Leipheim Für die Freunde irischer Musik hing der Himmel voller Geigen. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Drei Bands mit insgesamt sieben Geigen boten bisweilen himmlische Klänge beim wieder einmal ausverkauften „Irish Spring Festival“ im Leipheimer Zehntstadel. Das Schöne an der 12. Auflage der deutschlandweiten Konzertreihe: Die jungen Künstler von der grünen Insel beschränken sich nicht mehr ausschließlich auf die zuweilen doch reichlich ausgetrampelten Pfade traditioneller irischer Folkmusic. Sie lassen in ihre Lieder auch unterschiedlichste Stilrichtungen einfließen und unterstreichen das mit Instrumenten, die nicht zur klassischen Besetzung gehören.
Amerikanische Einflüsse in irischen Liedern
Ein Paradebeispiel dieser „neuen“ irischen Musik sind „The Henry Girls“, drei Schwestern aus Donegal, dem rauen Nordwesten Irlands. Irische Einwanderer haben die amerikanische Musik ganz wesentlich mitgeprägt. Die Henry Girls gehen den umgekehrten Weg. Sie holen amerikanische Einflüsse in ihre Lieder. Ein bisschen Country, ein bisschen Swing, dazu ein für die irische Musik ungewöhnlicher Dreigesang – „The Henry Girls“ sind mit ihren wunderbaren Stimmen, der Harfe, der Geige, dem Akkordeon und dem Keyboard ein Erlebnis. Allein ihr selbst komponiertes Lied „December Moon“ (so heißt auch ihre aktuelle CD) war den Besuch des Konzertes wert.
Dass Donegal auch gestandene Mannsbilder hervorbringt, stellt die Gruppe „Fidil“ unter Beweis. Fast zerbrechlich wirken die kleinen Geigen in den Händen der drei Musiker, die überwiegend Traditionelles, also Jigs und Reels, im Repertoire haben. Das aber auf durchaus ungewohnte Weise. Die Geigen dienen nicht nur als Streich-, sondern auch als Zupf- und Schlaginstrument. „Fidil“ versprüht auch den herben irischen Witz, etwa bei dem Lied „The hunt of the hound and hare“, frei übersetzt: Viele Hunde sind des Hasen Tod. Die hechelnde Meute ist hinter dem Hasen her, am Ende signalisieren fiepende Laute, dass es um Meister Lampe geschehen ist.
Eigens für die diesjährige Konzertreihe, die diesen Monat durch 24 deutsche Städte führte, ist eine All-Star-Band zusammengestellt worden. Sie trägt den Namen „Tulsk“, ein kleiner Ort, welcher der Sage nach das „Tor zur Unterwelt“ ist. Herausragend und in der eingeschworenen Fangemeinde am bekanntesten sind der Flötist Alan Doherty, der sich mit seinem musikalischen Beitrag zum oscarprämierten Soundtrack des Films „Herr der Ringe“ einen Namen machte, sowie der Bassist Kelvin Busher, ein Könner und Showtalent von hohen Graden.
Auch „Tulsk“ geht musikalisch und inhaltlich neue Wege – etwa mit dem Lied „Pablos Eyes“, der Geschichte eines Waisenkindes, das auf den Straßen von Guatemala-City ums Überleben kämpft. Die Band bot freilich nicht nur warmherzige Balladen, sondern auch rasante Jigs und Reels, zu denen Emma O’Sullivan über die Bühne wirbelte. Die Step-Tänzerin ist „All Ireland“-Meisterin im traditionellen Steptanz, die ursprüngliche und spontane Version dessen, was vor Jahren als „Riverdance“ weltberühmt geworden ist.
Alle blasen gemeinsam zum Finale
Es ist gute Übung, dass sich zum Ende des Irish Spring Festivals alle Akteure auf der Bühne versammeln, um zum großen Finale zu blasen. Das begeisterte Publikum, das den ganzen Abend eifrig mitsang und mitklatschte, erzwang gleich mehrere Zugaben – darunter „Farewell“. Es war ein Abschied, der Vorfreude auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr machte.