Philatelie. Felix Labus aus Hammerstetten hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er handelt mit Leidenschaft

Von Andreas Baumer
Hammerstetten. Es scheint so, als ob man eintauchen würde in vergangene Zeiten, wenn Felix Labus seine Alben durchblättert und ab und an innehält, um besonders markante Briefmarken zu zeigen und zu erklären. Zu zeigen gibt es vieles: zum Beispiel die ersten Briefmarken aus deutscher Fertigung Mitte des 19. Jahrhunderts oder Kolonialbriefmarken mit dem Aufdruck „Deutsch-Neuguinea“ aus der Zeit des Kaiserreichs bis hin zu Briefmarken auf dem Höhepunkt der Inflation im Jahr 1923, die mit fünf Milliarden Mark dotiert sind, und den berühmten Posthorn-Dauerserien aus den 1950er-Jahren. In 3000 Alben lagern die Schätze des jungen Philatelisten. Labus hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Seit neun Jahren handelt er professionell mit Briefmarken, seit mehr als drei Jahren ist er selbstständig. Im Juli letzten Jahres erfolgte dann der Umzug aus der Heimat in Neuburg an der Donau nach Hammerstetten.
Schon als kleines Kind bereitete es dem heute 25-Jährigen große Freude, Briefmarken zu sammeln. Inspiriert von seinem Vater begann Labus im Alter von sechs Jahren, ein eigenes Kontingent anzulegen. Mit 18 Jahren entschied er sich, eine Ausbildung in einem Münchner Briefmarkenladen anzufangen. Der Schritt hin zur Selbstständigkeit traf nicht überall auf Zuspruch. „Mein Vater war eher weniger begeistert von dieser Idee“, erzählt Labus.
Zweifel, ob das Geld zum Leben reicht
Zweifel bestanden vor allem daran, ob man als professioneller Philatelist genug Geld zum Leben verdienen könne. Doch Labus ließ sich von seinem Traum nicht abbringen. Er sieht sich im Rückblick bestätigt. Bisher habe alles wunderbar geklappt. Die Arbeit mache viel Spaß, versichert er, auch wenn sie ziemlich viel Zeit in Anspruch nehme. So sei es die Regel, dass man an Wochenenden durch die Republik fahren würde, um Geschäfte abzuwickeln. Geschäfte machen heißt beispielsweise, Briefmarken einzukaufen und an Einzelkunden zu verkaufen. Tatkräftige Unterstützung erfährt er dabei von seiner Freundin Olga Bajra, die ihm Büroarbeit abnimmt. Hauptsächlich auf sie ist es zurückzuführen, dass Labus neben den Briefmarken auch Euro-Münzen in das Sortiment aufgenommen hat. Der Hammerstetter bezeichnet diese Kollektion, die sich vorwiegend auf den Verkauf aktueller Zwei-Euro-Münzen beschränkt, gern als zweites Standbein.
Denn die Zukunft des Briefmarkenhandels sieht er durchaus kritisch. Besonders junge Leute seien kaum für die mithin kostenintensive Leidenschaft zu begeistern. Labus glaubt in der zunehmenden Globalisierung eine wesentliche Ursache für dieses Phänomen zu erkennen. Sei es früher etwas Besonderes gewesen, alte Briefmarken aus Australien in der Hand zu halten, könne man heutzutage solche Raritäten durch wenige Klicks im Internet aufrufen und dort ansehen. Auch im Landkreis Günzburg gebe es vergleichsweise wenig Briefmarkensammler. Die Zahl derer, die für ihre Leidenschaft Geld ausgeben und aktiv an der Komplettierung ihrer Sammlungen feilen, schätzt er auf etwa fünfzig. Der Anteil der Sammler unter sechzig Jahren sei dabei eher gering. An eine existenzielle Krise der Philatelie glaubt er jedoch nicht: Da das Briefmarkensammeln eben nach wie vor mit relativ viel Geld verbunden sei – Labus selbst hat Briefmarken im Wert von bis zu 2000 Euro im Sortiment – hätten ältere Leute einen Ressourcenvorteil. Einen Grundstock an Sammlern würde es weiterhin geben.
Bei seinen beruflichen Wünschen für die Zukunft gibt sich der 25-Jährige bescheiden. Er sei vollauf zufrieden, wenn es so weiter gehe wie bisher. Dann äußert er doch noch eine kleine Bitte: Es wäre schön, wenn mehr Leute sammeln würden. Labus bietet an, jedem Neuling Startmaterial zur Verfügung zu stellen und fachmännisch zu beraten. Es geht schließlich nicht nur um seinen Beruf, es geht um seine Leidenschaft.
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