschaltet werden.
Das Kernkraftwerk Isar liegt nahe Landshut und wird von E.ON betrieben. Isar/Ohu 1 ist ein Siedewasserreaktor. Bauzeit war von 1972 bis 1979. Isar/Ohu 2 ist ein Druckwasserreaktor und ging nach sechsjähriger Bauzeit im April 1988 ans Netz. Isar 2 soll im Jahr 2022 abgeschaltet werden. Der Atommeiler Isar 1 wurde bereits im August 2011 vom Netz genommen.
Das Atomkraftwerk Philippsburg steht im Landkreis Karlsruhe (Baden-Württemberg). Betreiberin ist die EnBW. Philippsburg 2, ein Druckwasserreaktor, ging nach achtjähriger Bauzeit 1985 in den kommerziellen Betrieb, der Siedewasserreaktor Philippsburg 1 im Jahr 1980. 2011 wurde Philippsburg 1 vom Netz genommen.
Das Kernkraftwerk Grohnde (KWG) ist ein Druckwasserreaktor und steht im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Betreiben wird es von der Firma E.ON. Baubeginn für Grohnde war im Jahr 1986, Betriebsstart 1985, Ende soll 2021 sein.
Das Kernkraftwerk Emsland in Niedersachsen wird von RWE betrieben. Es wurde in den Jahren 1982 bis 1988 gebaut. In Betrieb bleiben soll der Druckwasserrreaktor bis zum Jahr 2022.
Das Atomkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg wird von enBW betrieben. Es hat zwei Druckwasserreaktoren, von denen derzeit noch einer in Betrieb ist. Neckarwestheim II soll als eines der letzten deutschen AKW 2022 vom Netz gehen.
Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld liegt südlich von Schweinfurt am Main. Baubeginn für Grafenrheinfeld war 1974, die Inbetriebnahme war 1981. Das Atomkraftwerk wird von der E.ON Kernkraft GmbH betrieben und wurde 2015 abgeschaltet.
Gundremmingen B und Gundremmingen C im Landkreis Günzburg sind zusammen das leistungsfähigste Atomkraftwerk Deutschlands. Betrieben werden die Siedewasserreaktoren von der RWE. Baubeginn war im Jahr 1976, Gundremmingen B ging 1984 ans Netz, Gundremmingen C ein Jahr später. Block B soll spätestens 2017 vom Netz gehen, Block C spätestens im Jahr 2021.
Schädliche Auswirkungen auf Menschen habe es nicht gegeben, heißt es auch auf der Web-Seite des Bayerischen Umweltministeriums: „Die gemessenen Werte innerhalb und außerhalb der Anlage lagen weit unterhalb der zulässigen Werte.“ Auch Tobias Schmidt betont, dass wegen des Brennelemente-Defekts keinerlei Gefährdung für die Bevölkerung bestanden habe. Das meldepflichtige Ereignis wird auf der internationalen Bewertungsskala INES in die Kategorie O (keine oder sehr geringe Bedeutung) eingestuft. Die Revision im Block C des Gundremminger Kernkraftwerks soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein. bv