Donnerstag, 21. September 2017

18. Mai 2010 20:00 Uhr

Die etwas andere Bank

Ichenhausen Die Raiffeisenbank Ichenhausen ist im großen Haifischbecken der globalen Finanzwelt ein eher kleiner Fisch. Dennoch hat sich das Geldinstitut in Bankkreisen inzwischen deutschlandweit einen Namen gemacht. Sogar die Universität Bochum wurde auf die Ichenhauser aufmerksam. Ein Professor, der die Zufriedenheit der 44 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Raiffeisenbank untersucht hatte, fuhr extra nach Ichenhausen, um festzustellen: "Ein derart gutes Ergebnis wurde in der Finanzbranche bisher auch nicht annähernd gemessen." Inzwischen schreibt ein Student aus Dänemark eine eigene Diplomarbeit über die Bank. Doch wie kam das alles? Was ist in Ichenhausen anders als bei anderen Banken? Der Reihe nach.

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Es begann damit, dass die beiden Vorstände Michael Hösle und Ernst Kronawitter keine Lust mehr hatten, täglich in Sippenhaft genommen zu werden. In Sippenhaft für jene Banker, die auf Kosten anderer die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds gebracht haben und die sich trotz Staatshilfe hohe Boni einsteckten. "Die Öffentlichkeit unterscheidet nicht zwischen den Bankern aus den privaten Instituten und Bankern aus dem Genossenschaftsbereich, die das überhaupt nicht betrifft", stellen Hösle und Kronawitter übereinstimmend fest.

"Zeit online" wurde auf die Raiffeisenbank Ichenhausen aufmerksam. Die Online-Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" schickte eine Mitarbeiterin aus Hamburg nach Ichenhausen. Sie schaute sich zwei Tage vor Ort um. Was sie dort recherchierte, beeindruckte sie.

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"Die Journalistin durfte sich im Haus völlig frei bewegen und mit jedem Mitarbeiter einzeln über alles sprechen, was sie interessiert hat", berichtet Kronawitter. Dabei erfuhr die "Zeit online"-Reporterin, dass die Raiffeisenbank seit 2002 eine andere Strategie verfolgt als viele Geldinstitute: Sie zahlt ihren Mitarbeitern keine Provisionen, sondern relativ hohe Fixgehälter. Zudem werden den Kundenberatern keine Verkaufsziele vorgegeben. "So können wir bedarfsgerecht und objektiv beraten", sagt Kronawitter. "Und es gibt keinen Neid zwischen den Mitarbeitern." Das Geldinstitut bietet seinen Kunden nicht nur die üblichen Genossenschaftsprodukte an, sondern etwa 5000 Fonds aller möglichen Gesellschaften. Es arbeitet zudem mit drei Versicherungsgesellschaften zusammen.

Dieses Modell funktioniert. "Wir bearbeiten den Markt erfolgreich", sagt Hösle nicht ohne Stolz. Die Raiffeisenbank Ichenhausen hat im Bundesverband die höchstmögliche Ratingstufe erhalten. Unter den Mitarbeitern gebe es keinen Druck, so der Vorstandsvorsitzende. "Manche Institute überprüfen wöchentlich oder sogar täglich, wie viele Termine ein Beschäftigter gehabt und wie viele Produkte er verkauft hat. Das gibt es bei uns nicht."

Die "Zeit online"-Journalistin veröffentlichte im September vergangenen Jahres ihren Beitrag mit der Überschrift: "In Schwaben ist die Bank noch in Ordnung." Dies stieß bundesweit auf großes Interesse. "Wir hatten daraufhin mehr als doppelt so viele Klicks auf unserer Homepage wie sonst", so Hösle.

Die Ruhr-Universität Bochum las den Artikel und suchte den Kontakt. Sie fragte an, ob sie eine Befragung über "die Mitarbeiterzufriedenheit und das Organisationsklima" machen darf. Sie durfte. Der Katalog, den sie anschließend schickte, umfasste 137 Fragen. Alle Mitarbeiter der Raiba Ichenhausen machten mit - freiwillig. Heraus kam ein Resultat, das der Uniprofessor vom Lehrstuhl für Psychologie so noch nie ermittelt hat. Danach liegt die kleine regionale Bank in allen Bereichen ganz vorne. Nicht nur das Betriebsklima erzielte einen Spitzenwert.

Tanja Kuhn überrascht dies nicht. "Wir haben nun die schriftliche Bestätigung dessen, was wir schon lange wissen", meint die Bankangestellte aus Günzburg. In der Raiffeisenbank Ichenhausen, in der sie seit zwölfeinhalb Jahren arbeitet, werde Teamgeist gelebt. "Hier herrscht eine andere Philosophie. Es ist alles unkomplizierter, es wird viel gesprochen. Und die Tür zur Geschäftsleitung ist tatsächlich immer offen", so Tanja Kuhn.

"Die Mitarbeiter sind unheimlich stolz auf das Ergebnis", sagen Hösle und Kronawitter. Sie fühlen sich im Kurs, den sie gemeinsam mit den Beschäftigten eingeschlagen haben, bestätigt - auch wenn es hie und da im Landkreis ein wenig Neid gibt. Kronawitter: "Wenn ich so etwas höre, sage ich nur: Macht es doch genauso!"

Nun plant die Goethe-Universität Frankfurt, den Zusammenhang zwischen dem Geschäftsmodell der Raiffeisenbank Ichenhausen und dem Mehrwert für die Kunden zu untersuchen. Trotz solcher bundesweiter Publicity will die Raiba Ichenhausen bodenständig bleiben. Die Vorstände wollen eine Bank, die besser ist als die anderen. Nicht profitabler. Aber fairer im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern.

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