Landkreis Kaum ein Tag vergeht, an dem der drohende Fachkräftemangel nicht Thema ist. IHK-Betriebe in der Region wollen nicht jammern, sondern aktiv qualifizierten Nachwuchs gewinnen. 43 Unternehmen in Nord- und Westschwaben veranstalten am Samstag, 9. Juli, für Jugendliche einen Tag der offenen Ausbildungsstätten (wir berichteten). Wir sprachen mit dem Regionalgeschäftsführer der IHK für Westschwaben, Oliver Stipar.
Die Klage über den Fachkräftemangel ist groß. Wie schaut es in der Region aus?
Oliver Stipar: Im Kreis Günzburg liegt die Arbeitslosenquote bei 2,5 Prozent, in Neu-Ulm bei 2,9 Prozent. Das zeigt, dass wir in der Region Vollbeschäftigung haben. Das Potenzial an Fachkräften, aus dem die Firmen schöpfen können, wird jedenfalls merklich kleiner.
Also ist dies für die Wirtschaft ein ernsthaftes Problem.
Stipar: Der Fachkräftemangel droht, wir rauschen hier in eine ungewisse Zukunft. Die Region ist ein Produktionsstandort mit einem hohen Bedarf an technischen Berufen. Und da ist es oft schwierig, Jugendliche in ausreichender Zahl für eine technische Ausbildung zu gewinnen. Bei jungen Menschen stehen oft Modeberufe wie Verkäuferin oder Kfz-Mechaniker auf der Wunschliste ganz oben. Und im technischen Bereich sind viele Ausbildungsmöglichkeiten gar nicht bekannt. Wer kennt schon den Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik oder die Servicefachkraft für Schutz und Sicherheit? Oft ist es so, dass sich Mädchen sogenannte Männerberufe nicht zutrauen. Dabei sind diese modernen technischen Berufe für sie locker zu machen.
Wie viele Firmen machen in Nord- und Westschwaben mit?
Stipar: Im Ganzen sind es 43, und dabei 24 aus den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm.
Was ist der Sinn der Aktion?
Stipar: Unternehmen wollen am Tag der offenen Ausbildungsstätten jungen Menschen einen Einblick in die Ausbildungspraxis gewähren. Jugendliche können sich auf Augenhöhe mit den Azubi ein Bild davon machen, wie ihr Wunschberuf in der Realität ausschaut. Und es geht ja auch darum, überhaupt zu zeigen, welche Berufe in der Region ausgebildet werden.
In Westschwaben findet der Tag zum ersten Mal statt. Wie kam er andernorts an?
Stipar: Der Tag der offenen Ausbildungsstätten fand bereits mit großem Erfolg im Allgäu und in den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries statt. Für junge Leute ist das eine erstklassige Möglichkeit, sich persönlich vor Ort bei Azubi und Ausbildern zu informieren. Sie sehen, wie sich die Ausbildung anfühlt. Als Beispiel möchte ich das Kernkraftwerk Gundremmingen nennen, das beim Ausbildungstag mitmacht. Dort haben Jugendliche normalerweise keine Chance, in den inneren Bereich hineinzukommen. Interview: Berthold Veh
Bei uns im Internet
Informationen gibt es auch bei uns im Netz unter guenzburger-zeitung.de/ausbildungsstaetten. Zudem liegt der heutigen Ausgabe unserer Zeitung eine Verlags-Beilage zum Tag der offenen Ausbildungsstätten bei.