Auch wenn Fortschritt und Wohlstand zumindest bei vordergründiger Betrachtung ständig zu wachsen scheinen – so wachsen mit der Veränderung der natürlichen Ressourcen oft auch „Mangelgefühle“ auf der seelischen, geistigen und emotionalen Ebene. „Verarmung im Wohlstand“ nannte das Professor Lothar Zettler von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kempten, der zur Eröffnung der unter dem Titel „Biodiversität/Artenvielfalt“ stehenden Umweltwoche im Landkreis Günzburg am Montagabend in Burtenbach sprach. Es brauche, so Zettler, gesunde Sinne und Gefühle, um wertzuschätzen, „was wir haben und was wir zu bewahren haben.“
Auch wenn Zettler seine Redezeit in der Burggrafenhalle kräftig überzog, gelang es ihm doch, mit Eloquenz und Allgäuer Witz sein Thema anschaulich zu präsentieren und so die rund 90 Zuhörer zu fesseln. Was hat die von Zettler postulierte „Verarmung im Wohlstand“ mit Artenschutz und Biodiversität zu tun? Zettler gelang der Brückenschlag auf kurzweilige Weise. Während über Millionen von Jahren die Natur die Erdentwicklung geprägt hat, nimmt seit rund 10000 Jahren der Einfluss des Menschen zu, es entstehen „neue Kulturlandschaften durch Menschenhand“. Diese wiederum erfahren Veränderung auch dadurch, dass emotionale, seelische und geistige „Verarmung im Wohlstand“ (Zettler) gern mit einer oft abenteuerlich gestalteten Freizeit in der Natur kompensiert werde.
Eine kleine Verwandlung könnte nach dem Auftakt zur Umweltwoche 2012 des Landkreises auch in einigen Gärten geschehen: Nach den Vorträgen – die Podiumsdiskussion ließ Moderator Ottmar Frimmel vom Landratsamt wegen der fortgeschrittenen Zeit ausfallen – durften die Gäste Kartoffeln einpacken, alte Sorten mit wohlklingenden Namen wie „Rosa Tannenzäpfle“ oder „Odenwälder Blaue“, die schon bald für eine Bereicherung der Vielfalt in heimischen Gärten sorgen sollen.
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