Dürrlauingen Seit 1982 arbeitet der Diplom-Psychologe Prof. Karl-Heinz Eser im Förderungswerk St. Nikolaus, seit 15 Jahren ist er dessen Leiter. Dies berichtet das Förderungswerk in einer Pressemitteilung. „Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die die ganze Person fordert“, beschreibt der 63-Jährige seinen Eindruck. Geblieben ist in dieser Zeit „meine Grundmotivation, jungen Leuten lohnende Lebenswege zu erschließen“.
Enormer persönlicher Einsatz der Mitarbeiter
Geändert habe sich in den 30 Jahren die jungen Leute und die Welt, mit ihnen und um sie herum, heißt es in der Mitteilung weiter. Zusehends gäbe es junge Leute, die nicht mit einer Behinderungsart, sondern gleich mit durchschnittlich mehr als vier Diagnosen ins Berufsbildungswerk kommen – keine aussichtslosen, aber in ihrer Dichte viel schwierigere und kompliziertere Lebensgeschichten, die wieder aufs richtige Gleis geleitet werden sollen. Verhaltensauffälligkeiten sind ein großes Thema für Eser und seine Mitarbeiter, psychische Beeinträchtigungen kämen oft dazu. „Dieses Geschäft ist viel strapaziöser geworden und erfordert enormen persönlichen Einsatz der Mitarbeiter“, so Esers Erfahrung. „Es sind oft junge Leute, die sich selbst noch nicht gefunden haben und die zunächst jede Orientierungshilfe ablehnen.“
Nach wie vor schafft Dürrlauingen nach Angaben des Förderungswerks einen der bundesweit besten Schnitte aller Berufsbildungswerke, wenn es um die Vermittlung der Absolventen in den Arbeitsmarkt geht – mehr als 70 Prozent sind es immer, mehr als 80 Prozent oft. Was da dahinter steckt, könne man als Außenstehender nur erahnen. Da ist die beispielsweise 17-Jährige, die in die Drogenszene abgerutscht war, Mutter wurde und versucht, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen und eine Lehre zu absolvieren.
Den Jugendlichen neue Lebenswege eröffnen
Solchen jungen Leuten Lebenswege eröffnen, das möchte Eser gerne – aber die Rahmenbedingungen der öffentlichen Kassen, die das alles bezahlen, sprächen nicht selten dagegen. „Da wird von den Zuständigen dann nicht von einer Investition in die Zukunft von jungen Menschen geredet, sondern lediglich von Kosten.“ Dass ihn das ärgert, dass er das falsch findet, dass er die gut gemachte Bildungs- und Sozialarbeit dem Strohfeuer der Marketing-Kampagnen vorzieht – das alles äußert er im Gespräch. Der gebürtige Rheingauer ist ein Mann der leisen Töne. Wissenschaftliches Arbeiten dient seiner aktiven Entspannung, und hin und wieder lässt er auch gereimte Zeilen sprechen – da blitzt dann Ironie durch. Als Ausgleich zu all dem ist er immer noch in der Blasmusik aktiv – da kann er dann auch mal richtig laut werden. (pm)