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27. September 2010 05:55 Uhr

Fehler machen das Foto zur Kunst

Burgau Stefanie Schneider ist eine Fotokünstlerin, die ungewöhnliche Wege geht. Die kleine Ausstellung von Werken der in Berlin und Los Angeles lebenden Künstlerin, die Kurator Adi Hoesle am Freitagabend im Kaufhaus Klein in Burgau eröffnete, zeigt dies auf eindrucksvolle Weise. Von Gertrud Adlassnig

Kurator Adi Hoesle und Hans Riethmüller vom Künstleratelier Kaufhaus Klein in Burgau freuten sich bei der Vernissage zur Fotoausstellung mit Werken von Stefanie Schneider über ein großes Interesse und viele Gäste. Foto: Adlassnig
Foto: Adlassnig

Das Kaufhaus Klein, seit Sommer ein offenes Atelier, in dem der Enkel der letzten Inhaberin, der Künstler Hans Riethmüller, eine Kunststätte eingerichtet hat, die mit ihrem Konzept neue, ganz und gar nicht kleinstädtische Wege geht, kann in seiner kurzen Geschichte schon die zweite Ausstellung mit Werken international anerkannter Künstler präsentieren. Auch Stefanie Schneider wurde von Kurator Adi Hoesle nach Burgau gebracht.

Die kleine Serie widmet sich der Fotokunst. Wie Tichy, der böhmische Fotograf mit Weltruhm, dem die erste Ausstellung galt, setzt auch Stefanie Schneider auf den Fehler als künstlerisches Instrument. Der Fehler liegt bei ihren Werken im Material. Sie fotografiert ausschließlich mit Polaroidfilmen, die das Verfallsdatum bereits überschritten haben.

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Die Folge: Farbveränderungen erzeugen einzigartige Stimmungen, Flecken irritieren den Betrachter in seinen Sehgewohnheiten. "Fehler" im Sinne der perfektionierten Digitalfotografie sind auch die Unschärfen der Polaroidkamera. Für Stefanie Schneider sind die der Norm entrückten Ergebnisse gewollt. In der technischen Bearbeitung allerdings setzt sie auf Perfektion.

Wie Adi Hoesle über ihre Arbeitsweise berichtet, werden die aus Tausenden Aufnahmen ausgewählten Polaroidfotos in ihrem Hightechstudio in Berlin mit einer analogen Kamera abfotografiert. Die Abzüge müssen das Original perfekt wiedergeben, auch wenn sie dafür unzählige Arbeitsgänge benötigt. Dann steht das Bild. Retuschiert und nachgearbeitet oder gar digital aufgemöbelt wird nichts bei Stefanie Schneider.

So wird die Entstehung zum eigenwilligen Kunstprozess. Motiv und Arrangement vollenden das Kunstwerk. Das Motiv bestimmt der Zufall, die Rahmenbedingungen werden von der Künstlerin geschaffen. Ihre Bilder entstehen in der Wüste Kaliforniens, die sie mit mehr oder minder zufällig zusammengewürfelten Gruppen bereist.

In der Einsamkeit

Mehrere Wochen zieht das Team in die Einsamkeit, in der gruppendynamische Prozesse immer neue und immer andere zwischenmenschliche Konstellationen und Stimmungen hervorbringen, die Stefanie Schneider vor dem Hintergrund der Wüste und des American Way of Life mit ihrer Polaroidkamera einfängt, nicht selten wie Drehbücher in Bilderbuchform.

Zurück in Deutschland wählt sie aus, arrangiert, komponiert, erschafft neue Zusammenhänge und schafft neue Aufnahmen, indem sie verschiedene Motive zusammenstellt. So entstehen Kunstwerke, die ihre eigene Geschichte erzählen. Ob sie wahr im Sinne von wirklich sind, spielt keine Rolle mehr, das Foto hat seine Funktion als Abbildung der Realität bei Stefanie Schneider verloren, es ist zum selbstständigen Kunstwerk geworden.

Die Ausstellung im Kaufhaus Klein in Burgau ist noch bis 23. Oktober, jeweils Mittwoch bis Freitag, 19 bis 22 Uhr, und samstags von 17 bis 22 Uhr zu sehen.

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